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Grüne vor der SPD: Özdemir oder Lang – wer will ins Kanzleramt?
Während die Schlagzeilen der vergangenen Woche der AfD, der Linken und einem kurz wackelnden Kanzler Merz gehörten, vollzieht sich bei den Grünen eine leisere, aber bemerkenswerte Verschiebung: Sie liegen aktuell mit 14,7 % bundesweit vor der SPD (13,1 %) – ein Plus von rund drei Prozentpunkten gegenüber ihrem Bundestagswahl-Ergebnis 2025 (11,6 %) und fast wieder auf dem Niveau ihres bisherigen Rekords von 14,8 % aus dem Jahr 2021.
Der Aufsteiger: Cem Özdemir
Özdemir, 1965 in Bad Urach geboren, ist eines der bekanntesten Gesichter der Partei: erster Bundestagsabgeordneter türkischer Herkunft (1994), zweimal Bundesvorsitzender (2008–2013, 2013–2018), Bundeslandwirtschaftsminister in der Ampelkoalition (2021–2025). Für die Bundestagswahl 2025 zog er sich zurück, um die Landtagswahl in Baden-Württemberg vorzubereiten – und gewann sie am 8. März 2026 mit 30,2 %, knapp vor der CDU (29,7 %). Seit 13. Mai 2026 ist er Ministerpräsident, führt Schwarz-Grün mit vertauschten Vorzeichen. Eine INSA-Umfrage im März 2026 setzte ihn auf Platz zwei der beliebtesten Politiker Deutschlands, weit vor jedem anderen Grünen.
Die Zurückgetretene: Ricarda Lang
Lang, Jahrgang 1994, führte die Grünen von Januar 2022 bis November 2024 gemeinsam mit Omid Nouripour. Der Rücktritt im September 2024 folgte auf eine Serie von Wahlniederlagen – nicht, wie oft angenommen, direkt auf das Ende der Ampel, das erst später kam. Seither ist Lang einfache Bundestagsabgeordnete ohne Partei- oder Regierungsamt. Im April 2026 sorgte sie noch einmal für Aufmerksamkeit, allerdings sportlich: mit ihrem ersten Halbmarathon in Hannover.
Aktuell führen weder Özdemir noch Lang die Bundespartei – das tun seit Herbst 2024 Franziska Brantner und Felix Banaszak. Für eine künftige Kanzlerkandidatur spricht bei Özdemir vor allem: ein laufendes Regierungsamt, ein realer Wahlsieg gegen die CDU und Umfragewerte, die weit über die eigene Partei hinausreichen. Lang bleibt jung und medienerfahren, aber ohne aktuelle Bühne. Einschätzung dieser Analyse: Özdemir liegt vorne — nicht als Tatsache, sondern als begründete Prognose.
Die Grünen wachsen leise, während andere laut streiten — und irgendwann wird aus dieser leisen Verschiebung eine sehr laute Frage.
Häufige Fragen
Ja, Stand 25. September 2026: 14,7 % gegen 13,1 %, aggregiert aus mehreren Instituten.
Ehemaliger Bundeslandwirtschaftsminister, seit 13. Mai 2026 Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
Nein. Cansu Özdemir ist Bundestagsabgeordnete der Linken aus Hamburg — eine komplett andere Person, nur der Nachname ist identisch.
War von 2022 bis 2024 Bundesvorsitzende der Grünen, seither einfache Bundestagsabgeordnete.
Laut dieser Einschätzung Özdemir — dank Regierungsamt, Wahlsieg und parteiübergreifender Beliebtheit. Eine journalistische Einschätzung, keine offizielle Verlautbarung.


