Reichstagsgebäude in Berlin mit Deutschlandflagge, Sitz des Bundestags

Wahljahr 2026: Warum für Schwarz-Rot in fünf Landtagswahlen alles auf dem Spiel steht

Fünf Landtagswahlen und eine Kommunalwahl in Bayern entscheiden 2026 auch über die Zukunft der schwarz-roten Bundesregierung. Kaum neun Monate im Amt, kämpft die Koalition aus CDU/CSU und SPD bereits mit schwindendem Vertrauen: Mehr als ein Drittel der Deutschen glaubt laut aktuellen Umfragen, dass die Koalition vorzeitig scheitert, und dieser Wert steigt seit Monaten kontinuierlich an.

Am 15. Januar 2026 diskutierte die phoenix runde unter Moderation von Alexander Kähler mit Eva Quadbeck, Chefredakteurin und Leiterin des Hauptstadtbüros des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), Sabine Falk-Bartz, Politikredakteurin im Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt des Mitteldeutschen Rundfunks, Albrecht von Lucke, Redakteur der Blätter für deutsche und internationale Politik, sowie Christoph Schwennicke, Politikchef und Mitglied der Chefredaktion von t-online, wie das neue Jahr für die Koalition beginnt.

Der Befund der Runde fiel früh eindeutig aus. Eva Quadbeck beschrieb die Stimmung in Berlin zum Jahresauftakt als "gedämpft und besorgt: gedämpft, weil man weiß, dass man nicht gut performt hat im vergangenen Jahr, und besorgt mit Blick auf 2026". Schon die erste innenpolitische Auseinandersetzung des Jahres, der Streit um eine Reform der Erbschaftssteuer, warf demnach ihren Schatten auf das gesamte Wahljahr voraus.

Video: phoenix runde vom 15. Januar 2026

Drei Parteien, alle unter Druck

Albrecht von Lucke widersprach der Vorstellung, nur die SPD stehe unter Beobachtung. "Sie stehen alle beide massiv unter Druck, und ich will noch einen dritten hinzufügen, denn der spielt auch eine gewaltige Rolle: das ist die CSU", sagte er und verwies auf die parallel zur Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März stattfindende Kommunalwahl in Bayern, bei der Markus Söder sein schlechtes Ergebnis als CSU-Chef wettmachen wolle.

Für die SPD gehe es dagegen um die Existenz als Volkspartei im Westen. Rheinland-Pfalz sei "der letzte Posten, den sie im Westen hat, sonst ist sie eine Nordostpartei", so von Lucke, und selbst dort drohe der Verlust des Ministerpräsidentenamtes an die CDU. Auch im Osten stehe mit Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern eine Regierungschefin gegen eine "wahnsinnig starke AfD" auf der Kippe. Sollte der Kanzler mit der Union nicht stärker ins Ziel kommen, als er gestartet sei, werde es "am Ende des Jahres eine Kanzlerdiskussion" geben, warnte von Lucke.

Erbschaftssteuer als Fehlstart

Besonders scharf kritisierte die Runde den Zeitpunkt und die Ausgestaltung des SPD-Vorschlags zur Erbschaftssteuer. Christoph Schwennicke nannte es "gelinde gesagt verwundernd", dass die SPD als Erstes mit diesem Thema um die Ecke komme, statt Vorschläge zu machen, wie die Wirtschaft wieder in Schwung kommen könne. Von Lucke ergänzte, ein Freibetrag von 5 Millionen Euro für Betriebsvermögen sei für kleine und mittlere Unternehmen viel zu gering angesetzt: "Die Bauunternehmen sagen, uns kostet bereits ein Kran 500.000, das ist so schnell dabei." Zudem sei die Reform von der SPD selbst nur halbherzig vorgestellt worden, während das Bundesverfassungsgericht erst Ende des Jahres über die Erbschaftssteuer entscheiden werde. In der CSU wird zudem diskutiert, die Erbschaftssteuer zur Ländersache zu machen, was von Lucke als "Regionalkampfansage" bezeichnete.

Trotz der Kritik an der konkreten Ausgestaltung verteidigte von Lucke den Kern des Vorstoßes: Die SPD müsse irgendwo Profil zeigen können, gerade weil sie mit Wirtschaftspolitik allein "das Rennen nicht machen" werde. Ohne die Gerechtigkeitsfrage drohe ihr sowohl von rechtspopulistischer Seite als auch von der Linkspartei Konkurrenz, gegen die sie kaum Antworten habe.

Wirtschaftliche Probleme im Osten

Sabine Falk-Bartz lenkte den Blick auf die konkrete Lage in Sachsen-Anhalt, wo der US-Chemiekonzern Dow trotz vorhandener Investoren einen Standort in Leuna schließen will. "Das illustriert eine Ecke, an der es brennt", so von Lucke, der von einem "gefährdeten Industriekluster" sprach. Sven Schulze, designierter Ministerpräsident und bisheriger Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts, versuche derzeit, diese "Fliehkräfte aufzufangen".

