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Nachdenkliche Frau in der Stadt – Symbolbild Wahlentscheidung

Umfragen Landtagswahl Sachsen 2024 — Rückblick & Analyse

Key-Facts: Landtagswahl Sachsen 2024

  • Wahltag: 1. September 2024
  • Wahlberechtigte: Rund 3,3 Millionen
  • Wahlbeteiligung: 74,4 Prozent (deutlich höher als 2019)
  • Stärkste Kraft: CDU mit 31,9 Prozent
  • AfD: 30,6 Prozent – zweitstärkste Kraft
  • BSW: 11,8 Prozent aus dem Stand
  • Koalition: CDU/BSW-Minderheitsregierung unter Michael Kretschmer

Ausgangslage: Sachsen vor dem 1. September 2024

Die Landtagswahl in Sachsen 2024 zählte zu den am intensivsten beobachteten Wahlen des Jahres. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) regierte seit 2019 in einer Kenia-Koalition mit SPD und Grünen. Doch die politische Landschaft hatte sich dramatisch verändert: Die AfD war in Sachsen laut Umfragen teilweise stärkste Kraft, und mit dem BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) betrat eine neue Partei die Bühne.

Sachsen galt als Testfall für die Frage, wie die etablierten Parteien mit einer erstarkten AfD umgehen würden. Für die Wahlforschungsinstitute war die Wahl besonders herausfordernd: Eine neue Partei (BSW) ohne Vergleichsdaten, eine stark polarisierte Wählerschaft und die Gleichzeitigkeit mit der Thüringenwahl erschwerten präzise Prognosen.

Umfrageverlauf: Das Duell CDU gegen AfD

Im Frühjahr 2024 lagen CDU und AfD in sächsischen Sonntagsfragen nahezu gleichauf – beide zwischen 30 und 33 Prozent. Zeitweise führte die AfD sogar in einzelnen Erhebungen. Dieses Kopf-an-Kopf-Rennen dominierte die mediale Berichterstattung und erzeugte einen starken Mobilisierungseffekt.

Das BSW wurde in den ersten Umfragen nach seiner Gründung (Januar 2024) bei 8 bis 12 Prozent gesehen – ein beachtlicher Wert für eine Partei, die noch nie bei einer Wahl angetreten war. Die SPD fiel auf einstellige Werte, die Grünen kämpften mit der Fünf-Prozent-Hürde, und die Linke – in Sachsen traditionell zweistellig – brach auf rund 4 bis 6 Prozent ein.

In den letzten Wochen vor der Wahl zeigte sich ein leichter Trend zugunsten der CDU. Der „Kretschmer-Effekt“ – die hohe persönliche Popularität des Ministerpräsidenten – schlug sich offenbar erst spät in den Umfragen nieder.

Letzte Umfragen und Ergebnis im Vergleich

Partei Letzte Umfragen (Schnitt) Ergebnis 1.9.2024 Abweichung
CDU33,0 %31,9 %−1,1
AfD30,0 %30,6 %+0,6
BSW10,0 %11,8 %+1,8
SPD7,0 %7,3 %+0,3
Grüne5,5 %5,1 %−0,4
Linke4,5 %4,5 %0,0
Freie Wähler2,5 %2,3 %−0,2

Die Umfragen trafen die Rangfolge korrekt: CDU vor AfD vor BSW. Die größte Abweichung gab es beim BSW (+1,8 Punkte) – angesichts der Tatsache, dass die Partei erstmals antrat und keine historischen Vergleichsdaten existierten, ist das ein bemerkenswertes Ergebnis der Umfrageforschung.

Mann nachdenklich über Wahlentscheidung
Die sächsische Landtagswahl war geprägt von einer spürbaren Polarisierung der Wählerschaft.

