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Erststimme und Zweitstimme — Was ist der Unterschied?

Bürger in der Wahlkabine — Erststimme und Zweitstimme auf dem Stimmzettel

Key-Facts

  • Erststimme: Wählt einen Kandidaten direkt im Wahlkreis (Personenwahl)
  • Zweitstimme: Wählt eine Partei und bestimmt die Sitzverteilung (Parteienwahl)
  • Wichtiger: Die Zweitstimme — sie entscheidet über die Machtverhältnisse
  • 299 Wahlkreise: In jedem gewinnt der Kandidat mit den meisten Erststimmen
  • Seit: 1953 hat jeder Wähler zwei Stimmen (vorher nur eine)

Bei jeder Bundestagswahl haben Wählerinnen und Wähler in Deutschland zwei Stimmen: die Erststimme und die Zweitstimme. Obwohl der Name es vermuten lässt, ist nicht die Erststimme die wichtigere — sondern die Zweitstimme. Sie bestimmt, wie viele Sitze jede Partei im Bundestag erhält und damit, wer die Regierung bilden kann.

Dieses System der personalisierten Verhältniswahl ist weltweit fast einzigartig. Es kombiniert die direkte Wahl von Abgeordneten (wie in Großbritannien) mit der proportionalen Vertretung aller Parteien (wie in den Niederlanden).

Die Erststimme: Ihr Kandidat vor Ort

Mit der Erststimme wählen Sie eine Person — einen Kandidaten, der in Ihrem Wahlkreis antritt. Deutschland ist in 299 Wahlkreise aufgeteilt. In jedem Wahlkreis treten mehrere Kandidaten an, und wer die meisten Erststimmen bekommt, zieht als Direktkandidat in den Bundestag ein.

Das Prinzip ist einfach: Der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt (relative Mehrheit). Es gibt keine Stichwahl. Theoretisch könnte ein Kandidat mit 20% der Stimmen gewinnen, wenn die restlichen Stimmen auf viele andere Kandidaten verteilt sind.

Beispiel: Wahlkreis 75 — Berlin-Mitte

  • Kandidat A (SPD): 28,3% → Gewonnen
  • Kandidat B (CDU): 22,1%
  • Kandidat C (Grüne): 18,7%
  • Kandidat D (Linke): 12,4%
  • Kandidat E (AfD): 9,8%
  • Weitere: 8,7%

Kandidat A zieht mit nur 28,3% als Direktkandidat in den Bundestag ein.

Die Zweitstimme: Die entscheidende Stimme

Die Zweitstimme ist die wichtigere der beiden Stimmen. Mit ihr wählen Sie keine Person, sondern die Landesliste einer Partei. Die Zweitstimmen aller Wähler im gesamten Bundesgebiet bestimmen, wie viele der (regulaer) 630 Sitze im Bundestag jede Partei erhält.

Die Verteilung erfolgt nach dem Sainte-Laguë-Verfahren. Parteien, die weniger als 5% der Zweitstimmen erhalten, bleiben bei der Sitzverteilung unberücksichtigt (5%-Hürde).

Erststimme vs. Zweitstimme im Vergleich

MerkmalErststimmeZweitstimme
Was wird gewählt?Ein Kandidat (Person)Eine Partei (Landesliste)
GeltungsbereichNur im eigenen WahlkreisBundesweit (alle Stimmen zusammen)
Wer gewinnt?Relative Mehrheit (meiste Stimmen)Proporz (Anteil an Gesamtstimmen)
Bestimmt...299 DirektmandateGesamte Sitzverteilung (630 Sitze)
WichtigkeitWeniger wichtig (lokaler Vertreter)Wichtiger (Machtverhältnisse)
5%-Hürde?Nein (jeder kann gewinnen)Ja (unter 5% keine Sitze)
Stimmensplitting?Ja — Erst- und Zweitstimme können an verschiedene Parteien gehen

Stimmensplitting: Erst- und Zweitstimme trennen

Wähler können ihre Erststimme an einen Kandidaten einer Partei und ihre Zweitstimme an eine andere Partei vergeben. Das nennt man Stimmensplitting. Etwa 20–25% der Wähler nutzen diese Möglichkeit.

Häufiges Beispiel: Ein Wähler gibt seine Erststimme dem CDU-Direktkandidaten (weil er den Kandidaten gut findet) und seine Zweitstimme der FDP (weil er eine schwarz-gelbe Koalition möchte). Die FDP profitiert von der Zweitstimme, die CDU vom Direktmandat.

Wahlrechtsreform 2023: Was sich geändert hat

Mit der Wahlrechtsreform 2023 wurde das System grundlegend verändert. Die wichtigste Änderung: Es gibt keine Überhangmandate mehr. Bis 2021 konnte eine Partei mehr Direktmandate gewinnen, als ihr nach Zweitstimmen zustanden. Das führte dazu, dass der Bundestag auf über 700 Abgeordnete anwuchs.

Seit der Reform gilt: Die Zweitstimme bestimmt absolut, wie viele Sitze eine Partei bekommt. Gewinnt eine Partei mehr Direktmandate als ihr nach Zweitstimmen zustehen, gehen die überzähligen Direktmandate an die Kandidaten mit den schwächsten Erststimmen-Ergebnissen verloren.

