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Stimmabgabe bei einer Landtagswahl in München

Landtagswahlen erklärt — So wählen die Bundesländer

Key-Facts: Landtagswahlen

  • Anzahl: 16 Landesparlamente in 16 Bundesländern
  • Turnus: 5 Jahre (Ausnahme: Bremen und Hamburg 4 Jahre)
  • Sperrklausel: 5-Prozent-Hürde in allen Ländern
  • Wahlsysteme: Unterschiedlich — 1 bis 3 Stimmen je nach Land
  • Bedeutung: Bestimmen Bundesratszusammensetzung
  • Nächste Wahlen: Siehe Wahltermine 2026

Landtagswahlen bestimmen die Zusammensetzung der Landesparlamente in den 16 deutschen Bundesländern. Sie sind weit mehr als nur regionale Ereignisse: Über den Bundesrat beeinflussen die Landesregierungen direkt die Bundesgesetzgebung. Zudem gelten Landtagswahlen als wichtige Stimmungstests für die Parteien auf Bundesebene.

Landtagswahlen entscheiden nicht nur über Landespolitik — sie erschüttern Berlin. Als die AfD 2024 in Thüringen stärkste Kraft wurde, löste das in der Bundeshauptstadt eine Debatte aus, die monatelang die Schlagzeilen bestimmte. Jede Landtagswahl ist ein Seismograph für die Stimmung im Land — und manchmal auch der Vorbote eines politischen Erdbebens auf Bundesebene.

Im Gegensatz zur Bundestagswahl gibt es bei Landtagswahlen kein einheitliches Wahlsystem. Jedes Bundesland hat eigene Regeln — von der Anzahl der Stimmen über die Wahlkreiseinteilung bis hin zu den Besonderheiten bei Sperrklauseln und Ausgleichsmandaten.

Wahlsysteme im Vergleich

Die 16 Bundesländer verwenden unterschiedliche Varianten der Verhältniswahl. Die wichtigsten Unterschiede betreffen die Anzahl der Stimmen und die Berechnungsverfahren:

BundeslandStimmenLegislaturSitze (Soll)Besonderheit
Baden-Württemberg15 Jahre120Nur Erststimme, Zweitmandate über Reststimmen
Bayern25 Jahre180Offene Listen, Stimmkreise
Berlin25 Jahre130Abgeordnetenhaus
Brandenburg25 Jahre88Paritätsgesetz (gekippt)
Bremen54 Jahre83Bürgerschaft, Kumulieren & Panaschieren
Hamburg104 Jahre121Bürgerschaft, 5+5 Stimmen
Hessen25 Jahre110Klassisch, ähnlich Bundestagswahl
Mecklenburg-Vorpommern25 Jahre71Relativ kleines Parlament
Niedersachsen25 Jahre135Ähnlich Bundestagswahl
Nordrhein-Westfalen25 Jahre181Größtes Landesparlament
Rheinland-Pfalz25 Jahre101Landeslisten regional
Saarland15 Jahre51Nur Landesliste, keine Wahlkreise
Sachsen25 Jahre120Sperrklausel mit Direktmandat-Ausnahme
Sachsen-Anhalt25 Jahre83Klassisch
Schleswig-Holstein25 Jahre69SSW ohne Sperrklausel (Minderheit)
Thüringen25 Jahre88Direktmandat-Klausel

Besonders auffallend: In Bremen haben Wähler fünf Stimmen, in Hamburg sogar zehn. Dort können Stimmen auf verschiedene Kandidaten und Listen verteilt werden (Kumulieren und Panaschieren). Im Saarland hingegen gibt es gar keine Wahlkreise — gewählt wird ausschließlich über Landeslisten.

Wahlkampfveranstaltung vor einer Landtagswahl in Köln
Wahlkampf vor einer Landtagswahl: Die Ergebnisse strahlen weit über die Landesgrenzen hinaus.

