Landtagswahl Schleswig-Holstein — Günther konnte sich den Partner aussuchen
Daniel Günther gewann die Landtagswahl am 8. Mai 2022 so deutlich, dass er ein Problem hatte, das andere Ministerpräsidenten gerne hätten: zu viele mögliche Koalitionspartner. 43,4 Prozent für die CDU — ein Zuwachs von elf Prozentpunkten. Ob mit Grünen, SPD oder FDP — alles wäre gegangen. Günther wählte die Grünen. Ergebnis: eine Zweidrittelmehrheit von 48 der 69 Sitze.
Schleswig-Holstein 2022
- Wahltag: 8. Mai 2022
- Nächste Wahl: Frühjahr 2027
- Sitze: 69 (20. Wahlperiode)
- Wahlkreise: 35
- Besonderheit: SSW (dänische Minderheit) von 5-%-Hürde befreit
- Wahlbeteiligung: 60,4 %
| Partei | Ergebnis | Sitze | Δ zu 2017 |
|---|---|---|---|
| CDU | 43,4 % | 34 | +11,4 % |
| Grüne | 18,3 % | 14 | +5,4 % |
| SPD | 16,0 % | 12 | −11,3 % |
| FDP | 6,4 % | 5 | −5,0 % |
| SSW | 5,7 % | 4 | +2,4 % |
| AfD | 4,4 % | 0 | −1,5 % |
Die SPD erlebte ein Debakel: Minus 11 Punkte, historisches Tief. Die AfD flog mit 4,4 Prozent aus dem Landtag — in Schleswig-Holstein hat die Partei kaum Fuß gefasst. Und der SSW, die Partei der dänischen und friesischen Minderheiten, holte fast sechs Prozent — ein Einzigartigkeit im deutschen Parteiensystem.
Die Barschel-Affäre und der lange Weg zur Normalität
Schleswig-Holsteins dunkelste Stunde war 1987: Die Barschel-Affäre, einer der größten politischen Skandale der Bundesrepublik. Danach regierten SPD-Koalitionen, mit Heide Simonis als erster Ministerpräsidentin eines Bundeslandes (1993–2005). Günthers CDU hat das Trauma überwunden — mit einem Stil, der das Gegenteil von Barschel ist: transparent, kooperativ, unspektakulär.
Barschel 1987: Der Tod im Genfer Hotelzimmer
11. Oktober 1987. Uwe Barschel (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, wird im Badezimmer seines Hotelzimmers im Genfer Hotel Beau-Rivage tot aufgefunden — bekleidet, in der Badewanne. Kurz zuvor hatte er in einer Pressekonferenz sein „Ehrenwort“ gegeben, keine schmutzigen Tricks gegen den SPD-Gegenkandidaten Björn Engholm gespielt zu haben. Das war gelogen. Sein Mitarbeiter Reiner Pfeiffer hatte Engholm bespitzeln lassen. Barschel war bereits zurückgetreten. Die Todesursache blieb nie vollständig geklärt — Selbstmord oder Mord? Die Akten sind noch heute teilweise gesperrt. Der Fall Barschel gehört zu den ungelösten politischen Geheimnissen der Bundesrepublik. Und er erklärt, warum die CDU in Schleswig-Holstein erst Jahrzehnte später wieder zur dominierenden Kraft wurde.
SPD-Straße: Heide Simonis und das Nachkarten von 2005
Nach Barschel übernahm die SPD das Land — und blieb, bis Günthers Vorgänger Peter Harry Carstensen 2005 gewann. Die SPD-Ära gipfelte in Heide Simonis (1993–2005), der ersten Ministerpräsidentin eines deutschen Bundeslandes. Simonis war bekannt für direkte Sprache und eine starke Präsenz, die weit über Schleswig-Holstein hinaus Anerkennung fand. Ihr Ende war politisch bitter: Bei der Wahl 2005 gab es ein 35:35-Patt zwischen Rot-Grün und Schwarz-FDP. Die SSW-Stimmen sollten für Simonis reichen — aber ein Abgeordneter aus dem eigenen Lager stimmte viermal geheim gegen sie. Simonis trat zurück, ohne je zu wissen, wer sie verraten hatte. Es ist einer der mysteriösesten Momente der deutschen Nachkriegsparlamentarismus.
Ausblick: Frühjahr 2027
Günther genießt die höchsten Beliebtheitswerte aller Ministerpräsidenten. Ein dritter Wahlsieg gilt als wahrscheinlich. Die Frage ist eher, ob er danach noch in der Landespolitik bleibt — oder ob Berlin ruft.
1946: Die ersten Landtagswahlen – Demokratie beginnt von unten
Noch vor der Gründung der Bundesrepublik fanden die ersten demokratischen Wahlen im Nachkriegsdeutschland statt: Die alliierten Besatzungsmächte erlaubten 1946 Landtagswahlen. Bayern: 1. Dezember 1946, CSU 52 Prozent. Württemberg-Baden: 24. November 1946. Die Alliierten wollten demokratische Strukturen von unten aufbauen. Das Modell war erfolgreich: Als 1949 die Bundesrepublik gegründet wurde, hatten bereits alle Westzonen funktionierende Landesparlamente. Föderalismus war nicht die Erfindung des Grundgesetzes – er war seine Voraussetzung.
Häufige Fragen
Wann ist die nächste Wahl?
Frühjahr 2027.
Was ist die Besonderheit beim SSW?
Der SSW als Minderheitenpartei ist von der Fünfprozenthürde befreit.
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