SPD überholt AfD — Wer ist Manuela Schwesig, und wie macht sie das?
Drei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 hat die SPD laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF erstmals die AfD überholt: SPD 37 % (+3 Punkte zur Vorwoche), AfD 36 % (−1 Punkt) (Tagesspiegel, t-online). Die CDU unter Kanzler Merz stürzt auf 6 % ab, gefährlich nah an der Fünf-Prozent-Hürde. Wichtig für die Einordnung: Die AfD hat ihr Ergebnis von 2021 trotzdem mehr als verdoppelt — kein Erdrutschsieg für die SPD, sondern ein Kopf-an-Kopf-Rennen an der Küste, das erst am Sonntag entschieden wird.
Wer ist Manuela Schwesig — der Weg vor 2017
Geboren am 23. Mai 1974 in Frankfurt (Oder), Abitur 1992, danach Ausbildung in der brandenburgischen Finanzverwaltung, 1995 Abschluss als Diplom-Finanzwirtin. Ab 2000 Steuerfahnderin in Schwerin, ab 2002 im Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommerns (SPD). 2003 SPD-Eintritt, danach ein schneller Aufstieg: Stadtvertreterin in Schwerin, 2005 Landesvorstand, 2007–2008 Fraktionsvorsitzende im Schweriner Stadtrat. Ab Oktober 2008 Sozial- und Gesundheitsministerin des Landes, ab 2011 Arbeits-, Gleichstellungs- und Sozialministerin. Ab 2013 stellvertretende SPD-Landesvorsitzende, im Dezember desselben Jahres Bundesfamilienministerin unter Angela Merkel — bis sie am 4. Juli 2017 Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern wurde.

Die Regierungsjahre — Bilanz und Gegenbilanz
Erst bis 2021 in einer Koalition mit der CDU, seither in einer auffällig ruhig verlaufenden Koalition mit der Linken. Die Landesregierung verweist auf 32 Millionen touristische Übernachtungen — das zweitbeste Ergebnis der Landesgeschichte —, einen Außenhandelsrekord 2022 und ein Sechstel des Landeshaushalts für Bildung (Regierungsportal M-V). Die Opposition zeichnet ein anderes Bild: Der AfD-Fraktionschef spricht von "politischem Versagen", die Regierung verwalte nur Krisen und verkaufe Stillstand als Fortschritt (Nordkurier). Beim Fachkräftemangel — dem zentralen Standortproblem des Landes — gilt: besser analysiert als gelöst.
Wie macht sie das — die Kampagne
Ihr Wahlkampf-Slogan ist bewusst zugespitzt: "Ich gegen alle", eine direkte Konfrontationsansage gegen die AfD. Persönlich ist sie deutlich populärer als ihre Partei in der Sonntagsfrage insgesamt: Platz 4 im Bild-Politikerranking im August, 61 % wollen sie als Ministerpräsidentin behalten — gegenüber nur 28 % Zustimmung für AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm (t-online). Das erklärt einen wesentlichen Teil des SPD-Comebacks: Ein Teil der Menschen, die in der Sonntagsfrage AfD ankreuzen würden, will laut diesen Zahlen trotzdem sie als Regierungschefin behalten — Persönlichkeitswahl statt reiner Parteiwahl.
MV1: SPD startet mit Manuela Schwesig in den Wahlkampf, Schweriner Bertha-Klingberg-Platz.
Der Ton des Wahlkampfs ist auch persönlich hart geworden: In einem Interview kurz vor der Wahl sagte Schwesig, sie erlebe selbst Bedrohung und Sexismus durch die AfD.
WELT Nachrichtensender: Schwesig über Bedrohungen im Wahlkampf.

