Ehrenfeld, Nippes, Chorweiler: Wahlkreis 137 – Kölns sozialer Kompass
In Köln III liegt nur ein knapper Prozentpunkt zwischen SPD und CDU: 26,8 zu 26,4 Prozent. Das klingt nach Gleichstand – und doch ist dieser Wahlkreis der einzige in Köln, den die SPD sowohl 2017 als auch 2021 gehalten hat. Das Geheimnis liegt in der Sozialstruktur.
Key-Facts: Wahlkreis 137
- Wahlkreis-Nr.: 137
- Name: Köln III
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Stadtteile: Ehrenfeld, Nippes, Chorweiler, Bilderstoeckchen, Ossendorf
- Gewinner 2025: SPD | 2021: SPD | 2017: SPD
- Besonderheit: Einziger stabiler SPD-Wahlkreis Kölns
Ehrenfeld: Vom Arbeiterviertel zum Hipster-Magnet
Ehrenfeld hat eine der rasantesten Transformationen Kölns durchgemacht. Noch in den 1990er-Jahren war der Stadtteil als problematisch verschrien: leerststehende Fabriken, hohe Kriminalität, billiger Wohnraum. Genau dieser billige Wohnraum zog Künstler, Musiker und Gastronomen an. Heute gilt Ehrenfeld als kreatives Herz Kölns – mit der Heliosstraße als Kulturmeile, Street-Art an jeder Ecke und einer Café-Dichte, die Prenzlauer Berg Konkurrenz macht. Politisch profitieren davon vor allem die Grünen, aber auch die SPD hält sich über die vielen Mieter und jungen Familien.
Nippes: Kölns gemütliche Mitte
Nippes ist das, was Stadtplaner als „funktionierendes Viertel“ bezeichnen: gute Durchmischung, aktives Vereinsleben, Wochenmarkt auf dem Wilhelmplatz. Der Stadtteil ist weder reich noch arm, weder hip noch verschlafen. Diese Normalität macht Nippes zum politischen Mittelpunkt des Wahlkreises: Hier werden keine Extrempositionen belohnt, sondern solide Sacharbeit.
Chorweiler: Die andere Realität
Nur wenige Kilometer nördlich von Nippes ändert sich das Bild radikal. Chorweiler, eine Großsiedlung der 1970er-Jahre, ist einer der bekanntesten sozialen Brennpunkte Kölns. Hochhäuser mit bis zu 30 Stockwerken, eine Arbeitslosenquote weit über dem Stadtdurchschnitt, ein Migrationsanteil von über 60 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt hier bei unter 50 Prozent – deutlich unter dem Kölner Schnitt von rund 75 Prozent. Wer hier lebt, fühlt sich von der Politik oft nicht angesprochen.
| Partei | Erststimmen 2025 | Rang |
|---|---|---|
| SPD | 26,8 % | 1 – Direktmandat |
| CDU | 26,4 % | 2 |
| Grüne | 14,6 % | 3 |
| AfD | 12,2 % | 4 |
| FDP | 5,4 % | 5 |
| Linke | 4,8 % | 6 |
| Sonstige | 9,8 % | – |
Die soziale Bandbreite als Schlüssel
Köln III ist Kölns ehrlichster Wahlkreis. Weder das Geld von Lindenthal noch die Touristenmassen der Altstadt verzerren das Bild. Stattdessen zeigt sich hier, wie eine Großstadt tatsächlich funktioniert: mit Kreativen und Arbeitslosen, mit Alteingesessenen und Zugezogenen, mit S-Bahn-Pendlern und Hartz-IV-Empfängern. Dass die SPD hier gewinnt, liegt weniger an Begeisterung als an Arithmetik: Die CDU-freundlichen Milieus sind zu klein, die Grünen zu stark für eine CDU-Mehrheit.
Lage des Wahlkreises
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1998: SPD-Erdrutsch – 255 Direktmandate, CDU nur 119
Die Bundestagswahl 1998 war ein historischer Machtwechsel: Gerhard Schröder führte die SPD zu 40,9 Prozent – dem besten Ergebnis seit 1980. Die SPD gewann 255 Direktmandate – CDU/CSU nur 119. In NRW, Hamburg, Bremen und Berlin wurden ganze Wahlkreis-Reihen rot. Helmut Kohls 16-jährige Kanzlerschaft endete. Die Wahlkreiskarte zeigte: Selbst konservative Regionen wie Aachen und Reutlingen wechselten zur SPD. Die Grünen wurden Juniorpartner – mit 6,7 Prozent und 8 Direktmandaten. Erstmals regierte eine Rot-Grüne Bundesregierung.
Häufige Fragen
Warum ist Köln III der einzige stabile SPD-Wahlkreis in Köln?
Köln III hat mit Chorweiler und Teilen von Nippes einen hohen Anteil an sozialem Wohnungsbau. Die Arbeitslosenquote liegt über dem Stadtdurchschnitt. Diese soziale Struktur ist klassisches SPD-Terrain – auch 2017 ging der Wahlkreis an die SPD, als einziger in Köln.
Was ist Chorweiler?
Chorweiler ist eine in den 1970er-Jahren errichtete Großsiedlung im Kölner Norden mit rund 13.000 Einwohnern. Die Hochhaussiedlung gilt als sozialer Brennpunkt. Gleichzeitig laufen seit Jahren Sanierungsprogramme.
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