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Wahlabend der Bundestagswahl 2021 mit Ergebnissen im Fernsehen

Bundestagswahl 2021 — Ergebnis und Analyse

Key-Facts: Bundestagswahl 2021

  • Datum: 26. September 2021
  • Wahlberechtigte: ca. 61,2 Millionen
  • Wahlbeteiligung: 76,6%
  • Stärkste Kraft: SPD mit 25,7%
  • Bundeskanzler: Olaf Scholz (SPD)
  • Koalition: SPD + Grüne + FDP (Ampel)
  • Sitze im Bundestag: 736 (Rekord)

Die Bundestagswahl am 26. September 2021 beendete die Ära Merkel und leitete einen politischen Umbruch ein. Die SPD unter Olaf Scholz gewann mit 25,7% knapp vor der CDU/CSU unter Armin Laschet (24,1%). Es war das schlechteste Unionsergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik. Am Ende bildeten SPD, Grüne und FDP die erste Ampel-Koalition auf Bundesebene.

Ein Fotofinish, das keiner erwartet hatte. Noch im Frühsommer 2021 lagen die Grünen in den Umfragen vorne, die SPD lag bei 15%, und Armin Laschet galt als sicherer nächster Kanzler. Dann kippte alles: Baerbocks Plagiatsaffäre, Laschets Lachen in der Flutkatastrophe und Scholz’ stiller Aufstieg in den Umfragen drehten das Rennen in wenigen Wochen. Am Wahlabend trennten SPD und Union gerade einmal 1,6 Prozentpunkte — ein Ergebnis so knapp, dass beide Seiten den Regierungsauftrag für sich reklamierten.

Die Wahl fand unter besonderen Bedingungen statt: Die Corona-Pandemie prägte den Wahlkampf, ein erheblicher Anteil der Stimmen wurde per Briefwahl abgegeben, und erstmals seit 1949 trat kein amtierender Kanzler erneut als Spitzenkandidat an.

Das amtliche Endergebnis (Zweitstimmen)

ParteiZweitstimmen (%)SitzeVeränderung zu 2017
SPD25,7%206+5,2%
CDU/CSU24,1%197−8,8%
Grüne14,8%118+5,9%
FDP11,5%92+0,8%
AfD10,3%83−2,3%
Die Linke4,9%39−4,3%
SSW0,1%1neu im BT
Sonstige8,6%0

Bemerkenswerter Sonderfall: Die Linke verfehlte zwar die Fünf-Prozent-Hürde mit 4,9%, zog aber dennoch in den Bundestag ein. Der Grund: Sie gewann drei Direktmandate (in Berlin und Leipzig), wodurch die Grundmandatsklausel griff — bei mindestens drei gewonnenen Wahlkreisen werden auch die Zweitstimmen bei der Sitzverteilung berücksichtigt.

Der Wahlkampf: Ein historischer Dreikampf

Der Wahlkampf 2021 war geprägt von drei gleichwertigen Kanzlerkandidaten — ein Novum in der bundesdeutschen Geschichte. Erstmals seit 1949 trat kein amtierender Kanzler oder Vizekanzler als Favorit an. In den Umfragen lagen alle drei Bewerber zeitweise vorn, und die Führung wechselte mehrfach:

Stimmzettel und Wahlurne — Abstimmung bei der Bundestagswahl in Deutschland
Die Stimmabgabe — Herzstück der deutschen Demokratie.
  • Annalena Baerbock (Grüne): Startete im Frühjahr mit starken Umfragewerten (zeitweise 28% für die Grünen), verlor dann durch Plagiatsvorwürfe bei ihrem Buch „Jetzt“ und nachträgliche Lebenslauf-Ergänzungen an Vertrauen. Bis zur Wahl fielen die Grünen auf 14,8% zurück.
  • Armin Laschet (CDU/CSU): Wurde durch das „Lacher-Video“ beim Hochwasserbesuch in Erftstadt im Juli 2021 schwer beschädigt — während Bundespräsident Steinmeier über die Flutopfer sprach, scherzte Laschet im Hintergrund. Die Union fiel in den Umfragen von 30% auf unter 20% und erholte sich nie vollständig.
  • Olaf Scholz (SPD): Positionierte sich als solider, besonnener Krisenmanager und profitierte von den Fehlern der Konkurrenz. Die SPD stieg von 15% im Juni auf 25,7% am Wahltag — eine der größten Aufholjagden der deutschen Wahlgeschichte.