Der Gegenkandidat
Leif-Erik Holm, geboren am 1. August 1970 in Schwerin — Schwesigs direktem Wahlkreis-Gegner also aus derselben Stadt. Gelernter Elektromechaniker, NVA-Dienst, später Abitur auf dem zweiten Bildungsweg an der TU Wismar, Wirtschaftsstudium (M.Sc.) an der Humboldt-Universität Berlin, langjähriger Radiomoderator unter anderem beim NDR, seit 2017 im Bundestag, dort wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, seit einem Parteitag in Demmin einstimmig gewählter Spitzenkandidat der AfD MV (t-online).
Im Januar 2021 gründete Schwesigs Regierung die "Stiftung Klima- und Umweltschutz MV" — offiziell zum Klimaschutz, tatsächlich, wie mehrere Zeugen von Nord Stream 2 AG im Untersuchungsausschuss aussagten, von der Rechtsabteilung des Gazprom-Tochterunternehmens entwickelt, um die Fertigstellung der Pipeline vor drohenden US-Sanktionen zu schützen. Rund 200 Millionen Euro von Gazprom flossen über die Stiftung in den Pipelinebau (Cicero). Ein eigentlich unabhängiges Gutachten zur Stiftung wurde vor Veröffentlichung um politisch unangenehme Passagen gekürzt.
Am 5. Dezember 2025 sagte Schwesig als letzte Zeugin zwei Stunden lang vor dem Untersuchungsausschuss aus und bezeichnete das Engagement für Nord Stream 2 und die Klimastiftung offen als "Fehler" — äußerte aber gleichzeitig Unverständnis gegenüber denjenigen, die das Projekt schon vor Kriegsbeginn kritisiert hatten (ZDF, Landtag M-V). Die Grünen-Fraktion im Landtag warf ihr danach vor, ihre Darstellung grenze "an Geschichtsverdrehung" (Grüne MV). Wer die Stiftungsidee wirklich hatte, blieb ungeklärt: Landesminister Christian Pegel beansprucht sie für sich, der frühere Nord-Stream-2-Geschäftsführer Matthias Warnig sagte, der Anstoß sei von seinem Unternehmen gekommen. Bemerkenswert: Ausgerechnet die AfD hatte den Untersuchungsausschuss mit unterstützt — was Schwesig ihrerseits als Angriffspunkt gegen die AfD nutzte (Apollo News).
MV1: "Die Frau gegen Blau" — Schwesig im Wahlkampf-Endspurt am Schweriner Bergsee.

Fazit
Ihre persönliche Popularität trägt die SPD gerade über die AfD in der Sonntagsfrage — aber ein Prozentpunkt Vorsprung drei Tage vor der Wahl ist kein Sieg, sondern ein offenes Rennen. Und die eigentliche Kontroverse ihrer Amtszeit ist mit dem "Fehler"-Eingeständnis vom Dezember zwar benannt, aber politisch nicht wirklich aufgearbeitet. Am Sonntag zeigt sich, ob persönliche Beliebtheit reicht, um beides gleichzeitig zu tragen: eine reale Regierungsbilanz mit echten Rekorden und einen ungelösten Skandal, der bis in den Bundestag hineinreicht.
Häufige Fragen
SPD 37 % (+3), AfD 36 % (-1), drei Tage vor der Wahl — knapper Vorsprung, kein klarer Sieg.
Geboren 1974, Finanzbeamtin, seit 2003 SPD, ab 2008 Landesministerin MV, 2013–2017 Bundesfamilienministerin, seit 2017 Ministerpräsidentin MV.
61 % wollen sie behalten, gegenüber 28 % für AfD-Kandidat Holm — deutlich populärer als ihre Partei.
Ihre Regierung gründete 2021 eine Klimastiftung, die laut Zeugen von Nord Stream 2 AG zur Sanktionsumgehung entwickelt wurde. Rund 200 Mio. € Gazprom-Gelder flossen darüber. Schwesig nannte es im Dezember 2025 einen "Fehler".
Leif-Erik Holm, AfD, geboren 1970 in Schwerin, seit 2017 im Bundestag, tritt direkt gegen sie an.


