Alle AfD-Vorsitzenden — Sprecher und Vorsitzende seit 2013
Key-Facts: AfD-Vorsitzende
- Aktuelle Vorsitzende: Alice Weidel und Tino Chrupalla (seit Juni 2022)
- Anzahl Vorsitzende/Sprecher: 7 Personen seit 2013
- Führungsform: Anfangs Dreier-Spitze, dann Doppelspitze
- Besonderheit: Drei frühere Vorsitzende verließen die Partei
- Titel: Bis 2015 „Bundessprecher“, danach „Bundesvorsitzende“
Jeder Führungswechsel in der AfD war ein Richtungswechsel. Die Liste der Vorsitzenden ist eine Chronik der Radikalisierung — nicht im Sinne einer Wertung, sondern als nackter Befund: Wer für Mäßigung stand, verlor. Wer blieb, passte sich an oder trug die Verschiebung mit. In 12 Jahren haben sieben Personen die Partei an der Spitze geführt. Drei von ihnen gehören der AfD heute nicht mehr an.
Die Bezeichnung änderte sich unterwegs: Bis 2015 hieß das Amt „Bundessprecher“, dann wurde es zum klassischen „Bundesvorsitzenden“. Immer als Doppel- oder Dreifachspitze besetzt. Auch das sagt etwas: Die AfD hat nie einer einzelnen Person die alleinige Macht anvertraut.
Die vollständige Liste
| Name | Amtszeit | Titel | Verbleib |
|---|---|---|---|
| Bernd Lucke | Apr. 2013 – Jul. 2015 | Bundessprecher | Partei verlassen, LKR gegründet |
| Konrad Adam | Apr. 2013 – Jul. 2015 | Bundessprecher | Partei verlassen (2020) |
| Frauke Petry | Apr. 2013 – Sep. 2017 | Bundessprecherin / Vorsitzende | Partei verlassen, Blaue Partei gegründet |
| Jörg Meuthen | Jul. 2015 – Jan. 2022 | Bundessprecher / Vorsitzender | Partei verlassen |
| Alexander Gauland | Dez. 2017 – Nov. 2019 | Bundesvorsitzender | Ehrenvorsitzender |
| Tino Chrupalla | Nov. 2019 – heute | Bundesvorsitzender | Im Amt |
| Alice Weidel | Jun. 2022 – heute | Bundesvorsitzende | Im Amt |
Bernd Lucke: Der Gründer, der seine Partei verlor
Wirtschaftsprofessor an der Universität Hamburg. Spezialist für Makroökonomie. Bernd Lucke hatte eine klare Vorstellung davon, was die AfD sein sollte: eine bürgerlich-konservative Kraft, deren Existenzberechtigung in der Ablehnung des Euro lag. Nicht mehr, nicht weniger.
Dass eine Partei nicht wie ein Universitätsseminar funktioniert, merkte er zu spät. In den Landesverbänden drängten Kräfte nach vorn, die breiter aufgestellt sein wollten — gesellschaftspolitisch, identitätspolitisch. Auf dem Parteitag in Essen im Juli 2015 unterlag Lucke gegen Frauke Petry. Er verließ die AfD am selben Tag. Seine Neugründung LKR blieb bedeutungslos. Lucke kehrte an die Universität zurück.
Frauke Petry: Siegerin und Verliererin zugleich
Petry hatte Lucke gestürzt, aber die Partei, die sie übernahm, war nicht die, die sie kontrollieren konnte. Unter ihrer Führung verschob sich der Schwerpunkt der AfD von der Euro-Kritik zur Migrationspolitik. Die Flüchtlingskrise 2015 lieferte den Treibstoff, und Petry war geschickt genug, ihn zu nutzen.
Doch der rechte Flügel um Björn Höcke wuchs schneller als ihr Einfluss. Am Abend der Bundestagswahl 2017 — 12,6 Prozent, erstmals im Bundestag — erklärte Petry ihren Austritt aus der Fraktion. Die „Blaue Partei“, die sie anschließend gründete, löste sich 2020 auf.
Meuthen: Sechs Jahre Gratwanderung
Jörg Meuthen war der am längsten amtierende AfD-Vorsitzende. Der Wirtschaftsprofessor aus Baden-Württemberg übernahm 2015 neben Petry, überlebte deren Abgang und blieb an der Seite wechselnder Co-Vorsitzender: erst Gauland, dann Chrupalla. Sechs Jahre lang versuchte er, die AfD als bürgerlich-konservative Partei zu positionieren und sich vom rechtsextremen „Flügel“ abzugrenzen.
Im Januar 2022 zog er die Konsequenz: Die Partei habe sich zu weit nach rechts entwickelt, um noch korrigierbar zu sein. Sein Rücktritt war der leiseste der drei Abgänge, aber vielleicht der ernsteste, weil er am längsten gekkämpft hatte.