Das TV-Triell, das alles änderte

Ein Schlüsselmoment des Wahlkampfs war das erste TV-Triell am 29. August 2021 bei RTL/ntv, moderiert von Pinar Atalay und Peter Kloeppel. Über 11 Millionen Zuschauer sahen die Debatte — und die Umfragen verschoben sich danach dramatisch. Olaf Scholz galt in allen Blitzumfragen als Sieger: 36% der Zuschauer sahen ihn als überzeugendsten Kandidaten (Forsa), während Laschet auf nur 25% kam und Baerbock auf 25%.

Insgesamt fanden drei TV-Trielle statt (RTL, ARD/ZDF, ProSieben/Sat.1). In allen drei gewann Scholz die Zuschauerbewertung. Die Trielle ersetzten das traditionelle TV-Duell und trugen maßgeblich zur Wahrnehmung von Scholz als „kanzlerfähig“ bei. Politikwissenschaftler der Universität Mannheim attestierten den Triellen einen messbaren Effekt von 2–3 Prozentpunkten zugunsten der SPD (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung).

Chronologie des Dreikampfs 2021

  • April: Baerbock wird Kanzlerkandidatin — Grüne auf 28% (Rekord)
  • Mai–Juni: Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock — Grüne fallen auf 20%
  • Juli: Hochwasser-Affäre um Laschet — Union fällt auf unter 25%
  • August: SPD überholt Union in Umfragen — Scholz-Momentum
  • September: TV-Trielle bestätigen Scholz-Vorsprung — SPD gewinnt
Wahlurne in einem deutschen Wahllokal bei der Bundestagswahl
Die Bundestagswahl 2021 verzeichnete einen Rekordanteil an Briefwählern.

Die Regierungsbildung: Ampel statt Jamaika

Nach der Wahl standen zwei realistische Koalitionsoptionen im Raum: Die Ampel (SPD + Grüne + FDP) oder Jamaika (CDU/CSU + Grüne + FDP). Entscheidend waren Grüne und FDP, die in einer ungewöhnlichen gemeinsamen Erklärung signalisierten, zuerst miteinander sprechen zu wollen.

Die Sondierungsgespräche führten rasch zur Ampel. Am 24. November 2021 unterzeichneten SPD, Grüne und FDP den Koalitionsvertrag mit dem Titel „Mehr Fortschritt wagen“. Am 8. Dezember 2021 wurde Olaf Scholz zum Bundeskanzler gewählt.

Der Rekord-Bundestag: 736 Sitze

Der 20. Deutsche Bundestag umfasste 736 Abgeordnete — so viele wie nie zuvor. Ursache war das damalige Wahlrecht mit Überhangmandaten und Ausgleichsmandaten. Besonders die CDU/CSU erzeugte durch ihre vielen Direktmandate bei gleichzeitig niedrigem Zweitstimmenanteil zahlreiche Überhangmandate, die durch Ausgleichsmandate für alle anderen Parteien kompensiert werden mussten.

Die Größe des Parlaments wurde parteiübergreifend als Problem erkannt und führte zur Wahlrechtsreform 2023, die den Bundestag ab 2025 auf 630 Sitze begrenzte.

Briefwahl auf Rekordniveau

Bei der Bundestagswahl 2021 gaben 47,3% der Wähler ihre Stimme per Briefwahl ab — ein historischer Höchstwert. Bei der Wahl 2017 waren es noch 28,6% gewesen. Die Corona-Pandemie hatte den Trend zur Briefwahl massiv beschleunigt.

