Regierung Hessen — Große Koalition mit Frankfurter Prägung
Frankfurt beherbergt die EZB, die Deutsche Börse, Dutzende internationale Banken. Der Finanzplatz prägt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Politik des Landes. Dass mit Boris Rhein ein gebürtiger Frankfurter den Ministerpräsidenten stellt, ist kein Zufall — es ist das Spiegelbild einer Ökonomie, die vom Rhein-Main-Gebiet aus Hessen antreibt.
Kabinett Rhein II
- Koalition: CDU + SPD (Große Koalition)
- MP: Boris Rhein (CDU)
- Stellv. MP: Kaweh Mansoori (SPD)
- Im Amt seit: Januar 2024
- Sitz: Hessische Staatskanzlei, Wiesbaden
- Mehrheit: 74 von 133 Sitzen
Kabinett: CDU dominiert, SPD gestaltet
| Ressort | Minister/in | Partei |
|---|---|---|
| Ministerpräsident | Boris Rhein | CDU |
| Wirtschaft, Energie, Verkehr (stellv. MP) | Kaweh Mansoori | SPD |
| Inneres, Sicherheit | Roman Poseck | CDU |
| Finanzen | Alexander Lorz | CDU |
| Kultus | Armin Schwarz | CDU |
| Soziales und Integration | Heike Hofmann | SPD |
| Wissenschaft, Forschung, Kunst | Timon Gremmels | SPD |
| Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft | Ingmar Jung | CDU |
| Justiz | Christian Heinz | CDU |
| Digitalisierung und Innovation | Kristina Sinemus | CDU |
Die CDU hält sieben von zehn Ressorts. Die SPD bekommt mit Wirtschaft, Soziales und Wissenschaft die Gestaltungsfelder. Kaweh Mansoori als stellvertretender MP gilt als eines der größten Talente der hessischen SPD.
Schwerpunkte: Finanzplatz, Infrastruktur, Sicherheit
Der Fernbahntunnel Frankfurt und der S-Bahn-Ausbau im Rhein-Main-Gebiet sind die größten Infrastrukturprojekte. Die Stärkung des Finanzplatzes nach dem Brexit, Innere Sicherheit und die Transformation der Automobilzulieferer in Nordhessen prägen die Legislaturperiode.
Hessen entsendet fünf Stimmen in den Bundesrat — entsprechend seinem Rang als fünftgrößtes Bundesland.
10 Jahre Schwarz-Grün — und dann der Bruch
Hessen hatte eine der langlebigsten CDU-Grünen-Koalitionen Deutschlands: Von 2014 bis 2024 regierten CDU und Grüne ununterbrochen. Zwei volle Legislaturperioden unter Volker Bouffier, dann eine halbe unter Boris Rhein. Es war das bundesweite Vorbild dafür, dass CDU und Grüne miteinander können.
Die Wahl 2023 zerschlug das Konstrukt. Die CDU gewann mit 34,6% — stark, aber nicht so stark wie 2018 (27% damals war schwächer, 2023 war stärker dank Rückenwind). Die Grünen fielen auf 14,8%. Die SPD kam auf 15,1% — knapp vor den Grünen. Rhein wählte den SPD-Partner. Rechnerisch wäre Schwarz-Grün weiter möglich gewesen. Die Entscheidung gegen die Grünen war eine politische — und sie markierte das Ende einer Ära.
Brexit-Gewinner Frankfurt: Wie die Finanzkrise Hessens Stärke wurde
Nach dem Brexit-Referendum 2016 began eine stille Völkerwanderung: Banken und Finanzinstitute, die einen EU-Standort brauchten, wählten Frankfurt. Deutsche Bank, Goldman Sachs, JPMorgan, Barclays, Citigroup — alle erweiterten ihre Frankfurter Operationen massiv. Die EZB ist bereits seit 1998 in Frankfurt ansässig. Bis 2023 entstanden im Bankensektor über 6.000 neue Jobs durch den Brexit-Effekt (Hochrechnung des Finanzplatz Frankfurt). Der Finanzsektor macht heute rund 25% des hessischen BIP aus — mehr als in jedem anderen Bundesland. Die Hessische Landesregierung hat eigens eine "Frankfurt Finance"-Strategie: staatliche Unterstützung bei Ansiedlungen, Visa-Beschleunigung für Fachkräfte, beschleunigtes Baugenehmigungsverfahren für Bürogebäude.
Kaweh Mansoori: Ein Aufstieg, der auffällt
Der SPD-Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident ist in Teheran geboren und in Frankfurt aufgewachsen. Mansoori studierte Rechtswissenschaften, war Kommunalpolitiker in Frankfurt, dann Landtagsabgeordneter. Mit seiner Ernennung zum stellvertretenden MP 2024 wurde er zum höchstrangierten iranischstämmigen Politiker in einem deutschen Kabinett.
Dass ausgerechnet der Wirtschaftsminister hessischer Herkunft aus dem Iran stammt, hat eine gewisse Symbolkraft für den Finanzplatz Frankfurt: international, weltoffen, pragmatisch. Mansoori gilt als Modernisierer innerhalb der Hessen-SPD — sein Ressort umfasst neben Wirtschaft auch Energie und Verkehr, also drei der vier Megathemen der Legislaturperiode.
Der Nordhessen-Faktor: Wenn die Industrie sich wandelt
Während Frankfurt boomt, steht Nordhessen vor einer ähnlichen Herausforderung wie das Ruhrgebiet in den 1980ern: Automobilzulieferer, die für Verbrennungsmotoren produzierten, müssen auf Elektroantrieb umrüsten oder sterben. Kassel ist der Standort von Volkswagen Kassel (30.000 Beschäftigte direkt und indirekt) — eines der größten VW-Werke weltweit, spezialisiert auf Getriebe. Mit der Elektrowende fallen Getriebe weg. Rhein verhandelt mit VW über Transformation, nicht Abwicklung. Das Ergebnis ist noch offen.
Hessen im Bundesrat: Starkes Gewicht dank Wirtschaftskraft
Mit rund 6,4 Millionen Einwohnern hat Hessen Anspruch auf fünf Bundesratsstimmen. Das gibt Hessen ein überproportionales Gewicht in Berlin: Die Landesregierung kann über den Bundesrat Gesetze blockieren oder mitgestalten — besonders in Finanzmarktregulierung und Europäischer Wirtschaftspolitik, wo Frankfurt direkt betroffen ist. Die CDU-SPD-Koalition unter Boris Rhein stimmte 2024 mehrfach mit der Bundesregierung — was die politische Nähe zur Berliner Großen Koalition zeigt.
Häufige Fragen
Wer regiert in Hessen?
CDU und SPD unter Boris Rhein (CDU).
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