Gauland: Der Brückenbauer
Alexander Gauland, ehemaliger CDU-Politiker, war einer der ältesten AfD-Gründer und galt als Scharnier zwischen den Flügeln. Als Co-Vorsitzender neben Meuthen (2017–2019) hielt er die Partei zusammen, ohne sich eindeutig zu positionieren. Nach seinem Rückzug aus dem Vorsitz wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt — eine Geste, die in einer Partei mit so wenig Tradition bemerkenswert ist.
Weidel und Chrupalla: Die aktuelle Führung
Tino Chrupalla, Malermeister aus Sachsen, übernahm den Co-Vorsitz bereits 2019. Alice Weidel, Unternehmensberaterin und Fraktionsvorsitzende, kam 2022 hinzu. Unter ihrer Führung erlebte die AfD in Umfragen ein Hoch. Bei den Landtagswahlen 2024 in Ostdeutschland wurde die Partei in Thüringen stärkste Kraft. Weidel wurde als Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2025 nominiert.
Die Doppelspitze Weidel/Chrupalla ist die stabilste Führungskonstellation in der AfD-Geschichte. Ob das an den Personen liegt oder daran, dass es keinen gemäßigten Flügel mehr gibt, der eine Gegenposition aufbauen könnte, ist Gegenstand der politikwissenschaftlichen Debatte.
Das Muster
Die AfD-Führungsgeschichte folgt einer klaren Logik: Gemäßigte Vorsitzende versuchten, die Partei in der bürgerlichen Mitte zu verankern. Sie scheiterten an der Dynamik des rechten Flügels und verließen die Partei. Jeder Abgang verschob die AfD weiter nach rechts. Lucke, Petry, Meuthen — drei Versuche, eine Grenze zu ziehen, drei Niederlagen. Die aktuelle Führung steht vor einer anderen Herausforderung: die Partei angesichts der Beobachtung durch den Verfassungsschutz wählbar zu halten, ohne den rechten Rand zu verlieren.
2015: Bernd Lucke wird auf dem Essener Parteitag aus seiner eigenen Partei gedrängt
Am 4. Juli 2015 trat AfD-Gründer Bernd Lucke auf dem Parteitag in Essen gegen Frauke Petry als Vorsitzender an. Petry repräsentierte den rechtspopulistischen Flügel, der in der Migrationsdebatte eine Zukunft sah. Das Abstimmungsergebnis: Petry 60%, Lucke 38%. Noch am Abend verließen Lucke und rund 2.000 Mitglieder die Partei. Lucke zog sich später gänzlich aus der Politik zurück und kehrte an die Universität Hamburg zurück. Keine seiner politischen Gründungen hat seither die Fünf-Prozent-Hürde erreicht.
2013: AfD-Gründung – von Euro-Kritikern zu Rechtspopulisten in 4 Jahren
Die AfD wurde am 6. Februar 2013 gegründet. Gründungsmotiv: Opposition zum Euro-Rettungsschirm. Gründer: Bernd Lucke (Wirtschaftsprofessor), Hans-Olaf Henkel (Ex-BDI-Chef). Bei der Bundestagswahl 2013: 4,7 Prozent – knapp unter der Hürde. 2014 zog sie ins Europäaparlament ein. 2015: Flüchtlingskrise als Turbo. Lucke trat aus – die rechte Fraktion um Frauke Petry übernahm. 2017: 12,6 Prozent. 2021: 10,3 Prozent. 2025: 20,8 Prozent. Der Weg von einer Euro-Skeptiker-Partei zur zweitstärksten Kraft dauerte 12 Jahre. Die "Brandmauer" der demokratischen Parteien hält bisher.
Häufige Fragen
Wer ist die aktuelle AfD-Vorsitzende?
Seit Juni 2022 führen Alice Weidel und Tino Chrupalla die AfD als Doppelspitze (Bundesvorsitzende).
Wie viele Vorsitzende hatte die AfD bisher?
Die AfD hatte seit 2013 insgesamt sieben verschiedene Personen in Führungspositionen: Lucke, Adam, Petry, Meuthen, Gauland, Chrupalla und Weidel.
Warum hat die AfD so häufig die Führung gewechselt?
Die häufigen Führungswechsel spiegeln innerparteiliche Richtungskämpfe wider. Gemäßigtere Vorsitzende wie Lucke und Meuthen verließen die Partei nach Machtkkämpfen mit dem rechten Flügel.
Weiterlesen
AfD gleichauf mit der Union
Von Lucke bis Weidel - und aktuelle Umfragewerte.
Geschichte der AfD
Von der Gründung 2013 bis heute — alle Phasen im Überblick.
AfD-Parteiprogramm
Positionen zu Migration, Euro, Energie und Sicherheit.
AfD-Wählerstruktur
Wer wählt die AfD? Alter, Geschlecht und Bildung.
Alle Ratgeber
450+ Artikel zu Wahlen und Politik in Deutschland.
Bundestagswahl 2029
Nächste Bundestagswahl: Termin, Kandidaten und Koalitionsszenarien.