Ministerpräsident NRW — Hendrik Wüst
Er übernahm ein Amt, das eigentlich nicht für ihn vorgesehen war. Als Armin Laschet nach der verlorenen Bundestagswahl 2021 die Landespolitik verließ, setzte sich Hendrik Wüst in einer parteiinternen Abstimmung als Nachfolger durch — gegen Widerstände, gegen Skepsis. Seitdem hat er nicht nur NRW regiert, sondern auch seinen eigenen Weg gefunden: weg von Laschets jovialer Art, hin zu einem nüchternen, ergebnisorientierten Stil.
Steckbrief
- Name: Hendrik Wüst (CDU)
- Im Amt seit: 27. Oktober 2021
- Geboren: 19. Juli 1975 in Rhede (Münsterland)
- Koalition: CDU-Grüne seit Juni 2022
- Vorher: Verkehrsminister (2017–2021), CDU-Generalsekretär NRW (2005–2010)
- Bundesrat: 6 Stimmen — das höchste Gewicht aller Länder
Karriere im Zeitraffer
Wüst, Jahrgang 1975, wuchs im Münsterland auf, studierte Jura in Münster und trat mit 18 in die CDU ein. Mit 30 war er Generalsekretär der NRW-CDU, mit 42 Verkehrsminister, mit 46 Ministerpräsident. Eine steile Karriere — aber keine gradlinige. Zwischen Generalsekretär und Minister lagen Jahre auf der Hinterbank. Die Geduld zahlte sich aus.
Als Verkehrsminister kümmerte er sich um das unglamouröseste Thema NRWs: marode Brücken und Autobahnbaustellen. Nicht der Stoff, aus dem Schlagzeilen sind — aber der Stoff, der in einem Pendlerland mit 2.000 Kilometern Autobahn täglich zählt.
Der Kanzlerkandidat-Faktor
Wer das größte Bundesland regiert, wird automatisch als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt. NRW hat sechs Stimmen im Bundesrat — mehr als jedes andere Land. Wüst nutzt diese Plattform, hält sich aber bedeckt. Ob er 2025 kandidiert hätte, ob er 2029 kandidieren wird — er lässt die Frage offen. Klug, denn Laschet hat gezeigt, was passiert, wenn man zu früh zu viel will.
Bisherige Ministerpräsidenten
| Name | Partei | Amtszeit |
|---|---|---|
| Rudolf Amelunxen | Zentrum | 1946–1947 |
| Karl Arnold | CDU | 1947–1956 |
| Fritz Steinhoff | SPD | 1956–1958 |
| Franz Meyers | CDU | 1958–1966 |
| Heinz Kühn | SPD | 1966–1978 |
| Johannes Rau | SPD | 1978–1998 |
| Wolfgang Clement | SPD | 1998–2002 |
| Peer Steinbrück | SPD | 2002–2005 |
| Jürgen Rüttgers | CDU | 2005–2010 |
| Hannelore Kraft | SPD | 2010–2017 |
| Armin Laschet | CDU | 2017–2021 |
| Hendrik Wüst | CDU | seit 2021 |
Johannes Rau regierte 20 Jahre und wurde Bundespräsident. Steinbrück wurde Kanzlerkandidat. Laschet ebenfalls. Die Liste zeigt: Das Amt in Düsseldorf ist ein Sprungbrett — oder ein Schleudersitz. Beides liegt nahe beieinander.
Hannelore Kraft: Aufstieg und Absturz in sieben Jahren
Kein Ministerpräsident der jüngeren Geschichte verkörpert den Wechsel von Triumph zu Niederlage so klar wie Hannelore Kraft. Die SPD-Politikerin übernahm 2010 das Amt, als die CDU-FDP-Koalition unter Jürgen Rüttgers über eine Spendenaffäre stolperte. Bei der Neuwahl am 9. Mai 2010 gewann die SPD mit 34,5% — die CDU verlor trotz Minuspunkten nur knapp. Kraft bildete eine Minderheitsregierung mit den Grünen, die auf Duldung der Linken angewiesen war. Dieses Konstrukt hielt genau ein Jahr: 2011 scheiterte der SPD-Haushalt im Landtag, Neuwahl war die Folge.
Die Neuwahl am 13. Mai 2012 machte Kraft zur uneingeschränkten Regierungschefin: 39,1 Prozent für die SPD — das beste NRW-Ergebnis der SPD seit Jahrzehnten. Rot-Grün mit komfortabler Mehrheit. Kraft war bundesweit auf dem Höhepunkt ihres Einflusses, wurde regelmäßig als mögliche Kanzlerkandidatin gehandelt.
Wahlabend 14. Mai 2017: Kraft tritt noch in der Nacht zurück
Am Abend des 14. Mai 2017 stand das Ergebnis früh fest: CDU unter Armin Laschet 33,0%, SPD 31,2%. Minus acht Prozentpunkte für Kraft. Noch in der gleichen Nacht gab Hannelore Kraft ihren Rücktritt als Ministerpräsidentin und Landesvorsitzende der SPD bekannt. Keine Rückzugsgefüchte, keine diplomatische Analyse — sie übernahm die volle Verantwortung sofort. Es war eine der schnellsten politischen Kapitulationen in der Nachkriegsgeschichte eines Bundeslandes. Die Niederlage hatte strukturelle Gründe: Die SPD-Bundesregierung war 2017 im Bundestrend schwach, und Kraft hatte in den letzten Jahren national weniger Profil gezeigt als geplant. Der politische Rat um Schulz auf Bundesebene zog Wähler ab, die für NRW nicht stimmten. Laschet regierte bis 2021 — um dann selbst als Bundestagswahlverlierer das Amt zu verlassen. NRW bleibt das Land, in dem Karrieren schneller beginnen und enden als anderswo.
Wer NRW regiert, regiert Deutschlands Mitte
Die NRW-MP-Liste liest sich wie ein Personenregister der deutschen Nachkriegsgeschichte: Johannes Rau (später Bundespräsident), Gerhard Schröder (wurden Bundeskanzler), Armin Laschet (CDU-Vorsitzender, knappes Kanzlerkandidaten-Scheitern 2021). NRW ist das größte Bundesland — wer es steuert, versteht die Republik. CDU-Grüne unter Wüst ist die erste schwarz-grüne Koalition in NRW-Geschichte — ein Modell, das bundesweit genau beobachtet wird: Kann der Industriestaat Ruhrgebiet auch grün? Das ist die entscheidende politische Frage der Amtszeit Wüst.
Häufige Fragen
Wer ist der Ministerpräsident von NRW?
Wie wird der Ministerpräsident von NRW gewählt?
Vom Landtag mit absoluter Mehrheit. Ab dem dritten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit.
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