Parität im Bundestag — Frauenanteil
Key-Facts
- Frauenanteil 21. Bundestag: Ca. 35 %
- Höchster Anteil: Grüne (oft über 50 %)
- Niedrigster Anteil: AfD (ca. 12–15 %)
- Paritätsgesetz: In Brandenburg und Thüringen gescheitert
- Internationales Vorbild: Frankreich (Parité-Gesetz seit 2000)
Frauen stellen über die Hälfte der Bevölkerung, sind im Bundestag aber deutlich unterrepräsentiert. Die Debatte um ein Paritätsgesetz – also eine gesetzliche Verpflichtung, Wahllisten paritätisch zu besetzen – spaltet die politische Landschaft. Dieser Ratgeber beleuchtet die aktuelle Situation, die Argumente beider Seiten und internationale Erfahrungen.
Frauenanteil im historischen Verlauf
| Bundestag | Jahr | Frauenanteil |
|---|---|---|
| 1. Bundestag | 1949 | 6,8 % |
| 8. Bundestag | 1976 | 7,3 % |
| 11. Bundestag | 1987 | 15,4 % |
| 14. Bundestag | 1998 | 30,9 % |
| 18. Bundestag | 2013 | 36,5 % |
| 19. Bundestag | 2017 | 30,7 % |
| 20. Bundestag | 2021 | 34,7 % |
| 21. Bundestag | 2025 | ca. 35 % |
Quelle: Deutscher Bundestag, eigene Zusammenstellung.
Auffallend ist, dass der Frauenanteil seit dem Höchststand 2013 nicht mehr wesentlich gestiegen ist. Im 19. Bundestag (2017) sank er sogar erstmals seit Jahrzehnten – hauptsächlich, weil die AfD mit einem sehr niedrigen Frauenanteil in den Bundestag einzog.
Frauenanteil nach Fraktionen
Die Unterschiede zwischen den Fraktionen sind erheblich. Parteien mit internen Quotenregelungen (Grüne, SPD, Linke) haben deutlich höhere Frauenanteile als Parteien ohne solche Regelungen.
- Grüne: Ca. 55–60 % (parteiinterne Frauenquote von 50 %)
- SPD: Ca. 40–45 % (Quotenregelung seit 1988)
- CDU/CSU: Ca. 25–30 % (CDU hat Quorum von 33 %, CSU hat keine Quote)
- FDP: Ca. 20–25 % (keine verbindliche Quote)
- AfD: Ca. 12–15 % (lehnt Quoten grundsätzlich ab)
Das Paritätsgesetz – gescheiterte Versuche
Zwei Bundesländer haben Paritätsgesetze verabschiedet – beide wurden von den Landesverfassungsgerichten gekippt:
- Brandenburg (2019): Das Paritätsgesetz verpflichtete Parteien, ihre Wahllisten abwechselnd mit Männern und Frauen zu besetzen. Das Landesverfassungsgericht erklärte es 2020 für verfassungswidrig.
- Thüringen (2019): Ein ähnliches Gesetz wurde 2020 ebenfalls vom Landesverfassungsgericht aufgehoben.
Die Gerichte argumentierten, dass ein Paritätsgesetz die Wahlfreiheit und das passive Wahlrecht einschränke und in die Organisationsfreiheit der Parteien eingreife.
Argumente für und gegen Parität
Argumente für ein Paritätsgesetz
- Frauen stellen über 50 % der Bevölkerung und sollten angemessen repräsentiert sein.
- Freiwillige Selbstverpflichtungen der Parteien reichen offensichtlich nicht aus.
- Diverse Parlamente treffen bessere Entscheidungen, die mehr Perspektiven berücksichtigen.
- Internationale Erfahrungen (Frankreich, Skandinavien) zeigen positive Effekte.
Argumente gegen ein Paritätsgesetz
- Eingriff in die Wahlfreiheit und die Organisationsfreiheit der Parteien.
- Verfassungsrechtliche Bedenken (passive Wahlrecht, Art. 38 GG).
