Allensbach – Institut im Detail
Key-Facts
- Gründung: 1947 in Allensbach am Bodensee
- Gründerin: Prof. Elisabeth Noelle-Neumann (1916–2010)
- Geschäftsführung: Prof. Renate Köcher
- Hauptauftraggeber: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)
- Methodik: Face-to-Face-Interviews, ca. 1.000–1.500 Befragte
- Frequenz: Alle 2–4 Wochen
Das Institut für Demoskopie Allensbach ist eine Legende der deutschen Meinungsforschung. 1947 von Elisabeth Noelle-Neumann in dem kleinen Ort Allensbach am Bodensee gegründet, ist es das älteste Meinungsforschungsinstitut Deutschlands – und eines der wenigen weltweit, das noch regelmäßig persönliche Interviews durchführt.
Geschichte
Elisabeth Noelle-Neumann gründete das Institut kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, inspiriert von der amerikanischen Umfrageforschung George Gallups. In einer Zeit, in der die junge Bundesrepublik sich selbst noch finden musste, lieferte Allensbach erstmals systematische Daten über die Einstellungen der Deutschen. Konrad Adenauer nutzte die Allensbach-Daten aktiv für seine politische Strategie – eine Praxis, die dem Institut sowohl Renommee als auch den Vorwurf der Nähe zur CDU einbrachte.
Noelle-Neumann leitete das Institut bis 2001 und prägte es durch ihre Forschung zur Schweigespirale. Ihre Nachfolgerin Renate Köcher führt das Institut seitdem und hat es methodisch weiterentwickelt, ohne die Kernidentität aufzugeben.
Methodik: Face-to-Face als Markenzeichen
Allensbachs Methodik ist einzigartig in der deutschen Umfragelandschaft: Das Institut setzt auf persönliche Interviews (Face-to-Face). Geschulte Interviewer besuchen die Befragten zu Hause und führen das Gespräch vor Ort. Für die Sonntagsfrage wird zusätzlich ein geheimer Stimmzettel verwendet – die Befragten werfen ihren ausgefüllten Stimmzettel in eine versiegelte Urne, ohne dass der Interviewer die Antwort sieht.
Dieses Verfahren ist aufwendig und teuer, hat aber Vorteile: Die Geheimheit des Stimmzettels reduziert den Social-Desirability-Bias. Die persönliche Ansprache erreicht auch Bevölkerungsgruppen, die weder per Telefon noch online gut erreichbar sind. Und die Interviewer können die Interviewsituation besser kontrollieren als bei Fernbefragungen.
House Effects
| Partei | Allensbach-Tendenz | Richtung | Größenordnung |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU | Leicht über Durchschnitt | ↑ | +0,5 bis +1,5 Pp. |
| SPD | Im Durchschnitt | ↔ | ±0,5 Pp. |
| Grüne | Leicht unter Durchschnitt | ↓ | -0,5 Pp. |
| AfD | Im Durchschnitt | ↔ | ±0,5 Pp. |
Allensbach wird oft eine Nähe zur CDU/CSU nachgesagt. Ob die leicht höheren Unionswerte methodisch bedingt sind (Face-to-Face erreicht ältere Wähler besser) oder auf eine subtile Verzerrung hindeuten, ist umstritten. Die Geheimstimmzettel-Methode bei der Sonntagsfrage dürfte den Bias gegenüber Telefon-Umfragen jedenfalls reduzieren.
Vergleich mit anderen Instituten
| Merkmal | Allensbach | Forsa | INSA |
|---|---|---|---|
| Methodik | Face-to-Face + Urne | Telefon (CATI) | Online-Panel |
| Frequenz | Alle 2–4 Wochen | Wöchentlich | Wöchentlich |
| Auftraggeber | FAZ | RTL/ntv | Bild/BamS |
| Tradition | Seit 1947 | Seit 1984 | Seit 2009 |
Fazit
Allensbach ist ein einzigartiges Institut in der deutschen Umfragelandschaft – methodisch konservativ, aber hochwertig. Die Face-to-Face-Methodik ist aufwendiger als jeder andere Ansatz, liefert aber Daten, die andere Verfahren nicht produzieren können. Für die Aggregation ist Allensbach ein wertvoller Baustein, der eine andere Perspektive einbringt als Telefon- oder Online-Institute.
Die Prophezeiung von 1965: Exakt richtig, als alle anderen irrten
Zur Bundestagswahl am 19. September 1965 prognostizierte Elisabeth Noelle-Neumann für Allensbach einen CDU/CSU-Stimmenanteil von exakt 47,6 Prozent. Konkurrierende Institute und Journalisten hielten die Vorhersage für zu kühn – ein angeblicher SPD-Aufschwung würde das Rennen knapper machen. Am Wahlabend stand fest: Die Union hatte genau 47,6 Prozent erhalten. Die Abweichung zwischen Prognose und tatsächlichem Ergebnis betrug null Komma null Prozentpunkte. Die Präzision katapultierte Allensbach in eine Sonderstellung, die das Institut bis heute behält.
1949: Die erste Wahlumfrage Deutschlands – Elisabeth Noelle-Neumann und das Allensbach-Institut
Die erste systematische Wahlumfrage in Deutschland entstand 1947 im Auftrag der amerikanischen Besatzung. Elisabeth Noelle-Neumann gründete 1947 das Institut für Demoskopie Allensbach – bis heute das älteste Umfrageinstitut Deutschlands. Die erste Bundestagswahl 1949 wurde von Allensbach begleitet: Erste Prognose: CDU vorne. Ergebnis: CDU/CSU 31 Prozent. Die Demoskopie war noch ein Experiment. 75 Jahre später sind Wahlumfragen das wichtigste politische Barometer – mit 6 großen Instituten, wochentlicher Veröffentlichung und dem "Durchschnitt der Umfragen" als Standard-Bezugspunkt.
Häufige Fragen
Wer hat das Institut für Demoskopie Allensbach gegründet?
Das Institut wurde 1947 von Prof. Elisabeth Noelle-Neumann und ihrem Mann Erich Peter Neumann in Allensbach am Bodensee gegründet. Es ist das älteste Meinungsforschungsinstitut Deutschlands.
Welche Methodik nutzt Allensbach?
Allensbach ist das einzige große deutsche Institut, das regelmäßig Face-to-Face-Interviews durchführt. Für die Sonntagsfrage wird ein geheimer Stimmzettel in eine versiegelte Urne geworfen.
Warum veröffentlicht Allensbach seltener als andere Institute?
Die Face-to-Face-Methodik ist deutlich zeitaufwändiger als Telefon- oder Online-Befragungen. Allensbach veröffentlicht daher nur alle zwei bis vier Wochen, dafür mit hoher methodischer Sorgfalt.
Weiterlesen
AfD gleichauf mit der Union
Was aktuelle Umfragen ueber die Parteienstaerke sagen.
Allensbach – Alle Umfragen
Aktuelle und historische Ergebnisse des Allensbach-Instituts.
Die Schweigespirale
Noelle-Neumanns berühmteste Theorie im Detail.
Infratest dimap im Profil
Das ARD-Institut im Vergleich.
Alle Ratgeber
450+ Artikel zu Wahlen und Politik in Deutschland.