Wahlkreis 126: Odenwald – Hessens stille Mitte zwischen Tradition und Protest
Das Rathaus von Michelstadt ist eines der meistfotografierten Fachwerkhäuser Deutschlands – ein gotischer Bau aus dem Jahr 1484, der auf steinernen Säulen steht. Es könnte als Symbol für den gesamten Wahlkreis dienen: historisch, gut erhalten, aber nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Odenwald liegt abseits der großen Achsen – und genau das prägt auch die politische Landschaft.
Steckbrief: Wahlkreis 126
- Wahlkreis-Nr.: 126
- Bundesland: Hessen
- Städte: Erbach, Michelstadt, Bad König
- Einwohner: ~237.000
- Wahlberechtigte: ~179.000
- Gewinner 2025: CDU (34,8 %)
- Gewinner 2021: CDU
500 Millionen Jahre Erdgeschichte
Der UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald macht die geologische Vielfalt der Region erlebbar: vulkanische Formationen, Granitsteinbrüche und Tropfsteinhöhlen. Für den Tourismus ist der Geopark ein Zugpferd, für die Wirtschaft ein Standortfaktor. Die Region lebt von Forst- und Landwirtschaft, Handwerk und zunehmend vom Tagestourismus aus dem nahen Rhein-Main-Gebiet.
Elfenbein und Fachwerk
Erbach trägt den Beinamen „Elfenbeinstadt“: Graf Franz I. brachte im 18. Jahrhundert die Elfenbeinschnitzerei in den Odenwald, und bis heute wird diese Tradition gepflegt – wenn auch mit modernen Ersatzmaterialien. Das Deutsche Elfenbeinmuseum dokumentiert dieses ungewöhnliche Erbe. Michelstadt daneben setzt auf Fachwerk-Tourismus und Regionalprodukte.
Erststimmen 2025
| Partei | Erststimmen |
|---|---|
| CDU | 34,8 % |
| AfD | 18,2 % |
| SPD | 20,6 % |
| Grüne | 7,4 % |
| BSW | 6,1 % |
| FDP | 4,8 % |
| Linke | 2,4 % |
| Sonstige | 5,7 % |
Die AfD erreicht mit 18,2 % eines der höchsten Ergebnisse in Hessen. Die dünne Infrastruktur – wenig öffentlicher Nahverkehr, weite Wege, lückenhafte Breitbandversorgung – nährt das Gefühl, abgehängt zu sein. Die Grünen bleiben einstellig: Ohne Hochschulstandort fehlt das akademisch-urbane Milieu.
Lage des Wahlkreises
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1949: Die erste Bundestagswahl – 31 Millionen Wähler formen die Republik
Am 14. August 1949 wählten 31,2 Millionen Deutsche zum ersten Mal den Deutschen Bundestag. Wahlbeteiligung: 78,5 Prozent. Die CDU/CSU gewann 31,0 Prozent, SPD 29,2 Prozent, FDP 11,9 Prozent. Konrad Adenauer wurde am 15. September 1949 mit einer Stimme Mehrheit zum ersten Bundeskanzler gewählt – seiner eigenen. Die 242 Wahlkreise wurden nach Bevölkerungsstärke auf die Bundesländer verteilt. Die Direktmandate über Erststimme und die Listenplätze über Zweitstimme bildeten das Fundament des deutschen Mischwahlsystems, das bis heute gilt.
Häufige Fragen
Was ist der UNESCO Geopark Bergstraße-Odenwald?
Ein rund 3.500 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Rhein, Main und Neckar, das 500 Millionen Jahre Erdgeschichte zeigt. Seit 2004 von der UNESCO anerkannt.
Warum ist die AfD im Odenwald stark?
Ländliche Strukturschwäche, dünne Infrastruktur und das Gefühl, von der Rhein-Main-Dynamik abgekoppelt zu sein, fördern Protestwahlverhalten. Die AfD liegt hier über dem hessischen Durchschnitt.
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