Wie eine deutsche Rakete Europa in den Orbit brachte
Am 30. März 2025 explodiert eine deutsche Rakete 30 Sekunden nach dem Start — live im Stream, vor Investoren und der halben deutschen Tech-Szene. Anderthalb Jahre später, am 5. September 2026, steht dieselbe Firma wieder auf derselben Startrampe im norwegischen Andøya. Diesmal erreicht die Rakete den Orbit. Das ist die Geschichte von Isar Aerospace — und darüber, warum ein einzelner Raketenstart mehr über Europas Zukunft aussagt, als man zunächst denkt.
Die Mission: "Onward and Upward"
Fünf Kleinsatelliten werden erfolgreich ausgesetzt — von der TU Berlin, der Universität Maribor, EnduroSat, der norwegischen NTNU und dem TU-Wien-Space-Team. Zum ersten Mal in der Geschichte hat eine privat entwickelte Rakete von europäischem Boden aus den Orbit erreicht (Isar Aerospace). Das deutsche Forschungsministerium postete danach nur einen Satz: "Deutschland kann Raumfahrt." Bundeskanzler Friedrich Merz nannte es "den Beginn einer neuen Ära".
Die Spectrum-Rakete ist 28 Meter hoch, 2 Meter im Durchmesser, mit zehn selbst entwickelten Triebwerken — neun "Aquila"-Triebwerke mit je 75 Kilonewton Schub in der ersten Stufe, ein stärkeres in der zweiten. Angetrieben mit Propan und flüssigem Sauerstoff. Nutzlast: bis zu 1.000 kg für niedrige Erdumlaufbahnen. Nach knapp vier Minuten durchquerte die Rakete die Kármán-Linie in 100 km Höhe — die Grenze zum Weltraum.
Drei TU-München-Studenten und ein gescheiterter erster Versuch
Gegründet wurde die Firma 2018 von drei TU-München-Absolventen aus der studentischen Raketen-Arbeitsgruppe WARR: Daniel Metzler (heute CEO), Josef Fleischmann (CTO) und Markus Brandl (Antriebstechnik). Heute arbeiten rund 400 Menschen in Ottobrunn bei München. Über 600 Millionen Euro Risikokapital seit Gründung, davon 270 Millionen Euro im Juni 2026 (Porsche SE, Lakestar, KfW) und 200 Millionen Euro ESA-Förderung Ende August (StartingUp).
Der erste Flug am 30. März 2025, Mission "Going Full Spectrum", scheiterte 30 Sekunden nach dem Start: ein ungewollt geöffnetes Ventil, Verlust der Fluglage-Kontrolle, Absturz. Statt das Programm einzustellen, hat das Unternehmen die Ursache öffentlich benannt und anderthalb Jahre weitergearbeitet — bis zum Erfolg im September 2026.
Europa war bislang fast vollständig von zwei Wegen abhängig, um Satelliten ins All zu bringen: von der europäischen Ariane-Rakete, die zuletzt wiederholt mit Verzögerungen kämpfte, und von privaten US-Anbietern — den größten Teil aller europäischen Satelliten transportiert inzwischen ausschließlich SpaceX. Genau deshalb hat die ESA mit Isar Aerospace einen eigenen 200-Millionen-Euro-Vertrag geschlossen, ausdrücklich zur Beschleunigung europäischer Raumfahrtkapazität (Wirtschaft und Industrie). Mit Isar Aerospace — und dem Konkurrenten Rocket Factory Augsburg — entsteht erstmals eine echte private europäische Alternative.
Fazit
Die Explosion vom März 2025 war kein Randdetail dieser Geschichte, sie war die Voraussetzung dafür. Ohne den öffentlichen Fehlschlag, die ehrliche Fehleranalyse und die Bereitschaft, anderthalb Jahre weiterzuarbeiten, gäbe es den 5. September nicht. Ob aus einem erfolgreichen Testflug ein zuverlässiges Geschäftsmodell wird, entscheiden die nächsten Starts — aber der Beweis, dass es grundsätzlich geht, ist erbracht.
Häufige Fragen
Als erstes privates Unternehmen eine Rakete von europäischem Boden in den Orbit gebracht, mit fünf ausgesetzten Kleinsatelliten.
Die Rakete explodierte nach 30 Sekunden — ein Ventilfehler führte zum Kontrollverlust.
Drei TU-München-Absolventen: Daniel Metzler, Josef Fleischmann, Markus Brandl. Gegründet 2018, ca. 400 Mitarbeiter.
Über 600 Mio. € Risikokapital, davon 270 Mio. € 2026 plus 200 Mio. € ESA-Förderung.
Europa war fast vollständig von Ariane und SpaceX abhängig — Isar Aerospace schafft eine private Alternative.


