Methodik — So berechnen wir den Umfrage-Mittelwert
Wahlumfragen messen keine Wahrheit — sie schätzen eine Wahrscheinlichkeit. Kein einzelnes Institut hat die perfekte Methode. Deshalb aggregieren wir: Aus den Erhebungen aller acht großen deutschen Demoskopie-Institute berechnen wir täglich einen robusten Mittelwert, der institutsspezifische Verzerrungen herausgleicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Wir verwenden die jüngste Erhebung jedes Instituts (max. 30 Tage alt)
- Pro Institut zählt genau eine Umfrage — keine Doppelung durch häufig publizierende Institute
- Der Aggregationswert ist ein ungewichteter Durchschnitt aller verfügbaren Institutswerte
- Daten werden täglich automatisch aktualisiert
Schritt 1: Datenerhebung
Grundlage sind die offiziell veröffentlichten Sonntagsfrage-Ergebnisse der acht Institute, die regelmäßig im Auftrag großer deutscher Medien erheben: Forsa (RTL/stern), INSA (Bild), Infratest dimap (ARD/WDR), Forschungsgruppe Wahlen (ZDF), Allensbach (FAZ), GMS (SAT.1), Ipsos und YouGov.
Datenquelle ist primär wahlrecht.de sowie DAWUM, ergänzt durch direkte Veröffentlichungen der Institute. Neue Werte werden in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Publikation integriert.
Schritt 2: Auswahl der Einzelwerte
Pro Institut verwenden wir ausschließlich die aktuellste verfügbare Erhebung. Mehrere Erhebungen desselben Instituts innerhalb eines Zeitraums zählen als eine. Damit verhindern wir, dass Institute, die wöchentlich publizieren (z. B. Forsa, INSA), den Aggregationswert dominieren gegenüber solchen, die nur monatlich erheben (z. B. Allensbach).
Umfragen, die älter als 30 Tage sind, werden aus der Aggregation ausgeschlossen, da sie die aktuelle Stimmungslage nicht mehr zuverlässig abbilden.
Schritt 3: Berechnung des Mittelwerts
Der Aggregationswert ist ein einfacher (ungewichteter) Durchschnitt der Prozentwerte pro Partei über alle einbezogenen Institute. Wir gewichten bewusst nicht nach Stichprobengröße oder historischer Treffsicherheit des Instituts — aus zwei Gründen:
- Die Treffsicherheit eines Instituts bei vergangenen Wahlen ist kein zuverlässiger Indikator für die Genauigkeit bei einer zukünftigen Wahl.
- Unterschiedliche Gewichtungen würden Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Modells reduzieren.
Beispiel: Berechnung für CDU/CSU (vereinfacht)
Wenn die vier jüngsten Institutswerte für CDU/CSU lauten: Forsa 28%, INSA 30%, Infratest 27%, YouGov 29%, ergibt sich: (28+30+27+29) ÷ 4 = 28,5% als Aggregationswert.
Schritt 4: Trend-Berechnung
Trendpfeile (▲▼) zeigen die Richtung der Stimmungsveränderung über die letzten drei bis sieben Erhebungen im Vergleich zu den drei bis acht Erhebungen davor. Ein Pfeile setzt eine Veränderung von mindestens 0,3 Prozentpunkten voraus — kleinere Schwankungen gelten als Rauschen und werden als stabil (●) dargestellt.
Fehlertoleranz & Grenzen
Auch der Aggregationswert ist kein Wahlergebnis. Er bleibt eine Schätzung mit einer statistischen Fehlertoleranz. Für den typischen Stichprobenumfang der beteiligten Institute gilt:
| Stichprobengröße | Fehlertoleranz (95%-KI) |
|---|---|
| 500 Befragte | ±4,4 Prozentpunkte |
| 1.000 Befragte | ±3,1 Prozentpunkte |
| 2.000 Befragte | ±2,2 Prozentpunkte |
| 3.000 Befragte | ±1,8 Prozentpunkte |
Wichtig: Die Fehlertoleranz gilt für jeden Einzelwert. Durch die Aggregation mehrerer unabhängiger Erhebungen reduziert sich die Gesamtunsicherheit weiter — bei acht Instituten deutlich mehr als bei einem einzelnen Wert.
Methodische Unterschiede der Institute
Die Erhebungsmethode beeinflusst die Ergebnisse. Die wichtigsten Unterschiede:
| Methode | Institute | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| CATI (Telefon) | Forsa, Infratest dimap, Forschungsgruppe Wahlen, GMS | Hohe Erreichbarkeit älterer Bevölkerungsgruppen | Sinkende Antwortquoten, teurer |
| CAWI (Online) | INSA, YouGov, Ipsos | Schnell, kostengünstig, große Stichproben möglich | Überrepräsentation jüngerer, digital affiner Gruppen |
| Face-to-face | Allensbach | Geringere soziale Erwünschtheit, hohe Datenqualität | Zeitaufwändig, seltenere Erhebungen |
Alle Institute gleichen bekannte Verzerrungen durch Gewichtungsverfahren aus (Alter, Geschlecht, Bildung, regionale Verteilung). Die genauen Gewichtungsmodelle sind Betriebsgeheimnis der Institute.
Sonntagsfrage vs. Wahlprognose
Die Sonntagsfrage lautet: "Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welche Partei würden Sie wählen?" Sie misst die aktuelle politische Stimmung — keine Wahlabsicht im engeren Sinne und keine Prognose für einen zukünftigen Wahltermin. Je weiter der tatsächliche Wahltermin entfernt ist, desto geringer ist die Vorhersagekraft für das finale Ergebnis.