JahrBriefwahlanteilWahlbeteiligung
200518,7%77,7%
200921,4%70,8%
201324,3%71,5%
201728,6%76,2%
202147,3%76,6%

Wählerwanderungen

Die größten Wählerbewegungen 2021 laut infratest dimap:

  • CDU/CSU → SPD: ca. 1,4 Millionen Wähler
  • CDU/CSU → Grüne: ca. 1,0 Millionen Wähler
  • CDU/CSU → FDP: ca. 0,7 Millionen Wähler
  • Linke → SPD: ca. 0,8 Millionen Wähler
  • Nichtwähler → SPD: ca. 0,6 Millionen Wähler

Die Union verlor in alle Richtungen — an SPD, Grüne, FDP und auch an die AfD. Es war ein flächendeckender Vertrauensverlust, der vor allem dem Spitzenkandidaten Armin Laschet zugeschrieben wurde.

Die Linke und die Grundmandatsklausel

Ein besonderer Aspekt der Wahl 2021 war der Fall der Linken: Mit 4,9% verfehlte sie die Fünf-Prozent-Hürde, zog aber dennoch mit 39 Sitzen in den Bundestag ein. Möglich machte dies die Grundmandatsklausel: Gewinnt eine Partei mindestens drei Direktmandate, wird sie bei der Sitzverteilung nach Zweitstimmen berücksichtigt, auch wenn sie unter 5% liegt.

Die Linke gewann drei Wahlkreise direkt — Berlin-Lichtenberg (Gesine Lötzsch), Berlin-Treptow-Köpenick (Gregor Gysi) und Leipzig-Süd (Sören Pellmann). Ohne diese drei Direktmandate wäre die Linke nicht im Bundestag vertreten gewesen. Dieses Szenario verdeutlichte, wie einzelne Wahlkreise über das Schicksal einer ganzen Partei entscheiden können.

Das Ende der Ära Merkel

Die Bundestagswahl 2021 war die erste seit 2005 ohne Angela Merkel als Kanzlerkandidatin. Nach 16 Jahren im Amt — der längsten Kanzlerschaft nach Helmut Kohl (ebenfalls 16 Jahre) — hatte Merkel im Oktober 2018 angekündigt, nicht erneut zu kandidieren. Ihre Nachfolge als CDU-Vorsitzende war von innerparteilichen Kämpfen geprägt: Annegret Kramp-Karrenbauer trat nach nur 14 Monaten zurück, Armin Laschet setzte sich im Januar 2021 knapp gegen Friedrich Merz durch.

Merkels Abgang hinterließ eine Lücke, die Laschet nicht füllen konnte. In Umfragen zur Kanzlerpräferenz lag Merkel bis zum Schluss deutlich vor allen drei Kandidaten — ein Indikator dafür, dass viele Wähler die Union primär wegen Merkel und nicht wegen der Partei gewählt hatten.

Bedeutung für die deutsche Politik

Die Bundestagswahl 2021 markierte mehrere Wendepunkte: Das Ende der Ära Merkel nach 16 Jahren, die erste Dreier-Koalition auf Bundesebene seit den 1960er Jahren, den Niedergang der Union auf ein historisches Tief und die Etablierung eines fragmentierten Sechs-Parteien-Parlaments mit 736 Abgeordneten (Quelle: Bundeswahlleiter). Die Ampel-Koalition hielt letztlich nur drei Jahre — im November 2024 zerbrach sie, und im Februar 2025 fand die nächste Bundestagswahl statt.

Das Ampel-Erbe: Drei Jahre und ihre Spuren

Die aus der Bundestagswahl 2021 hervorgegangene Ampel-Koalition hinterließ ein gemischtes Erbe. Auf der Habenseite standen das 49-Euro-Ticket (später Deutschlandticket), die Kindergrundsicherung, das Heizungsgesetz (trotz aller Kontroversen) und eine historisch schnelle Energiewende nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Auf der Verlustseite standen öffentliche Koalitionsstreitigkeiten, ein dramatischer Vertrauensverlust in der Bevölkerung und das endgültige Scheitern im November 2024, als Bundeskanzler Scholz Finanzminister Lindner entließ. Die Bilanz dieser Regierung, die aus dem knappsten Wahlergebnis der deutschen Geschichte hervorging, wird Historiker noch lange beschäftigen.