Bedeutung für die Bundespolitik

Landtagswahlen haben über die Landesebene hinaus drei zentrale Auswirkungen auf die Bundespolitik:

  1. Bundesrat: Die Landesregierungen entsenden Vertreter in den Bundesrat. Ändern sich die Mehrheitsverhältnisse in einem Land, verschiebt sich möglicherweise auch die Bundesratsmehrheit — was Bundesgesetze blockieren oder ermöglichen kann.
  2. Stimmungsbarometer: Medien und Parteien werten Landtagswahlen als Test für die Zufriedenheit mit der Bundesregierung. Verluste der Regierungsparteien auf Landesebene erhöhen den Druck auf die Bundesspitze.
  3. Personalentwicklung: Ministerpräsidenten sind oft Kandidaten für Bundesämter. Wer ein großes Bundesland erfolgreich führt, wird schnell als Kanzlerkandidat gehandelt.

Wahlrecht bei Landtagswahlen

Die Grundzüge ähneln dem Bundestagswahlrecht: Wählen darf, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt und das Wahlalter erreicht hat. Allerdings gibt es zwei wichtige Unterschiede:

  • Wahlalter 16: In Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein dürfen bereits 16-Jährige an Landtagswahlen teilnehmen.
  • Wohnsitzpflicht: Man muss im jeweiligen Bundesland gemeldet sein. Die Mindest-Wohndauer variiert zwischen den Ländern.

Alle 16 Landtage im Detail-Vergleich

Die folgende Tabelle bietet einen umfassenden Überblick über alle 16 Landesparlamente mit der jeweiligen Soll-Größe, dem Wahlturnus, dem Termin der letzten Wahl und dem voraussichtlichen nächsten Wahltermin. Die Daten zeigen, wie unterschiedlich die parlamentarischen Strukturen in den Bundesländern organisiert sind — von Hamburgs kompakter Bürgerschaft mit 121 Sitzen bis zum NRW-Landtag mit 181 Mandaten.

BundeslandParlamentSitze (Soll)WahlperiodeLetzte WahlNächste Wahl
Baden-WürttembergLandtag120–1545 JahreMärz 20212026
BayernLandtag1805 JahreOktober 20232028
BerlinAbgeordnetenhaus1305 JahreFebruar 20232028
BrandenburgLandtag885 JahreSeptember 20242029
BremenBürgerschaft834 JahreMai 20232027
HamburgBürgerschaft1214 JahreMärz 20242028
HessenLandtag1105 JahreOktober 20232028
Mecklenburg-VorpommernLandtag715 JahreSeptember 20212026
NiedersachsenLandtag1355 JahreOktober 20222027
Nordrhein-WestfalenLandtag1815 JahreMai 20222027
Rheinland-PfalzLandtag1015 JahreMärz 20212026
SaarlandLandtag515 JahreMärz 20222027
SachsenLandtag1205 JahreSeptember 20242029
Sachsen-AnhaltLandtag835 JahreJuni 20212026
Schleswig-HolsteinLandtag695 JahreMai 20222027
ThüringenLandtag885 JahreSeptember 20242029

Die Tabelle verdeutlicht: Im Schnitt finden jedes Jahr zwei bis vier Landtagswahlen statt. Das bedeutet permanenten Wahlkampf — und permanenten Druck auf die Bundesparteien, sich auch auf Landesebene zu positionieren. Quelle: Bundeswahlleiter.

Wie Landtagswahlen den Bundesrat verändern

Ein oft unterschätzter Mechanismus: Jede Landtagswahl kann die Stimmverhältnisse im Bundesrat verschieben. Der Bundesrat hat 69 Stimmen, die nach Bevölkerungsgröße auf die Länder verteilt werden (3 bis 6 Stimmen pro Land). Für die Bundesgesetzgebung ist das hochrelevant: Rund 40 % aller Bundesgesetze sind zustimmungspflichtig — der Bundesrat muss ihnen zustimmen, damit sie in Kraft treten können.

Das führt zu einer Besonderheit der deutschen Politik: Die Bundesregierung braucht nicht nur eine Mehrheit im Bundestag, sondern muss sich auch im Bundesrat absichern. Wenn die Opposition in den Ländern eine Mehrheit im Bundesrat erlangt, kann sie die Bundesregierung bei wichtigen Gesetzen blockieren. Diese Konstellation gab es in der deutschen Geschichte mehrfach — und sie führte regelmaeßig zu politischen Blockaden oder zu Kompromissen im Vermittlungsausschuss.