Grüne, Linke und BSW im Umbruch

Auch für die kleineren Parteien zeichnete die Runde ein differenziertes Bild. Die Grünen hätten laut Quadbeck durch ihre Beteiligung an der Ampelregierung "mächtig am Boden verloren" und seien inzwischen weitgehend auf ihre ökologische Kernklientel reduziert. Von Lucke ergänzte, den Grünen fehle es vor allem an Führungspersönlichkeiten mit "politischem Sexappeal".

Die Linke dagegen gewinnt laut Falk-Bartz vor allem durch ihre Bundesspitze an Zulauf, weniger durch Programmatik. Quadbeck bezeichnete die Partei als "linkspopulistisch", allerdings ohne die autoritären Züge der AfD. Das Bündnis Sahra Wagenknecht hingegen "hat sich erledigt", so von Lucke, mit Ausnahme einer noch offenen Klage vor dem Bundesverfassungsgericht, die über die Sitzverteilung im Bundestag entscheiden könnte.

AfD bei rund 40 Prozent im Osten

Den größten Teil der zweiten Sendungshälfte widmete die Runde der AfD, die in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern in Umfragen bei rund 40 Prozent lag. Falk-Bartz erläuterte das Szenario für Sachsen-Anhalt: Sollte die AfD stärkste Kraft werden und FDP sowie Grüne aus dem Landtag fallen, blieben CDU nur noch BSW und Linke als mögliche Partner, an denen die CDU jedoch aufgrund des Unvereinbarkeitsbeschlusses festhält. Das Ergebnis wäre eine Minderheitsregierung, wie es sie unter Reinhard Höppner bereits einmal gab, damals toleriert von der PDS.

Von Lucke sah in solchen "AfD-Verhinderungskoalitionen" die wahrscheinliche Zukunft ostdeutscher Landesregierungen, wie sie sich bereits in Sachsen und, gescheitert, in Brandenburg mit dem BSW gezeigt hätten. Er forderte, Medien und Parteien müssten die Konsequenzen einer AfD-Regierungsbeteiligung konkret beschreiben, "nicht nur immer so theoretisch zu sagen, wir müssen die AfD verhindern".

Ausblick: Hoffnung auf einen Zenit, aber wenig Glauben daran

Zum Sendungsende wagte Christoph Schwennicke eine vorsichtig optimistische Hypothese: Die AfD könnte ihren Zenit erreicht haben, weil sie sich zunehmend in eigenen Widersprüchen verhedde, etwa bei der Wehrpflichtdebatte oder bei uneinheitlichen Positionen zu Trump und Grönland. Albrecht von Lucke widersprach dem deutlich: Ihm fehle der Glaube, weil ein erheblicher Teil der Wählerschaft die AfD trotz solcher Widersprüche weiterwählen werde. "Ich befürchte, wir werden ein blaues Wunder erleben", so von Lucke mit Blick auf Sachsen-Anhalt.

Damit bleibt die Ausgangslage für die Koalition vertrackt: Die Sonntagsfrage zeigt bundesweit ein enges Rennen zwischen Union und AfD, während sich in den ostdeutschen Ländern die Machtfrage zunehmend auf die Frage verengt, welche kleineren Parteien die 5-Prozent-Hürde noch schaffen. Die kommenden Monate bis zu den Wahlen im Herbst werden zeigen, ob es der Koalition gelingt, wirtschaftspolitisch glaubwürdige Antworten zu liefern, oder ob die Ereignisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich zu jenem "blauen Wunder" führen, das Albrecht von Lucke bereits befürchtet.

Häufige Fragen

Welche Landtagswahlen finden 2026 statt?

2026 ist ein Superwahljahr mit fünf Landtagswahlen, unter anderem in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 8. März sowie in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im Herbst. Parallel zur Wahl in Baden-Württemberg findet zudem die Kommunalwahl in Bayern statt.

Warum ist die Erbschaftssteuer zum Streitthema in der Koalition geworden?

Die SPD brachte zu Jahresbeginn 2026 einen Erbschaftssteuer-Reformvorschlag ins Spiel, der als Freibetrag für Betriebsvermögen nur 5 Millionen Euro vorsah. Kritiker halten diese Grenze für kleine und mittlere Unternehmen für viel zu niedrig. Zudem steht ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftssteuer noch aus, weshalb Teile der Union den Vorstoß für verfrüht halten.

Wie stark ist die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern?

Nach den in der Sendung diskutierten Umfragen lag die AfD zu Jahresbeginn 2026 in beiden ostdeutschen Bundesländern bei rund 40 Prozent und damit deutlich vor allen anderen Parteien. Sollte die AfD stärkste Kraft werden, gilt eine Regierungsbeteiligung wegen der Unvereinbarkeitsbeschlüsse der anderen Parteien als unwahrscheinlich, eine Minderheitsregierung dagegen als denkbares Szenario.

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