Reform 2023 auf einen Blick

Vorher: Überhangmandate möglich → Bundestag mit 700+ Abgeordneten

Nachher: Feste 630 Sitze → Zweitstimme bestimmt Sitzverteilung absolut

Konsequenz: Nicht jeder Wahlkreissieger zieht garantiert ein

Waehler im Wahllokal — Erststimme und Zweitstimme bei der Bundestagswahl
Im Wahllokal kreuzen Bürgerinnen und Bürger zweimal an: Erststimme für den Kandidaten, Zweitstimme für die Partei.

Wahlrechtsreform 2023: Wie zwei Stimmen plötzlich ganz anders funktionierten

Seit der Bundestagswahl 2025 gilt eine neue Regel, die das Zwei-Stimmen-System grundlegend verändert: Der Bundestag hat jetzt exakt 630 Sitze — keine Überhangmandate mehr, keine Ausgleichsmandate. Klingt technisch, hat aber dramatische Konsequenzen. In der Vergangenheit konnte die Erststimme indirekt die Gesamtgröße des Bundestags beeinflussen: Gewann eine Partei mehr Direktmandate als ihr Zweitstimmenanteil erlaubte, zog der ganze Überhang ein — plus Ausgleichsmandate für alle anderen. Das führte 2021 zu einem Bundestag mit 736 Abgeordneten. Mit der Reform galt: Wer ein Direktmandat gewinnt, aber nach Zweitstimmenschlüssel keinen Sitz hat, zieht trotzdem nicht ein. Bei der Wahl am 23. Februar 2025 traf das mehrere Kandidaten, die in ihrem Wahlkreis die meisten Erststimmen geholt hatten — und dennoch kein Mandat bekamen. Die Zweitstimme hat endgültig die Oberhand. Die erste Stimme wählt einen Kandidaten, die zweite Stimme entscheidet, ob er auch einziehen darf.

1953: Die Wahlkreise – 299 Einheiten, die Deutschland repräsentieren sollen

Deutschland ist in 299 Wahlkreise eingeteilt. Jeder Wähler wählt per Erststimme seinen Direktkandidaten. Prinzip: Gleiche Bevölkerungsgröße pro Wahlkreis (ca. 250.000 Einwohner). Problem: Durch Bevölkerungswanderung veralteten Wahlkreisgrenzen. Die Bundeswahlbehörde lößt regelmäßig neu einteilen. Letzte Neuordnung: 2021. Die Neuordnung ist politisch umkämpft: Wer die Grenzen zieht, kann das Ergebnis beeinflussen ("Gerrymandering"). In Deutschland entscheidet eine unabhängige Kommission – kein Parlament. Das reduziert politische Manipulation, eliminiert sie aber nicht.

Häufige Fragen

Was ist die Erststimme?

Mit der Erststimme wählen Sie einen Kandidaten direkt in Ihrem Wahlkreis. Wer die meisten Erststimmen hat, zieht als Direktkandidat in den Bundestag ein. Es gibt 299 Wahlkreise in Deutschland.

Was ist die Zweitstimme?

Die Zweitstimme bestimmt die Sitzverteilung im Bundestag. Sie entscheidet, wie viele der 630 Sitze jede Partei erhält und ist damit die wichtigere Stimme für die Machtverhältnisse.

Welche Stimme ist wichtiger?

Die Zweitstimme ist wichtiger. Sie bestimmt die Gesamtzusammensetzung des Bundestags und damit, welche Koalitionen möglich sind. Die Erststimme entscheidet nur, welcher Kandidat den lokalen Wahlkreis vertritt.

Kann ich Erst- und Zweitstimme verschiedenen Parteien geben?

Ja, das ist erlaubt und wird Stimmensplitting genannt. Etwa 20–25% der Wähler nutzen diese Möglichkeit.

Mehr dazu: Umfrage-Institute · Parteien im Überblick · der Bundestag

Video: Erststimme und Zweitstimme

3:14 Min · Bundestagwahlumfrage.de
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Ungarns Nähe zu Moskau: Und Orbán versprach Putin: Ich bin Dir zu DienstenFAZ Politik Elsass will mehr Rechte: Autonomie in Straßburg und ParisWelt Politik „Wir brauchen Planungssicherheit in der Reserve“Spiegel Politik News des Tages: Mario Adorf, der Zauberer. Donald Trumps Ultimatum.Welt Politik Flasche mit Aufschrift „Polonium“ bei Ostereiersuche gefunden – Ergebnis steht festSpiegel Politik Boris Pistorius: Kommunikationsdesaster und die Frage nach seiner TauglichkeitTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenFAZ Politik In Tschechien: Langjähriger Rechtsextremist Liebich gefasstWelt Politik Trump erhöht den Druck auf Europa – und fordert laut Bericht konkrete Zusagen einZDF heute Europas KI-AufholjagdSpiegel Politik München: Nach Tod von Surferin wächst Streit um Risiko am EisbachTagesschau Ein Jahr Koalitionsvertrag: Von Liebe, Brücken und Reformen
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