- Qualifikation sollte vor Geschlecht stehen.
- Gefahr einer Präzedenzwirkung für andere Quotenregelungen.
Internationaler Vergleich
Frankreich hat seit 2000 ein Parité-Gesetz, das Parteien verpflichtet, gleich viele männliche und weibliche Kandidaten aufzustellen. Bei Verstößen werden die staatlichen Zuschüsse gekürzt. Das Gesetz hat den Frauenanteil in der Nationalversammlung von 10,9 % (1997) auf über 37 % (2022) gesteigert.
In den skandinavischen Ländern liegt der Frauenanteil in den Parlamenten bei 40–47 % – oft ohne gesetzliche Quoten, aber mit starken innerparteilichen Regelungen. Ruanda hat mit über 60 % den weltweit höchsten Frauenanteil in einem Parlament.
Zweimal für verfassungswidrig erklärt: Wie Paritätsgesetze in Deutschland scheiterten
Am 15. Juli 2020 entschied der Thüringer Verfassungsgerichtshof mit 5:2 Stimmen: Das im Februar 2019 verabschiedete Paritätsgesetz, das Parteien verpflichtet hätte, ihre Landtagswahlisten abwechselnd mit Männern und Frauen zu besetzen, verstößt gegen die Verfassung. Die Begründung: Das passive Wahlrecht und die innere Parteiautonomie würden verletzt. Drei Monate später, am 23. Oktober 2020, fällte das Brandenburger Verfassungsgericht das identische Urteil für das brandenburgische Paritätsgesetz. Beide Länder — beide mit Linke/SPD/Grüne-Koalitionen — hatten die Gesetze mit großer Mehrheit verabschiedet. In Frankreich funktioniert ein ähnliches Gesetz seit 2000 — weil es dort finanziell sanktioniert statt vorgeschrieben wird. Deutschland steht 2025 ohne jedes Paritätsgesetz da: Der Frauenanteil im Bundestag sank von 34,8 % (2017) auf 31,2 % (2021). Nach der Reform 2023 lag er bei der Wahl 2025 erneut unter 32 %.
Parité in Frankreich – wie ein Gesetz den Frauenanteil verdreifachte
Frankreich verabschiedete im Jahr 2000 das sogenannte Parité-Gesetz: Parteien müssen bei Wahlen gleich viele Frauen wie Männer aufstellen – andernfalls werden staatliche Zuschüsse gekürzt. Der Effekt war dramatisch: Der Frauenanteil in der Nationalversammlung stieg von 10,9 Prozent (1997) auf über 37 Prozent (2022). Das deutsche Modell setzt dagegen auf freiwillige Parteiregeln – mit dem Ergebnis, dass der Frauenanteil im Bundestag seit 2013 stagniert. Der entscheidende Unterschied: Frankreich sanktioniert finanziell, Deutschland appelliert moralisch.
Weiterführend: Bundestag.de — Abgeordnete und Gleichstellung. Wie die Wahlrechtsreform 2023 die Zusammensetzung des Parlaments verändert und was die Politikerranking-Umfragen zeigen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Frauenanteil im aktuellen Bundestag?
Im 21. Bundestag (seit 2025) liegt der Frauenanteil bei rund 35 %. Er variiert stark zwischen den Fraktionen: Die Grünen haben den höchsten, die AfD den niedrigsten Anteil.
Was ist ein Paritätsgesetz?
Ein Paritätsgesetz würde Parteien verpflichten, ihre Wahllisten abwechselnd mit Männern und Frauen zu besetzen (Reißverschlussprinzip). In Brandenburg und Thüringen wurden solche Gesetze verabschiedet, aber von den Landesverfassungsgerichten gekippt.
Haben andere Länder ein Paritätsgesetz?
Ja. Frankreich hat seit 2000 ein Parité-Gesetz, das Parteien zu gleich vielen männlichen und weiblichen Kandidaten verpflichtet. Bei Verstoß werden staatliche Zuschüsse gekürzt.
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