Einwohner des LandesStimmen im BundesratBeispiele
über 7 Mio.6 StimmenNRW, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen
über 6 Mio.5 StimmenHessen
über 2 Mio.4 StimmenSachsen, Berlin, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein u.a.
unter 2 Mio.3 StimmenSaarland, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern u.a.

Ministerpräsidenten als Machtfaktor

In keinem anderen föderalen System haben Regierungschefs der Gliedstaaten so viel bundespolitischen Einfluss wie in Deutschland. Ministerpräsidenten sind nicht nur Landesväter — sie sitzen im Bundesrat, prägen die Parteiführung mit und gelten häufig als Kanzlerkandidaten. Einige Beispiele:

  • Gerhard Schröder wurde 1998 als Ministerpräsident Niedersachsens zum Kanzlerkandidaten der SPD.
  • Angela Merkel war zwar nie Ministerpräsidentin, musste sich aber gegen Ministerpräsident Edmund Stoiber (Bayern) als Kanzlerkandidatin durchsetzen.
  • Armin Laschet und Markus Söder lieferten sich 2021 als Ministerpräsidenten von NRW und Bayern einen öffentlichen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur.
  • Winfried Kretschmann (Baden-Württemberg) wurde als erster grüner Ministerpräsident zur politischen Ikone über die Parteigrenzen hinweg.

Die Landtagswahlen bestimmen also nicht nur die Landespolitik, sondern formen das Personalkarussell der Bundesparteien maßgeblich mit.

Aktuelle Koalitionen in den Bundesländern

Die Koalitionslandschaft in den Ländern ist vielfältiger als im Bund. Während auf Bundesebene traditionell nur wenige Koalitionsmodelle regieren, gibt es in den Ländern nahezu jede denkbare Farbkombination — von Schwarz-Grün in Baden-Württemberg über Kenia-Koalitionen bis hin zu Minderheitsregierungen. Auch absolute Mehrheiten für eine einzelne Partei — wie im Saarland (SPD) und in Schleswig-Holstein (CDU) — sind aktuell vertreten, was in der zunehmend fragmentierten Parteienlandschaft bemerkenswert ist.

Wahlbeteiligung bei Landtagswahlen: Das unterschätzte Demokratieproblem

Ein kritischer Aspekt der Landtagswahlen wird häufig übersehen: Die Wahlbeteiligung liegt bei Landtagswahlen systematisch 10 bis 20 Prozentpunkte unter der Bundestagswahl. Während bei Bundestagswahlen 70 bis 83 % der Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben, kommen Landtagswahlen oft nur auf 50 bis 65 %. In einzelnen Ländern — etwa Sachsen-Anhalt 2021 (60,3 %) oder Bremen 2023 (57,0 %) — blieb fast die Hälfte der Wahlberechtigten zu Hause. Das bedeutet: Landesregierungen, die über den Bundesrat die Bundesgesetzgebung mitbestimmen, werden häufig von einer deutlich schmaleren Wählerbasis legitimiert als die Bundesregierung. Politikwissenschaftler weisen darauf hin, dass die niedrigere Beteiligung bei Landtagswahlen vor allem einkommensschwache und bildungsferne Bevölkerungsgruppen betrifft — deren Interessen fließen dadurch weniger in die Landespolitik ein.

Ein Gegentrend zeichnet sich allerdings bei polarisierten Landtagswahlen ab. Die drei ostdeutschen Landtagswahlen 2024 in Sachsen, Thüringen und Brandenburg erreichten Beteiligungsraten von 72 bis 74 % — Werte, die für Landtagswahlen ungewöhnlich hoch sind. Die Mobilisierung erfolgte von beiden Seiten: AfD-Anhänger strömten an die Urnen, gleichzeitig mobilisierten die demokratischen Parteien ihre Wähler gegen einen AfD-Erfolg. In Brandenburg ging Ministerpräsident Woidke sogar so weit, seinen Rücktritt anzukündigen, falls die AfD stärkste Kraft würde — eine Strategie, die die Beteiligung auf 72,9 % trieb (2019: 61,3 %). Landtagswahlen sind also keineswegs zur Nebensache geworden — sie können unter den richtigen Umständen fast die Mobilisierungskraft einer Bundestagswahl erreichen.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, Bundeswahlleiter

