Essen Innenstadt im Sommer

Essen — wo die A40 die Stadt in zwei Welten teilt

Key-Facts: Essen

  • Einwohner: 580.000
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Oberbürgermeister: Thomas Kufen (CDU, seit 2015)
  • Wahlkreise: 2 (Essen I Nr. 120, Essen II Nr. 121)
  • Besonderheit: Krupp-Erbe, Zeche Zollverein (UNESCO), Kulturhauptstadt 2010, RWE/E.ON-Sitz

In Essen gibt es einen Satz, den jeder kennt: „Nördlich der A40 ist eine andere Welt." Die Autobahn, die das Ruhrgebiet durchschneidet, ist in Essen mehr als eine Verkehrsader — sie ist eine soziale Grenze. Im Norden: Altenessen, Katernberg, Karnap — Viertel mit Arbeitslosenquoten von über 15%, Schrottimmobilien und einer Wahlbeteiligung, die bei Kommunalwahlen unter 30% sinkt. Im Süden: Bredeney, Werden, Kettwig — Villengebiete am Baldeneysee, Privatschulen und Einkommen, die zum oberen Dezil gehören.

Diese Spaltung ist kein Zufall. Essen war die Krupp-Stadt: Die Villa Hügel in Bredeney, Stammsitz der Industriedynastie, und die Arbeitersiedlungen im Norden markierten schon vor 100 Jahren die Kluft zwischen Kapital und Arbeit. Heute heißen die Konzerne RWE und E.ON statt Krupp — die geographische Trennung ist geblieben.

Bundestagswahl 2025 in Essen

Essens zwei Bundestagswahlkreise spiegeln die Nord-Süd-Teilung fast eins zu eins wider.

Partei Essen I (120) Essen II (121)
CDU24,7%31,4%
SPD25,3%18,6%
AfD14,9%9,8%
Grüne10,8%16,2%
BSW7,1%5,2%
FDP4,2%7,6%

In Essen I (Norden, Innenstadt, Steele) ist die SPD mit 25,3% knapp stärkste Kraft — aber die AfD folgt mit fast 15% auf dem Fuß. Das BSW kommt auf 7,1% — deutlich über dem Landesschnitt. Die Botschaft ist klar: Im Essener Norden wächst der Protest, und er verteilt sich auf mehrere Parteien.

In Essen II (Süden, Bredeney, Rüttenscheid, Werden) dominiert die CDU mit 31,4%. Die Grünen erreichen 16,2% — Rüttenscheid ist Essens grünstes Viertel. Die FDP kommt auf 7,6%, fast doppelt so viel wie im Norden. Hier wählt die bürgerliche Mitte.

Kulturhauptstadt 2010 — und danach?

2010 war Essen Kulturhauptstadt Europas — stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet. Die Zeche Zollverein, seit 2001 UNESCO-Welterbe, wurde zum Symbol des Wandels: Wo einst Kohle gefördert wurde, finden heute Ausstellungen, Konzerte und Design-Events statt. Das Folkwang-Museum, die Philharmonie und das Aalto-Theater machen Essen zum kulturellen Zentrum des Reviers.

Doch 16 Jahre nach dem Kulturhauptstadt-Titel ist die Euphorie verflogen. Die kulturelle Aufwertung hat den Süden profitieren lassen — der Norden wartet weiter. Thomas Kufen (CDU) regiert seit 2015 und setzt auf Wirtschaftsförderung und Digitalisierung, aber die sozialen Grundprobleme — Kinderarmut, Bildungsferne, Integration — lassen sich nicht mit Kulturprojekten lösen.

Energie-Hauptstadt im Umbruch

Essen beherbergt mit RWE und E.ON zwei der größten Energiekonzerne Europas. Die Energiewende betrifft die Stadt daher doppelt: als politisches Thema und als Arbeitgeber.

Thema Situation Politische Wirkung
EnergiewendeRWE und E.ON in Essen, Kohleausstieg betrifft RegionGrüne vs. CDU/SPD beim Tempo, Arbeitsplatz-Angst im Norden
Soziale SpaltungA40 als Trennlinie, Kinderarmut über 30% im NordenSPD und BSW profitieren, AfD wächst in abgehängten Vierteln
StadtentwicklungZollverein, Krupp-Gürtel, Uni-Viertel als AufsteigerCDU setzt auf Investitionen, Grüne auf nachhaltige Planung

Lage

2017: Essen wählt SPD mit 28 Prozent – Bergbauende besiegelt Stammwähler-Verlust

Am 31. Dezember 2018 schloss die letzte deutsche Steinkohlezeche in Bottrop, nahe Essen. Der Bergbau war das Rueckgrat der Essener Arbeiterbewegung gewesen; die SPD hatte die Bergleute seit den 1920ern fast vollständig als Stammwähler. Bei der Bundestagswahl 2017 erzielte die SPD in Essen noch 28,7 Prozent – fünf Jahre später, 2021: 25,2 Prozent. Die Zechen-Schliessung beendete nicht nur Arbeitsplaetze, sondern auch die institutionelle Basis der SPD: Betriebsraete, Gewerkschaftssekretaere, Kumpel-Netzwerke. Essen verdeutlicht: Wenn die industrielle Basis einer Partei wegbricht, verliert sie ihre Stammwähler innerhalb einer Generation.

Aktuelle Sonntagsfrage Nordrhein-Westfalen

INSA · 08.05.2026
CDU
34%
SPD
18%
AfD
17%
Grüne
15%
Linke
9%
FDP
4%
Sonstige
3%

Basis: Aktuelle Landtagsumfrage Nordrhein-Westfalen (INSA, 08.05.2026). Städte haben keine eigenständigen Sonntagsfragen — der Landestrend dient als Richtwert.

Kommunalwahl in Essen

Am 14. September 2025 fand die NRW-Kommunalwahl statt. Essens Stadtrat wurde neu gewählt; CDU und Grüne konnten in der Kulturhauptstadt-Stadt punkten. Aktueller NRW-Trend: CDU 34 %, SPD 18 %, AfD 17 % (INSA, Mai 2026).

Häufige Fragen

Warum ist Essen politisch so gespalten?

Die A40 teilt Essen in einen einkommensschwachen Norden (SPD, AfD) und einen wohlhabenden Süden (CDU, Grüne, FDP). Diese Kluft reicht bis in die Krupp-Ära zurück und prägt die Stadt bis heute.

Was bedeutet Zollverein für Essens Identität?

Die Zeche Zollverein — UNESCO-Welterbe seit 2001 — symbolisiert Essens Wandel von der Kohlestadt zur Kulturmetropole. Als Veranstaltungsort und Museum ist sie Essens wichtigstes Aushängeschild.

Wer regiert Essen?

Thomas Kufen (CDU) ist seit 2015 Oberbürgermeister. Er gewann 2020 die Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten mit rund 54% und steht für einen wirtschaftsfreundlichen Kurs.

Mehr dazu: Politik-News · INSA

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