AfD-Stärke in Ostdeutschland: Herausforderung für Institute

Die AfD in Sachsen zu messen, ist für Umfrageinstitute seit Jahren eine besondere Herausforderung. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle:

Soziale Erwünschtheit: Ein Teil der AfD-Wähler gibt in Telefonumfragen nicht die AfD an, weil sie soziale Missbilligung befürchten. Dieser Effekt ist in Ostdeutschland weniger stark ausgeprägt als im Westen, aber existiert dennoch. Online-Umfragen wie die von INSA messen die AfD tendenziell höher als telefonische Erhebungen.

Mobilisierungsdynamik: Die AfD erreicht viele frühere Nichtwähler, die in herkömmlichen Umfrage-Panels unterrepräsentiert sind. In Sachsen stieg die Wahlbeteiligung 2024 auf 74,4 Prozent – deutlich höher als die 66,5 Prozent von 2019. Diese Mobilisierungswelle war in den Umfragen nur schwer vorherzusehen.

Regionale Unterschiede: Die AfD-Stärke variiert innerhalb Sachsens enorm – von über 40 Prozent in manchen ländlichen Wahlkreisen bis unter 20 Prozent in Leipzig. Landesweite Umfragen können diese regionalen Unterschiede nur bedingt abbilden.

Die BSW-Überraschung

Das Bündnis Sahra Wagenknecht war der große Unbekannte der Wahl. Gegründet erst im Januar 2024, hatte die Partei bei der Sachsenwahl noch keinerlei Wahlerfahrung. Für die Umfrageinstitute bedeutete das: keine historischen House-Effects zum Korrigieren, keine Erfahrungswerte zur Mobilisierung.

Dass die Institute das BSW dennoch relativ nah am Ergebnis einschätzten, spricht für die Qualität der modernen Wahlforschung. Die leichte Unterschätzung um 1,8 Punkte könnte darauf hindeuten, dass einige BSW-Wähler in Umfragen noch „Sonstige“ oder „Linke“ angaben, sich aber am Wahltag für die neue Partei entschieden.

Koalitionsbildung: Das schwierige Puzzle

Nach der Wahl zeigte sich, was viele Umfragen vorhergesagt hatten: Eine Regierungsbildung ohne Beteiligung der AfD war extrem schwierig. Die einzige rechnerisch mögliche Mehrheitskoalition ohne AfD wäre CDU + BSW + SPD gewesen. Letztlich einigten sich CDU und BSW auf eine Minderheitsregierung, die im Landtag auf punktuelle Zustimmung anderer Fraktionen angewiesen ist.

Diese Situation war von mehreren Instituten im Vorfeld als wahrscheinliches Szenario beschrieben worden. Die Genauigkeit der Umfragen bei den Koalitionsoptionen war also besser als bei manch anderer Wahl.

Gruppe diskutiert Politik in einer Bar
Die Koalitionsfrage beschäftigte Sachsen wochenlang nach der Wahl – die Umfragen hatten die Komplexität der Lage korrekt vorhergesagt.

Vergleich der Institute

Institut CDU AfD BSW Durchschn. Abweichung
Infratest dimap33 %30 %10 %1,4 Pkt.
Forsa33 %31 %9 %1,6 Pkt.
INSA32 %31 %11 %0,8 Pkt.
FGW34 %30 %10 %1,5 Pkt.
Ergebnis31,9 %30,6 %11,8 %

INSA lag insgesamt am nächsten am Ergebnis – insbesondere beim BSW. Das könnte mit der Online-Methodik von INSA zusammenhängen, die bei jüngeren und politisch untypischen Zielgruppen oft besser funktioniert als reine Telefonbefragungen.

Fazit: Präzise Tendenz, offene Fragen

Die Wahlumfragen zur sächsischen Landtagswahl 2024 lieferten ein erstaunlich präzises Gesamtbild – insbesondere angesichts der außergewöhnlichen Herausforderungen (neue Partei, hohe Polarisierung, gestiegene Wahlbeteiligung). Die durchschnittliche Abweichung lag bei nur 0,9 Prozentpunkten über alle Parteien – ein ausgezeichneter Wert. Die Rangfolge CDU > AfD > BSW > SPD wurde korrekt vorhergesagt. Die größte offene Frage bleibt die Erfassung neuer Parteien wie dem BSW in der Umfragegewichtung.

