Energiepreise und Iran-Konflikt — Wie die Koalition unter Druck gerät
Key-Facts: Energiekrise & Koalitionsdruck 2026
- 58 % der Deutschen sehen hohe Energiepreise als großes persönliches Problem (ZDF-Politbarometer, März 2026)
- 80 % kritisieren: Bundesregierung tut zu wenig gegen Preisanstieg
- Wachstumsprognose 2026: von 1,3 % auf 0,6 % halbiert
- Ursache: Iran-Konflikt verteuert Erdöl und Gas global
- Maßnahme: Gaslagerpauschale (3,4 Mrd. EUR/Jahr) aus Klimafonds
- Politische Wirkung: CDU/CSU + SPD zusammen nur 38 % in der Sonntagsfrage
58 Prozent der Deutschen beschreiben steigende Energiepreise als großes persönliches Problem. 80 Prozent kritisieren, dass die Bundesregierung zu wenig dagegen tut. Diese Zahlen aus dem ZDF-Politbarometer vom März 2026 zeigen: Die Energiekrise hat sich von einem wirtschaftlichen in ein politisches Problem verwandelt — und die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz trägt dafür die politische Verantwortung, egal wie wenig sie direkt kontrollieren kann.
Der Iran-Konflikt als externer Schock
Der Iran-Konflikt hat die globalen Energiemärkte destabilisiert. Steigende Ölpreise verteuern in Deutschland direkt Benzin und Diesel, mittelbar aber auch Strom und Gas, da Gaskraftwerke einen erheblichen Teil der deutschen Stromerzeugung ausmachen. Für eine Volkswirtschaft, die nach der Energiewende noch immer auf Importe angewiesen ist, sind geopolitische Schocks dieser Art besonders hart.
Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für Deutschland 2026 von 1,3 auf 0,6 Prozent halbiert — eine Halbierung, die direkt mit dem Energiepreisschock zusammenhängt. Für Unternehmen, die noch immer mit höheren Produktionskosten als ihre internationalen Wettbewerber kämpfen, bedeutet das: Investitionszurückhaltung, Stellenabbau, Verlagerungsdrücke.
Was die Bundesregierung tut — und warum es nicht reicht
Die Bundesregierung hat im März 2026 ein Maßnahmenpaket gegen den Kraftstoffpreisanstieg debattiert. Konkret umgesetzt: Eine Gaslagerpauschale aus dem Klima- und Transformationsfonds (3,4 Milliarden Euro jährlich), die die Kosten für die Gaslagerhaltung subventioniert und indirekt Preisdruck dämpfen soll.
Aber: Subventionen für Gaslager lösen das Problem nicht, das die Menschen an der Tankstelle und beim Heizen spüren. Ein direktes Preisentlastungsprogramm — etwa in Form einer temporären Steuersenkung auf Kraftstoffe — ließ sich in der Koalition bisher nicht durchsetzen. CDU/CSU und SPD sind sich über die Finanzierung uneinig. Das Ergebnis: Nichts Entscheidendes passiert, und 80 Prozent der Bevölkerung nehmen genau das wahr.
Die politischen Nutznießer der Krise
Wer profitiert von der Unzufriedenheit? Hauptsächlich die AfD, die in Umfragen gleichauf mit der Union liegt. Die AfD verbindet ihre Kritik an den Energiepreisen mit ihrer allgemeinen Russland- und Ukraine-Kriegsskepsis — und suggeriert, dass eine frühere Einigung hätte Energie günstiger halten können. Diese Argumentation ist stark vereinfacht, zündet aber bei einem Teil der Wählerschaft, die ihre persönlichen Kosten direkt spuürt.
Auch die Linke und die Grünen nutzen die Krise: Die Linke fordert staatliche Preiskontrollen, die Grünen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien als strukturelle Lösung. Beide Argumente haben ihre Logik, erreichen aber unterschiedliche Wählerschichten.
Was wäre die richtige Politik?
Ökonomen sind sich uneinig. Kurzfristige Steuersenkungen auf Kraftstoffe helfen schnell, kosten aber viel und ändern nichts strukturell. Investitionen in erneuerbare Energien helfen langfristig, aber nicht an der Tankstelle diesen Monat. Gezielte Transfers an Haushalte mit niedrigem Einkommen (Energiegeld) gelten als effizient und sozial treffsicher — wurden in Deutschland aber bisher nicht als Dauerprogramm eingerichtet.
Die Koalition steckt in einem politischen Dilemma: Jede sichtbare Maßnahme kostet Geld, das nicht vorhanden ist (Schuldenbremse). Keine Maßnahme kostet Wählervertrauen — das ist noch knapper.
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Häufige Fragen
Warum steigen die Energiepreise in Deutschland 2026?
Der Iran-Konflikt hat die globalen Erdöl- und Gaspreise erheblich verteuert. Deutschland importiert einen großen Teil seines Energiebedarfs, weshalb geopolitische Konflikte direkte Auswirkungen auf Strom- und Gaspreise haben.
Wie reagiert die Bundesregierung auf die Energiepreiskrise?
Die Bundesregierung hat eine Gaslagerpauschale aus dem Klima- und Transformationsfonds finanziert (3,4 Mrd. EUR p.a.) und debattiert weitere Maßnahmen gegen den Kraftstoffpreisanstieg. 80 Prozent der Deutschen bewerten diese Maßnahmen als unzureichend.
Wie stark ist die Wirtschaft 2026 betroffen?
Wirtschaftsinstitute haben die Wachstumsprognose für Deutschland 2026 von 1,3 auf 0,6 Prozent halbiert. Als Hauptgründe werden steigende Energiepreise infolge des Iran-Konflikts und strukturelle wirtschaftliche Schwäche genannt.
Profitiert die AfD von der Energiepreiskrise?
Ja. Die AfD nutzt die Unzufriedenheit mit der Regierungsreaktion auf steigende Energiepreise politisch und liegt in Umfragen gleichauf mit der Union bei 25–26 Prozent. Allgemeine Unzufriedenheit mit der Wirtschaftspolitik ist ein Haupttreiber des AfD-Zulaufs.