Vom Duftmarketing zum Rekordsieg: Wer ist Ulrich Siegmund?
Als die AfD am 6. September 2026 in Sachsen-Anhalt mit 43,8 % ihr bislang stärkstes Ergebnis in einer deutschen Landtagswahl einfuhr, stand ein Mann im Zentrum dieses Erfolgs: Ulrich Siegmund. Der 35-Jährige führte seine Partei als Spitzenkandidat zu einem Ergebnis, das ihr eigenes von 2021 mehr als verdoppelte. Wer ist er, und wie kam er dorthin?
| Geboren | 25. Oktober 1990 in Havelberg |
| Partei | AfD (seit 2014, davor CDU) |
| Beruf davor | Unternehmer (Duftmarketing) |
| Im Landtag | seit 2016 |
| Funktion | Fraktionsvorsitzender seit 2022 |
| Landtagswahl 2026 | Spitzenkandidat, 43,8 % — bleibt Opposition |
Vom Duftmarketing-Unternehmer zum Berufspolitiker
Ulrich Siegmund wurde am 25. Oktober 1990 in Havelberg geboren. Nach dem Fachabitur absolvierte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. 2014 gründete er ein eigenes Unternehmen für Raumdüfte, 2016 schloss er berufsbegleitend einen Bachelor in Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie an der Euro-FH Hamburg ab — seine Abschlussarbeit behandelte Duftmarketing und dessen psychologischen Einfluss auf das Konsumverhalten (Landtag Sachsen-Anhalt, offizielles Abgeordnetenprofil).
Politisch begann er nicht bei der AfD: Mit 19 Jahren trat er der CDU bei, fünf Jahre später verließ er sie wieder. 2014 wechselte er zur AfD, wurde Pressesprecher des Kreisverbands Stendal und 2016 Mitglied des Landesvorstands. Im selben Jahr zog er erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein, 2021 wurde er wiedergewählt. Bis Februar 2024 war er Ausschussvorsitzender für Arbeit, Soziales und Integration, seit August 2022 ist er gemeinsam mit Oliver Kirchner Fraktionsvorsitzender der AfD-Landtagsfraktion.
Siegmund machte das DDR-Kultmoped Simson Schwalbe zum zentralen Bild seines Wahlkampfs — mit wiederholten Auftritten auf dem hellblauen Zweirad bei Fototerminen und Videos. Für viele AfD-Anhänger steht die in Ostdeutschland gefertigte Simson für ostdeutschen Stolz, Eigenständigkeit und ein Gefühl der Distanz zu einem als überwiegend westdeutsch und liberal wahrgenommenen Establishment. Siegmund selbst wird von Unterstützern als "einer von uns" wahrgenommen — ein Image, das er als selbst inszenierter "Volkstribun" auf dem Kultmoped bewusst pflegt.
Das Rekordergebnis vom 6. September 2026
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewann die AfD unter Siegmund 43,8 % — mehr als doppelt so viel wie ihr Ergebnis von 2021 (20,8 %) und der bislang höchste Wert der Partei in einer Landtagswahl eines westlich orientierten Flächenlandes. Trotzdem bleibt die AfD in der Opposition: Mit 39 von 83 Sitzen verfehlte sie die absolute Mehrheit um drei Sitze, einen Koalitionspartner fand sie nicht. Alle Zahlen und was das für die Regierungsbildung bedeutet, in unserer ausführlichen Analyse zu Sachsen-Anhalt.
Fazit: Wahlsieger ohne Regierungsauftrag
Ulrich Siegmund verkörpert einen Politikertyp, der in der AfD zunehmend Karriere macht: kein Quereinsteiger aus Protest, sondern jemand, der die Partei seit über einem Jahrzehnt von innen mit aufgebaut hat, vom Kreisverband bis zum Fraktionsvorsitz. Sein Wahlkampfstil — volksnah inszeniert, mit dem Simson-Moped als wiedererkennbarem Markenzeichen — diente offenbar auch als Vorbild für andere AfD-Spitzenkandidaten, etwa Leif-Erik Holm in Mecklenburg-Vorpommern zwei Wochen später (mehr dazu in unserem Holm-Porträt). Ob sich das Muster — historischer Stimmenerfolg, aber keine Regierungsbeteiligung — in weiteren Bundesländern wiederholt, dürfte eine der zentralen Fragen der kommenden Landtagswahlen bleiben. Die übergreifende Einordnung aller drei September-Wahlen liefert unsere Analyse "Wahlbeben 2026".
Häufige Fragen
Geboren 1990 in Havelberg, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag Sachsen-Anhalt, führte die Partei 2026 zum Rekordergebnis.
Geboren am 25. Oktober 1990, damit 35 Jahre alt (Stand September 2026).
Er gründete 2014 ein Unternehmen für Raumdüfte und schloss 2016 ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Duftmarketing ab.
Seit 2014, davor war er fünf Jahre Mitglied der CDU. Seit 2016 sitzt er im Landtag.
Als Symbol ostdeutschen Stolzes und bewusst inszenierter Bodenständigkeit — ein "Einer von uns"-Image.
43,8 % am 6. September 2026 — mehr als doppelt so viel wie 2021, das bislang stärkste AfD-Ergebnis einer Landtagswahl.
Nein. Die AfD verfehlte die absolute Mehrheit knapp und fand keinen Koalitionspartner — sie bleibt trotz des Sieges in der Opposition.
Seit August 2022 gemeinsam mit Oliver Kirchner Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt.


