Ministerpräsident Schleswig-Holstein — Daniel Günther
Gibt es einen beliebtesten Ministerpräsidenten Deutschlands? Falls ja, steht Daniel Günther auf der Shortlist. Der CDU-Politiker regiert Schleswig-Holstein seit 2017 mit einem kooperativen Stil, der in der polarisierten Berliner Republik fast anachronistisch wirkt. Er kann mit Grünen ebenso regieren wie mit der FDP. Er steigert CDU-Ergebnisse, statt sie zu verwalten. Und er macht das alles, ohne laut zu werden.
Steckbrief
- Name: Daniel Günther (CDU)
- Im Amt seit: 28. Juni 2017
- Geboren: 24. Juli 1973 in Kiel
- Koalitionen: Jamaika (2017–2022), Schwarz-Grün (seit 2022)
- Studium: Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftspolitik (Kiel)
Der Jamaika-Pionier
Günther schrieb 2017 Landesgeschichte: Er bildete die erste Jamaika-Koalition (CDU-Grüne-FDP) auf Landesebene — zwei Jahre bevor das Modell im Bund scheiterte. In Kiel funktionierte es. Fünf Jahre lang. Der Beweis, dass CDU und Grüne zusammenarbeiten können, wenn der Wille da ist.
2022 wurde die CDU so stark, dass die FDP nicht mehr gebraucht wurde. Günther bildete Schwarz-Grün — mit Zweidrittelmehrheit. Das verschafft ihm einen Gestaltungsspielraum, den kein anderer MP hat.
Die Kiel-Karriere
Geboren in Kiel, Studium in Kiel, Politik in Kiel. Günther ist durch und durch Schleswig-Holsteiner. Mit 18 in die CDU, Kommunalpolitik in Eckernförde, ab 2009 im Landtag, 2014 Fraktionschef. Bei der Wahl 2017 wurde er Spitzenkandidat und gewann direkt. Kein Umweg über Berlin — er ist Landespolitiker aus Überzeugung.
2017: Kieler Jamaika funktionierte — Berliner scheiterte
Am 28. Oktober 2017 unterzeichnete Günther den Koalitionsvertrag für die erste Jamaika-Koalition (CDU-FDP-Grüne) in einem westdeutschen Bundesland. Drei Wochen später, am 19. November 2017, erklärte FDP-Chef Christian Lindner in Berlin: „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“ — und die Bundesjamaikaverhandlungen waren gescheitert. Der Kontrast wurde sofort von allen Medien notiert: Günthers Jamaika in Kiel lief stabil, regelmäßig und ohne öffentliche Dramen. Berlins Jamaika-Versuche hingegen scheiterten innerhalb von Wochen. Günther selbst sagte dazu sinngemäß: Koalitionen gelingen, wenn Vertrauen und gegenseitiger Respekt da sind — nicht wenn jede Partei versucht, die andere zu dominieren. Die Kieler Koalition hielt fünf Jahre, bis Günther 2022 keine FDP mehr brauchte.
Bisherige Ministerpräsidenten
| Name | Partei | Amtszeit |
|---|---|---|
| Theodor Steltzer | CDU | 1946–1947 |
| Hermann Lüdemann | SPD | 1947–1949 |
| Bruno Diekmann | SPD | 1949–1950 |
| Kai-Uwe von Hassel | CDU | 1954–1963 |
| Gerhard Stoltenberg | CDU | 1971–1982 |
| Uwe Barschel | CDU | 1982–1987 |
| Björn Engholm | SPD | 1988–1993 |
| Heide Simonis | SPD | 1993–2005 |
| Peter Harry Carstensen | CDU | 2005–2012 |
| Torsten Albig | SPD | 2012–2017 |
| Daniel Günther | CDU | seit 2017 |
Heide Simonis war die erste Ministerpräsidentin eines Bundeslandes. Barschel steht für den größten Skandal in der Geschichte Schleswig-Holsteins — und einen der ungeklärtesten Tode der deutschen Nachkriegsgeschichte. Günther steht für die Normalisierung danach.
Die Barschel-Affäre: Schleswig-Holsteins dunkelster Moment
Uwe Barschel gewann die Landtagswahl am 13. September 1987 knapp gegen SPD-Herausforderer Björn Engholm. Wenige Tage später berichtete das Magazin Spiegel: Barschels Vertrauter Reiner Pfeiffer hatte Engholm ausgespioniert, Schmutzkampagnen organisiert und falsche Gerüchte gestreut — im Auftrag des Ministerpräsidents. Barschel trat vor die Presse und sagte den Satz, der ihn unsterblich machen sollte: „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort: Ich habe Herrn Engholm nicht bespitzelt.“
Es war eine Lüge. Am 2. Oktober 1987 trat Barschel zurück. Neun Tage später, am 11. Oktober 1987, wurde er tot in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel Beau-Rivage gefunden — vollständig bekleidet, mit Medikamenten im Blut, den Koffer noch unausgepackt. Offizieller Befund: Selbstmord. Bis heute ungeklärt, ob er allein war.
Das Ehrenwort: Wie ein Satz die deutsche Politiksprache veränderte
Barschels „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“ wurde zum geflügelten Wort für politische Unaufrichtigkeit. Wer heute in Deutschland einen Politiker „Ehrenwort“ sagen hört, denkt reflexartig an Barschel. Die Affäre hatte direkte politische Folgen: Bjørn Engholm wurde Ministerpräsident (1988–1993) und SPD-Bundesvorsitzender — bis er 1993 zurücktreten musste, weil herauskam, dass auch er früher Kenntnisse von der Bespitzelung hatte als zugegeben. Die Barschel-Affäre hat also nicht nur einen, sondern zwei Ministerpräsidenten politisch vernichtet. Und der Tod Barschels bleibt eines der wenigen echten politischen Rätsel der Bundesrepublik: Ermittlungen wurden mehrfach wiederaufgenommen, 1993 und 2007, ohne abschließendes Ergebnis.
2022: Günthers absolute Mehrheit – ein Ausnahme-Ergebnis für die CDU
Bei der Landtagswahl Schleswig-Holstein 2022 holte Daniel Günther 43,4 Prozent — in einer Zeit, in der die CDU bundesweit bei 25–28 Prozent lag. Er bildete trotzdem eine Koalition mit der SPD, um stabile Mehrheiten zu sichern. In Umfragen zur Beliebtheit von Ministerpräsidenten landet Günther regelmäßig auf Platz 1 oder 2. Das macht ihn zu einem der wenigen CDU-Politiker, der auch linke Wählerschichten anspricht — ein Profil, das ihn nach Friedrich Merz' Kanzlerschaft für höhere Bundesaufgaben qualifiziert.
Häufige Fragen
Wer regiert Schleswig-Holstein?
Daniel Günther (CDU) seit Juni 2017.
Wie alt war er bei Amtsantritt?
43 Jahre — einer der jüngsten MP in der Bundesrepublik.
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