17. Juli 2021: Das Lachen, das eine Wahl entschied — 413.000 Stimmen Abstand

Sieben Wochen vor der Wahl führte Armin Laschet (CDU) mit bis zu 5 Prozentpunkten. Dann kam der 17. Juli 2021: Während Bundespräsident Steinmeier in Erftstadt eine Gedenkrede für die Opfer der Ahrtal-Flutkatastrophe hielt, wurde Laschet im Hintergrund dabei fotografiert und gefilmt, wie er lachte und redete — mitten in der Traueransprache. Das Bild verbreitete sich innerhalb von Stunden millionenfach. Die Umfragen drehten. Am 26. September gewann Scholz mit 25,7% gegen Laschets 24,1% — ein Abstand von nur 1,6 Prozentpunkten, 413.000 Stimmen. Das knapps­te Wahlergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik. Eine einzige Fotografie an einem Sommernachmittag hatte einer der engsten Bundestagswahlen eine Richtung gegeben.

Armin Laschet lacht — und verliert die Wahl in Echtzeit

Ein Bild entschied die Wahl 2021 mit: Am 17. Juli, während des Besuches im Flutgebiet Erftstadt-Blessem, lächelte CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Hintergrund während Bundespräsident Steinmeier eine Ansprache hielt. Das Foto ging viral, wurde millionenfach geteilt. Laschets Zustimmungswerte sanken in den Folgewochen nie wieder auf das Niveau vor dem Bild. Die Forschung zeigt: Dieser Moment beschleunigte den SPD-Aufstieg, der schon begonnen hatte — er erklärt aber nicht das ganze Ergebnis. Die SPD unter Scholz gewann durch konsistente „Kanzler-Aura“, die Laschet nie aufbauen konnte. 25,7 % für die SPD, 24,1 % für CDU/CSU — 1,6 Prozentpunkte Differenz. Enger war es nie seit 1949.

Häufige Fragen

Wer hat die Bundestagswahl 2021 gewonnen?

Die SPD wurde mit 25,7% knapp vor der CDU/CSU (24,1%) stärkste Kraft. Olaf Scholz (SPD) wurde Bundeskanzler.

Was war die Ampel-Koalition?

Die Ampel-Koalition bestand aus SPD (rot), Grünen (grün) und FDP (gelb). Sie regierte von Dezember 2021 bis November 2024.

Wie viele Sitze hatte der 20. Bundestag?

Der 20. Deutsche Bundestag hatte 736 Sitze — so viele wie nie zuvor. Ursache waren zahlreiche Überhang- und Ausgleichsmandate.

Wie hoch war die Wahlbeteiligung 2021?

Die Wahlbeteiligung lag bei 76,6%, leicht über dem Wert von 2017 (76,2%).

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SonntagsfrageCDU/CSU24,0%SPD13,0%Grüne13,8%AfD26,3%BSW3,8%FDP3,8%Linke10,3%YouGov · 15.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik USA schicken laut Bericht weiteren Flugzeugträger und 10.000 Soldaten in den Nahen OstenWelt Politik Bürgergeldempfänger benachteiligt – „Auch in Veränderungszeiten muss es Gerechtigkeit geben“FAZ Politik China und die USA: So stark belastet der Irankrieg die Beziehung zwischen Trump und XiFAZ Politik Südafrika ernennt Botschafter: Erfahrener Verhandler soll die Beziehung zu Trump rettenWelt Politik Wahlkampf trotz Krankschreibung – SPD-Politikerin verkündet RückzugSpiegel Politik Zukunftsängste: Es ist gar nicht so leicht, ein Mensch zu sein (und zu bleiben) - MeinungFAZ Politik Paragraph gegen Hassrede: Höhere Strafe, weil der Beleidigte ein Politiker istSpiegel Politik Produkthaftung: Dieses Gesetzes-Update dürfte Verbrauchern gefallenTagesschau Warkens Sparpaket: Was auf Patienten zukommen könnteTagesschau Bund plant höhere Beamtenbesoldung - Milliardenkosten trotz Spardruck

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