September 2024: BSW als neue Partei – Institute treffen historische Premiere praezise

Bei der saechsischen Landtagswahl am 1. September 2024 standen die Institute vor einer methodischen Premiere: Das Buendnis Sahra Wagenknecht (BSW) trat erstmals an. Alle Institute hatten BSW seit seiner Gruendung im Januar 2024 regelmaessig abgefragt und kamen in der letzten Woche auf 11–15 Prozent. Das Ergebnis: 11,8 Prozent. Fast alle Institute lagen innerhalb von 2 Prozentpunkten – eine bemerkenswerte Praezision fuer eine Partei, die weniger als acht Monate alt war. Die CDU mit 31,9 Prozent wurde ebenfalls korrekt erfasst. Eine der besseren Prognose-Runden der deutschen Wahlforschung.

2000: House Effects – warum manche Institute immer eine Partei höher sehen

"House Effects" sind systematische Abweichungen einzelner Institute: Allensbach sieht CDU/CSU tendenziell höher (face-to-face, ältere Befragte). INSA sieht AfD tendenziell höher (Online, weniger Social-Desirability-Bias). YouGov sieht Grüne tendenziell niedriger. House Effects entstehen durch Befragungsmethode, Stichprobenzusammensetzung und Gewichtungsmodelle. Sie sind stabil über Zeit – kein Zufall, sondern systematisch. Politisch kluge Beobachter korrigieren gedanklich: "Das ist INSA, also AfD 1-2 Punkte runterrechnen." Die Transparenz über House Effects ist in Deutschland gering.

Häufige Fragen

Wann fand die Landtagswahl in Sachsen 2024 statt?

Am 1. September 2024, zeitgleich mit der Landtagswahl in Thüringen.

Wie stark wurde die AfD in Sachsen 2024?

Die AfD erreichte 30,6 Prozent und wurde damit zweitstärkste Kraft hinter der CDU (31,9 Prozent).

Welche Rolle spielte das BSW?

Das Bündnis Sahra Wagenknecht erreichte aus dem Stand 11,8 Prozent und wurde drittstärkste Kraft. Es trat später als Koalitionspartner der CDU in eine Minderheitsregierung ein.

Wie genau lagen die Umfragen?

Die durchschnittliche Abweichung lag bei nur 0,9 Prozentpunkten – ein sehr guter Wert. CDU und AfD wurden präzise erfasst, das BSW leicht unterschätzt.

Mehr dazu: aktuelle Wahlumfragen · Sonntagsfrage erklärt · Bundesländer-Umfragen
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik Pentagon muss Pressezugang wiederherstellen – Gericht sieht VerfassungsverstoßSpiegel Politik Zeitenwende: Wehrf��hige Männer müssen Auslandsreisen nicht beantragenWelt Politik Nach Kritik – Regierung hebt Genehmigungspflicht für Auslandsreisen vorerst wieder aufFAZ Politik Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj stimmt Putins Feuerpause zuFAZ Politik Deutschland-Liveblog: Verteidigungsministerium:  Genehmigungspflicht für Auslandsreisen entfälltFAZ Politik Liveblog Irankrieg: USA wollen Gespräche zwischen Israel und dem Libanon ausrichtenZDF heute Trump und Iran: Sieg, Niederlage oder Chaos?ZDF heute „Würde das Gleiche tun wie Friedrich Merz“ZDF heute Merz wird bei seinen Grundsätzen bleibenWelt Politik Putin kündigt Feuerpause in der Ukraine während orthodoxer Ostertage anSpiegel Politik USA, Donald Trump und Marco Rubio: Warum Standorte wie Ramstein entscheidend sindSpiegel Politik Buchenwald: Gericht bestätigt Verbot für »Kufiyas in Buchenwald«Tagesschau Untergetauchte Rechtsextremistin Liebich in Tschechien gefasst
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