22. Oktober 1990: Die ersten freien Landtagswahlen im Osten — 11 Millionen neue Wähler in 12 Tagen

Nur zwölf Tage nach der Deutschen Einheit fanden am 22. Oktober 1990 die ersten freien Landtagswahlen in den fünf neuen Bundesländern statt. Über 11 Millionen Ostdeutsche wählten zum ersten Mal frei. Das Ergebnis überraschte alle Prognosen: In vier der fünf Länder gewann die CDU massive Mehrheiten — Sachsen: 53,8%, Thüringen: 45,4%, Sachsen-Anhalt: 39,0%. Nur Brandenburg wählte mit der SPD unter Manfred Stolpe anders. Das Paradox: Die ostdeutsche CDU war bis 1989 eine Blockpartei der SED gewesen, hatte aber mit dem Westunion-Netzwerk fusioniert und profitierte nun von Helmut Kohls "Kanzlerbonus". Die Strukturen der alten SED-Blockpartei verwandelten sich in 12 Tagen in demokratische Landesverbände. Diese ersten Landtagswahlen schufen föderale Strukturen, die bis heute das politische Fundament Ostdeutschlands sind.

1969: Wahlkampf im Fernsehen – von der ersten TV-Debatte zur Social-Media-Erde

Die erste Fernsehdebatte zwischen Kanzlerkandidaten in Deutschland war 1969: Brandt vs. Barzel. Die visuelle Präsenz wurde wichtiger als Sachargumente. 1994: Kohl vs. Scharping – Kohl gewann trotz schlechter Debattenleistung. 2005: Merkel vs. Schröder – Schröder debattierte besser, verlor trotzdem. 2021: Scholz/Laschet/Baerbock-Dreier-Debatte: Scholz ruhig, Laschet lachte im falschen Moment bei Flutkatastrophe-Bericht. Das TV-Format hat seit 2015 an Bedeutung verloren: Social Media, Podcasts, TikTok konkurrieren. Wer die Plattformauswahl dominiert, prägt den Wahlkampf.

Häufige Fragen

Wie oft finden Landtagswahlen statt?

Landtagswahlen finden in den meisten Bundesländern alle fünf Jahre statt. In Bremen und Hamburg gilt eine vierjährige Legislaturperiode.

Gilt die 5-Prozent-Hürde auch bei Landtagswahlen?

Ja, in allen 16 Bundesländern gilt eine 5-Prozent-Hürde. Eine Besonderheit gibt es in Schleswig-Holstein: Der SSW (Südschleswigsche Wählerverband) ist als Partei der dänischen Minderheit von der Sperrklausel befreit.

Warum sind Landtagswahlen für die Bundespolitik wichtig?

Die Landesregierungen bestimmen die Zusammensetzung des Bundesrats, der bei vielen Bundesgesetzen zustimmen muss. Landtagswahlen werden zudem als Stimmungstest für die Bundespolitik gewertet.

Kann man bei Landtagswahlen auch Briefwahl machen?

Ja, Briefwahl ist bei allen Landtagswahlen möglich. Die Antragsfristen variieren je nach Bundesland.

SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Ungarns Nähe zu Moskau: Und Orbán versprach Putin: Ich bin Dir zu DienstenFAZ Politik Elsass will mehr Rechte: Autonomie in Straßburg und ParisWelt Politik „Wir brauchen Planungssicherheit in der Reserve“Spiegel Politik News des Tages: Mario Adorf, der Zauberer. Donald Trumps Ultimatum.Welt Politik Flasche mit Aufschrift „Polonium“ bei Ostereiersuche gefunden – Ergebnis steht festSpiegel Politik Boris Pistorius: Kommunikationsdesaster und die Frage nach seiner TauglichkeitTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenFAZ Politik In Tschechien: Langjähriger Rechtsextremist Liebich gefasstWelt Politik Trump erhöht den Druck auf Europa – und fordert laut Bericht konkrete Zusagen einZDF heute Europas KI-AufholjagdSpiegel Politik München: Nach Tod von Surferin wächst Streit um Risiko am EisbachTagesschau Ein Jahr Koalitionsvertrag: Von Liebe, Brücken und Reformen
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