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Öffentliche Szene im Ruhrgebiet

Wahlkreis 157: Oberhausen – Dinslaken – Strukturwandel als Dauerzustand

Key-Facts: Wahlkreis 157

  • Wahlkreis-Nr.: 157
  • Name: Oberhausen – Dinslaken
  • Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Besonderheit: Centro (größtes Einkaufszentrum bei Eröffnung)
  • SPD: 28,2 %
  • Gewinner BTW 2021: SPD
  • Gewinner BTW 2017: SPD

Am 12. September 1996 eröffnete in Oberhausen ein Einkaufszentrum, das alles Bisherige in den Schatten stellte. 70.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, ein Multiplex-Kino, eine Promenade am Rhein-Herne-Kanal – das Centro war das größte seiner Art in Europa. Gebaut wurde es auf dem Gelände der Gutehoffnungshütte, eines Stahlwerks, das die Stadt über ein Jahrhundert lang geprägt hatte. Wo früher Hochoföfen glühten, shoppten nun Millionen. Es war die sichtbarste Chiffre des Ruhrgebiets-Strukturwandels.

Oberhausen: Die kleinste Großstadt des Reviers

Mit rund 210.000 Einwohnern ist Oberhausen eine der kleineren Großstädte im Ruhrgebiet. Eingeklemmt zwischen Duisburg, Essen und Mülheim, fehlt ihr die kritische Masse für eine eigenständige wirtschaftliche Dynamik. Die Arbeitslosenquote liegt über dem NRW-Schnitt, die Verschuldung der Stadt ist hoch, die Gewerbesteuereinnahmen reichen nicht für die notwendigen Investitionen.

Was Oberhausen hat: eine hartnäckige Identität. Die Menschen hier identifizieren sich mit ihrer Stadt, mit dem Revier, mit einer Geschichte, die von harter Arbeit und Gemeinschaft erzählt. Das Gasometer – ein ehemaliger Gasbehälter, heute Europas höchste Ausstellungshalle – ist Symbol für diesen Stolz: Industrieerbe, umgewidmet zu Kultur.

Dinslaken: Am Rand, aber nicht am Rande

Dinslaken (rund 70.000 Einwohner) liegt am nordwestlichen Rand des Ruhrgebiets, dort wo die Industrielandschaft in den ländlichen Niederrhein übergeht. Die Stadt hat ein eigenes Profil: Altstadt mit Fachwerk, ein Stadtfest, das Zehntausende anzieht, eine Theaterszene. Wirtschaftlich profitiert Dinslaken von der Lage an der A3 und der Nähe zum Duisburger Hafen.

Politisch teilt Dinslaken die sozialdemokratische Grundierung mit Oberhausen, wenn auch weniger ausgeprägt. Die Mischung aus Arbeitersiedlungen und bürgerlichen Wohnlagen macht die Stadt zu einem Mikrokosmos des gesamten Wahlkreises.

Wahlergebnisse

Partei Ergebnis (ca.) Kontext
SPD28,2 %Direktmandat (beide Wahlen)
CDU~23 %Stabil, aber ohne Chance aufs Mandat
AfD~14 %Überdurchschnittlich
Grüne~8 %Unter Bundesschnitt
Linke/BSW~7 %Über NRW-Schnitt
FDP~6 %Schwach
Sonstige~14 %

Bemerkenswert: Die SPD hält das Direktmandat auch in schlechten Bundesjahren. 2017, als die Partei unter Martin Schulz auf 20,5 % bundesweit abstürzte, gewann sie in Oberhausen – Dinslaken trotzdem direkt. Das zeigt die Tiefe der Parteibindung in diesem Revier-Wahlkreis.

Wahlkabine und Stimmzettel bei der Bundestagswahl

Das Centro als Lehrstück

Fast dreißig Jahre nach der Eröffnung zeigt das Centro die Grenzen des Strukturwandels durch Konsum. Der Einzelhandel kämpft mit dem Online-Handel, manche Ladenlokale stehen leer. Die versprochene wirtschaftliche Initialzündung für die gesamte Stadt blieb aus – das Centro ist eine Insel des Umsatzes in einem Meer struktureller Probleme. Für die politische Debatte im Wahlkreis heißt das: Einfache Lösungen gibt es nicht. Die Koalition im Bund muss liefern, wenn das Ruhrgebiet nicht abgehängt werden soll.

Lage des Wahlkreises

1987: Die Grünen in zweiter Generation – Direktmandate noch Null, Einfluss riesig

Bei der Bundestagswahl 1987 zogen die Grünen zum dritten Mal in den Bundestag ein – mit 8,3 Prozent ihrem besten Ergebnis bis dahin. Kein einziges Direktmandat: Alle 44 Abgeordneten kamen über die Landesliste. Die Grünen konzentrierten sich auf Hochschulstädte. In Freiburg erreichten sie 22 Prozent der Erststimmen – zu wenig für ein Direktmandat gegen CDU und SPD. Die Partei veränderte dennoch die politische Kultur: Umwelt, Nachrüstung und Friedensbewegung kamen auf die Bundestagsagenda. Helmut Kohl regierte weiter – mit 223 CDU-Direktmandaten.

Häufige Fragen

Was ist das Centro Oberhausen?

Das Centro war bei seiner Eröffnung 1996 das größte Einkaufs- und Freizeitzentrum Europas. Es entstand auf dem Gelände eines ehemaligen Stahlwerks und galt als Vorzeigeprojekt des Strukturwandels. Heute umfasst es rund 250 Geschäfte.

Ist Oberhausen eine SPD-Hochburg?

Ja. Die SPD gewinnt hier seit Jahrzehnten das Direktmandat – auch in bundesweit schwachen SPD-Jahren. Die Arbeiter- und Gewerkschaftstradition der Stadt bildet eine stabile Basis.

Was verbindet Oberhausen und Dinslaken?

Beide teilen eine sozialdemokratische Grundierung und die Erfahrung des Strukturwandels. Oberhausen ist stärker urban-industriell geprägt, Dinslaken hat einen eher kleinstädtischen Charakter am Rand des Reviers.

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SonntagsfrageCDU/CSU24,0%SPD13,0%Grüne13,8%AfD26,3%BSW3,8%FDP3,8%Linke10,3%YouGov · 15.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik USA schicken laut Bericht weiteren Flugzeugträger und 10.000 Soldaten in den Nahen OstenWelt Politik Bürgergeldempfänger benachteiligt – „Auch in Veränderungszeiten muss es Gerechtigkeit geben“FAZ Politik China und die USA: So stark belastet der Irankrieg die Beziehung zwischen Trump und XiFAZ Politik Südafrika ernennt Botschafter: Erfahrener Verhandler soll die Beziehung zu Trump rettenWelt Politik Wahlkampf trotz Krankschreibung – SPD-Politikerin verkündet RückzugSpiegel Politik Zukunftsängste: Es ist gar nicht so leicht, ein Mensch zu sein (und zu bleiben) - MeinungFAZ Politik Paragraph gegen Hassrede: Höhere Strafe, weil der Beleidigte ein Politiker istSpiegel Politik Produkthaftung: Dieses Gesetzes-Update dürfte Verbrauchern gefallenTagesschau Warkens Sparpaket: Was auf Patienten zukommen könnteTagesschau Bund plant höhere Beamtenbesoldung - Milliardenkosten trotz Spardruck

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