Wahlkreis 128: Düsseldorf I – Landeshauptstadt zwischen Luxusmeile und Medienhafen
Key-Facts: Wahlkreis 128
- Wahlkreis-Nr.: 128
- Name: Düsseldorf I
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Gebiete: Nördliche Stadtteile, Altstadt, Kaiserswerth, Pempelfort, Golzheim
- Gewinner BTW 2025: CDU (Direktmandat)
- Besonderheit: Größte japanische Community Europas
31,4 Prozent für die CDU, 24,6 Prozent für die SPD – bei der Bundestagswahl 2025 holte sich die CDU das Direktmandat in Düsseldorf I zurück, das 2021 noch an die SPD gegangen war. Der Wahlkreis 128 umfasst die nördlichen Stadtteile der Landeshauptstadt: von der weltberühmten Königsallee über die Altstadt bis zum beschaulichen Kaiserswerth am Rhein.
Düsseldorf ist nicht Köln, nicht das Ruhrgebiet, nicht das Bergische Land – es ist eine eigene politische Welt. Die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens hat eine andere DNA als die Nachbarstädte: Hier sitzt die Landesregierung, hier haben internationale Konzerne ihre Deutschlandzentralen, hier trifft rheinische Leichtigkeit auf wirtschaftliche Ambition.
Die Königsallee und das Selbstverständnis einer Stadt
Die Kö ist mehr als eine Einkaufsstraße. Sie ist das Symbol für ein Düsseldorf, das sich als Wirtschaftsmetropole versteht. Entlang des Stadtgrabens reihen sich Luxusboutiquen, Bankfilialen und Anwaltskanzleien aneinander. Dieses Selbstverständnis prägt auch das Wahlverhalten: Die CDU profitiert hier vom bürgerlich-liberalen Milieu, das wirtschaftliche Stabilität über sozialpolitische Experimente stellt. Die FDP erreicht in Düsseldorf traditionell überdurchschnittliche Ergebnisse.
Kaiserswerth: Dorfidylle in der Großstadt
Am nördlichen Rand des Wahlkreises liegt Kaiserswerth – ein Stadtteil, der mit seinen Kopfsteinpflasterstraßen, der Kaiserpfalz-Ruine und den historischen Fachwerkhäusern wirkt, als gehöre er in eine andere Zeit. Kaiserswerth ist einer der wohlhabendsten Stadtteile Düsseldorfs und wählt verlässlich konservativ. Die Theodor-Fliedner-Stiftung, gegründet 1836, ist hier noch immer einer der größten Arbeitgeber.
Japanisches Düsseldorf – eine europäische Besonderheit
Was viele außerhalb NRWs nicht wissen: Düsseldorf beherbergt mit rund 8.400 japanischen Staatsbürgern die größte japanische Gemeinde Europas. Die Immermannstraße im Herzen des Wahlkreises ist das Zentrum dieser Community – mit authentischen Ramen-Restaurants, einem japanischen Buchladen und Lebensmittelgeschäften. Der jährliche Japan-Tag zieht über 700.000 Besucher an. Politisch ist die japanische Präsenz vor allem ein Wirtschaftsfaktor: Rund 400 japanische Unternehmen haben sich in Düsseldorf niedergelassen.
| Partei | Erststimmen 2025 | Veränderung zu 2021 |
|---|---|---|
| CDU | 31,4 % | +4,8 |
| SPD | 24,6 % | −2,1 |
| Grüne | 14,2 % | −1,8 |
| AfD | 10,2 % | +2,4 |
| FDP | 7,8 % | −3,6 |
| Sonstige | 11,8 % | – |
Medienhafen: Vom Industriehafen zum Kreativquartier
Der Medienhafen ist Düsseldorfs Vorzeigeprojekt der Stadtentwicklung. Wo früher Kohle und Stahl umgeschlagen wurden, stehen heute die berühmten Gehry-Bauten, Werbeagenturen und Fernsehstudios. Über 700 Unternehmen beschäftigen hier mehr als 8.000 Menschen. Politisch interessant: Die Medienhafen-Bewohner und -Beschäftigten wählen tendenziell progressiver als der Düsseldorfer Durchschnitt – die Grünen erreichen hier überdurchschnittliche 14,2 Prozent.
Warum wechselt Düsseldorf I?
2017 CDU, 2021 SPD, 2025 wieder CDU – der Wahlkreis 128 ist ein klassischer Swing-Wahlkreis. Die Erklärung liegt in der heterogenen Struktur: Wohlhabende Viertel wie Kaiserswerth und Golzheim stehen neben studentisch geprägten Quartieren in Pempelfort und der Altstadt. Kleine Verschiebungen in der Wahlbeteiligung einzelner Stadtteile können das Gesamtergebnis kippen. 2021 mobilisierte die SPD im Bundestrend stark unter Jüngeren – 2025 kehrten diese Stimmen teilweise zur CDU oder zu den Grünen zurück.
Lage des Wahlkreises
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Bei der Bundestagswahl 1994 gewann Gerhard Schröder das Direktmandat in Hannover – mit 48,2 Prozent der Erststimmen. Doch bundesweit verlor die SPD (36,4 Prozent) gegen Helmut Kohls CDU/CSU (41,5 Prozent). Schröder zog über das Direktmandat trotzdem in den Bundestag ein. Das Beispiel zeigt die Besonderheit des deutschen Wahlrechts: Ein starkes Direktmandat kann einem Kandidaten den Einzug sichern, selbst wenn die Partei bundespolitisch verliert. 1998 gewann Schröder dann die Bundestagswahl und wurde Kanzler.
Häufige Fragen
Warum wechselt Düsseldorf I so oft zwischen CDU und SPD?
Der Wahlkreis hat eine heterogene Struktur: Die wohlhabenden nördlichen Stadtteile wie Kaiserswerth tendieren zur CDU, während studentisch geprägte Viertel und die Altstadt eher SPD und Grüne wählen. Kleine Verschiebungen in der Wahlbeteiligung können daher das Ergebnis kippen.
Wie groß ist die japanische Community in Düsseldorf?
Mit rund 8.400 japanischen Staatsbürgern beherbergt Düsseldorf die größte japanische Gemeinde Europas. Die Immermannstraße ist das Zentrum mit japanischen Restaurants, Geschäften und dem jährlichen Japan-Tag, der über 700.000 Besucher anzieht.
Was macht den Medienhafen politisch relevant?
Der Medienhafen steht für den wirtschaftlichen Wandel Düsseldorfs: Von der Industriebrache zum Kreativstandort mit über 700 Unternehmen. Die dort ansässige Branche – Medien, Werbung, Architektur – wählt tendenziell progressiver als das klassische Düsseldorfer Bürgertum.
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