Bildung & Schulen: PISA-Schock, Lehrermangel, Zukunft
Deutschland steckt in einer Bildungskrise. Der PISA-Schock 2001 hat nichts ausgelöst — 2022 war Deutschland schlechter als je zuvor. Lehrermangel, marode Schulgebäude, fehlende digitale Ausstattung, steigende Zahl von Schülern ohne Grundkompetenzen in Lesen und Rechnen. Die Parteien streiten über Ursachen und Lösungen.
Die Positionen im Überblick
Bildung ist Ländersache — CDU/CSU verteidigen die Kulturhoheit der Länder und lehnen eine Zentralisierung ab. Inhaltlich: Zurück zu Grundkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen), weniger ideologische Themen im Lehrplan. Differenziertes Schulsystem erhalten — nicht alle aufs Gymnasium. Leistungsprinzip stärken. Digitalpakt Schule verlängern und ausbauen.
Mehr Bundeskompetenz: Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern reformieren, damit der Bund direkt in Bildung investieren kann. Startchancen-Programm für benachteiligte Schulen. Ganztagsbetreuung ausbauen — bis 2029 Rechtsanspruch auf Ganztagsplätze. Chancengleichheit: Kein Kind darf scheitern, weil es arm ist. Kostenfreie Schulverpflegung prüfen.
Gemeinschaftsschule als Leitbild: Kinder länger gemeinsam lernen, Inklusion konsequent umsetzen. Ökologie und Demokratie als Pflichtfächer. Digitalisierung nicht als Selbstzweck — pädagogische Konzepte müssen Technik steuern, nicht andersherum. Mehr Schulsozialarbeiter. Schule als sozialer Ort: Schülerinnen und Schüler aktiv mitentscheiden lassen.
Bildungsideologie stoppen — die AfD sieht den Lehrplan als politisch überlagert: Gender, Klimawandel, Diversität statt Rechnen und Schreiben. Zurück zu Noten, Selektion und Leistungsdruck. Inklusion in der bisherigen Form ablehnen — Förderschulen erhalten. Schüler mit Sprachproblemen in gesonderte Klassen. Bildung als nationale Aufgabe mit traditionellen Werten.
Kostenfreie Bildung von der Kita bis zum Studium — das ist das Kernanliegen. Gemeinschaftsschulen, keine Selektion mit 10 Jahren. Bundesministerium für Bildung mit echten Kompetenzen. Schulen in sozialen Brennpunkten besonders fördern. Digitalisierung von unten: Schüler brauchen Endgeräte, nicht nur WLAN. Politische Bildung stärken.
Handwerk und Berufsausbildung aufwerten — nicht alle müssen studieren. BSW kritisiert den Akademisierungstrend und will die duale Ausbildung stärken. Grundkompetenzen Priorität: Lesen, Schreiben, Rechnen vor allem anderen. Schule soll Kinder fordern und fördern, ohne ideologischen Ballast. Lehrermangel bekämpfen durch bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen.
Kernanliegen im Vergleich
| Partei | Mehr Bundeskompetenzen | Gemeinschaftsschule | Kostenfreie Bildung |
|---|---|---|---|
| CDU/CSU | Nein | Nein | Teils |
| SPD | Ja | Tendenziell | Teils |
| Grüne | Ja | Ja | Ja |
| AfD | Nein | Nein | Nein |
| Linke | Ja | Ja | Ja |
| BSW | Tendenziell | Teils | Teils |
PISA 2022: Das Ausmaß der Krise
Deutschland belegte bei PISA 2022 in Mathematik Platz 25 von 37 OECD-Ländern — ein historischer Tiefstwert. Über ein Viertel der 15-Jährigen erreicht nicht das Grundkompetenzniveau in Mathematik. In Lesen und Naturwissenschaften ähnliches Bild. Besonders alarmierend: Die Schere zwischen Schülern aus bildungsnahen und bildungsfernen Familien ist größer als in fast allen Vergleichsländern.
Strukturell ist das Problem bekannt: 16 Schulsysteme, kaum vergleichbare Standards, Lehrermangel besonders in Grundschulen und in strukturschwachen Regionen. Das Startchancen-Programm der Ampel-Regierung (20 Mrd. Euro über 10 Jahre) ist ein erster Schritt — reicht aber nach Einschätzung der Bildungsforschung bei weitem nicht aus.
Links will mehr Zentralisierung und Gemeinschaftsschule, rechts Kulturhoheit der Länder und Leistungsprinzip. Die SPD steht in der Mitte: mehr Bundesmittel, aber keine Strukturrevolution. Einig sind sich alle bei einem: Lehrermangel ist die akuteste Baustelle — und hier hat die Politik jahrelang versagt.


