Europas erstes Fusionskraftwerk entsteht in Bayern
Ein altes Atomkraftwerk wird nicht abgerissen, sondern zum Standort für die Technologie, die einmal die Kernkraft komplett ersetzen könnte — ohne deren größte Risiken. Am 26. Februar 2026 unterschrieben Bayern, RWE, Proxima Fusion und das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik eine Absichtserklärung: Europas erstes kommerzielles Fusionskraftwerk soll in Gundremmingen entstehen.
Fusion statt Fission — der entscheidende Unterschied
Bei der klassischen Kernspaltung werden schwere Atomkerne auseinandergerissen, was radioaktiven Abfall über Jahrtausende erzeugt. Bei der Kernfusion — dem Prinzip, nach dem auch die Sonne Energie erzeugt — verschmelzen stattdessen leichte Atomkerne. Kein langlebiger radioaktiver Abfall, praktisch unbegrenzt verfügbarer Brennstoff, und bei einer Störung erlischt die Reaktion einfach, statt unkontrolliert weiterzulaufen.
Die Wissenschaft: Wendelstein 7-X
Die Grundlage liegt beim Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, das seit Jahrzehnten am Stellarator-Prinzip forscht. Im Mai 2025 überschritt der Forschungsreaktor Wendelstein 7-X bei einem andauernden Plasma-Experiment die besten bekannten Werte konkurrierender Reaktorbauweisen weltweit (IPP). Proxima Fusion ist eine Ausgründung genau aus diesem Umfeld.
Der Plan: Alpha, dann Stellaris
Zwei Schritte: Zuerst der Demonstrator Alpha in Garching bei München, der die technische Machbarkeit im industriellen Maßstab zeigen soll. Danach das eigentliche Kraftwerk Stellaris in Gundremmingen, auf dem Gelände des alten Atomkraftwerks (Proxima Fusion). Finanzierung: rund 20 % privates Kapital, 20 % mögliche bayerische Staatsbeteiligung, im Juli 2026 zusätzlich 25 Mio. € von RWE (RWE). Insgesamt bereits 411 Mio. € privates Kapital eingesammelt (Max-Planck-Gesellschaft). Offen: eine Bundesförderung von 1,2 Mrd. € für Alpha, bislang nicht zugesagt.
Anders als Wind und Solar wäre Fusionsenergie grundlastfähig — verlässlich rund um die Uhr, unabhängig vom Wetter. Genau das fehlt der Energiewende bislang am meisten. Dazu kommt die geopolitische Dimension: Der Krieg zwischen den USA und dem Iran seit Ende Februar 2026 hat die Energiepreise zusätzlich getrieben. Ein Land, das seine Energie unabhängig von fossilen Importen erzeugen kann, ist weniger angreifbar — ein Argument, das in den offiziellen Stellungnahmen zum Projekt inzwischen explizit auftaucht.
Fazit
Anders als der Raketenstart oder die Roboter-Finanzierung ist dieses Projekt noch weit von einem fertigen Ergebnis entfernt — Alpha existiert nur als Plan, die Bundesförderung steht aus, und Fusionsenergie hat viele frühere Ankündigungen gesehen, die sich um Jahre verzögerten. Trotzdem: Es gibt jetzt einen konkreten Ort, einen Zeitplan mit zwei benannten Anlagen und einen etablierten Energiekonzern als Partner. Ob Gundremmingen wirklich Europas erstes kommerzielles Fusionskraftwerk wird, zeigen erst die kommenden Jahre.
Häufige Fragen
Am 26.2.2026 unterschrieben Bayern, RWE, Proxima Fusion und Max-Planck-Institut eine Absichtserklärung für Europas erstes kommerzielles Fusionskraftwerk.
Fusion erzeugt keinen langlebigen radioaktiven Abfall und kann bei Störung nicht unkontrolliert weiterlaufen.
Erst Demonstrator Alpha (Garching), dann Kraftwerk Stellaris (Gundremmingen). 1,2 Mrd. € Bundesförderung noch offen.
411 Mio. € privates Kapital bisher, plus 20 % mögliche Landesbeteiligung Bayern, 25 Mio. € von RWE.
Vom Max-Planck-Institut und dem Stellarator Wendelstein 7-X.


