Wahl Watch Berlin Podcast-Cover — Analyse der Landtagswahlen Sachsen-Anhalt, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern
Wahl Watch Berlin: Analyse — Folge 61

Sachsen-Anhalt, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern: AfD gewinnt zweimal, regiert nirgends

Beitrag anhören 0:00
0:00
·····
Auch als Podcast: Diese Folge (Podigee) Spotify Apple Podcasts Deezer

Drei Landtagswahlen in vierzehn Tagen, eine Pointe, die man sich nicht hätte ausdenken können: Die AfD gewinnt zweimal die meisten Stimmen — und regiert am Ende in keinem einzigen der drei Länder. Der eigentliche Gewinner des Wahlmonats sitzt in Berlin bei der Linken. Der eigentliche Verlierer trägt zweimal denselben Namen: CDU.

Sachsen-Anhalt (6. September): Rekord ohne Mehrheit

Die AfD holt 43,8 % — ihr bislang stärkstes Ergebnis in einem westlich orientierten Flächenland. Die CDU unter dem seit Januar amtierenden Sven Schulze (Nachfolger von Reiner Haseloff) stürzt auf 17,2 % ab, ein Verlust von fast 20 Punkten. SPD (9,3 %), Grüne (8,9 %) und Linke (8,6 %) liegen eng im Mittelfeld, das BSW zieht mit 5,3 % erstmals ein, die FDP scheitert mit 2,6 %. Wahlbeteiligung: Rekordwert 77,8 %.

Mit 39 von 83 Sitzen verpasst die AfD die absolute Mehrheit knapp — findet aber keinen Koalitionspartner. Eine Mehrheit ohne AfD gäbe es nur mit CDU, SPD, Grünen, Linke und BSW gemeinsam. Stand der Analyse: keine neue Regierung, verfassungsrechtliche Frist für die konstituierende Sitzung ist der 6. Oktober.

Berlin (20. September): Die Linke gewinnt mit dem Wohnungsthema

Entgegen Umfragen von bis zu 18 % für die AfD landet diese bei 16,3 %. Stattdessen holt die Linke 25,7 % und wird stärkste Kraft — getragen von einem Wahlkampf rund um die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne wie Vonovia, der praktischen Umsetzung des Volksentscheids „Deutsche Wohnen & Co enteignen" (2021). Spitzenkandidatin: Elif Eralp.

Die Machtfrage in Berlin

Rechnerisch möglich: Rot-Rot-Grün (95 von 158 Sitzen) oder Kenia-Koalition mit CDU (82 Sitze). Die Linke hat Sondierungen mit Grünen und SPD beschlossen — belastet durch Vorwürfe von Antisemitismus und Clan-Kontakten gegen Teile der Partei.

CDU (18,8 %, Stefan Evers als möglicher Bürgermeisterkandidat gehandelt) wird Zweiter, SPD erlebt mit 12,1 % ihr historisch schlechtestes Ergebnis in der Stadt.

Mecklenburg-Vorpommern (20. September): Schwesig bleibt, CDU fliegt raus

Die AfD wird mit 38,2 % stärkste Kraft (Spitzenkandidat Leif-Erik Holm), knapp vor der SPD mit 35,5 %. Weil nicht die stimmenstärkste Partei automatisch regiert, sondern wer eine Mehrheit organisiert, bleibt Manuela Schwesig (SPD, seit 2017 im Amt) Ministerpräsidentin — SPD, Linke (6,5 %) und Grüne (5,7 %) haben zusammen eine knappe Mehrheit, Sondierungen laufen seit dem 21. September.

Historischer Einschnitt: Die CDU scheitert mit 4,9 % erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik überhaupt an einer Fünf-Prozent-Hürde auf Landesebene. Kanzler Merz nannte es ein „Desaster" — für das CDU-Ergebnis in Berlin am selben Abend reichte ihm „ordentlich".

Drei Lehren aus einem Wahlmonat

Die Brandmauer hält bislang gegen eine Partei, die zweimal die meisten Stimmen bekommen hat — das nährt die AfD-Erzählung vom verwehrten Wählerwillen. Die Linke ist Doppelgewinnerin mit gespaltenem Gesicht: stark in Berlin, blass in beiden ostdeutschen Flächenländern — ein lokales Wohnungsthema, keine bundesweite Trendwende. Und die SPD zeigt exemplarisch ihre Zerrissenheit: Splitterpartei in Sachsen-Anhalt, historisches Tief in Berlin, aber Regierungschefin in Schwerin dank persönlicher Beliebtheit von Manuela Schwesig, die stärker wiegt als der Bundestrend der eigenen Partei.

Drei Wahlen, drei völlig unterschiedliche Geschichten — und trotzdem ein gemeinsamer roter Faden: Die politische Mitte in Deutschland wird enger, während sich die Ränder in beide Richtungen ausdehnen.

Häufige Fragen

Wer hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 gewonnen?

Die AfD mit 43,8 %. Bis heute gibt es keine neue Regierung, Frist für die konstituierende Sitzung ist der 6. Oktober 2026.

Wer regiert jetzt in Berlin nach der Wahl 2026?

Die Linke wurde mit 25,7 % stärkste Kraft. Wahrscheinlichstes Szenario: Rot-Rot-Grün mit Grünen und SPD.

Warum bleibt Manuela Schwesig Ministerpräsidentin, obwohl die AfD stärkste Kraft wurde?

Weil SPD, Linke und Grüne zusammen eine knappe Mehrheit ohne die AfD organisieren können.

Ist die CDU wirklich aus einem Landtag geflogen?

Ja — mit 4,9 % in Mecklenburg-Vorpommern, erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik.

Wahlumfragen App
Kostenlos · Offline · Kein App Store

Wahlumfrage-Benachrichtigungen

Sofort informiert bei neuen Umfragen — direkt im Browser, kein Spam.

Mehr erfahren →