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Freunde in einem Café in München diskutieren über Politik

Umfragen Landtagswahl Bayern 2023

Key-Facts

  • Wahltag: 8. Oktober 2023
  • Wahlbeteiligung: 73,3 %
  • Stärkste Kraft: CSU mit 37,0 %
  • Überraschung: Freie Wähler (15,8 %) deutlich stärker als erwartet
  • Koalition: CSU + Freie Wähler (Fortsetzung)
  • ∅ Abweichung: ca. 2,2 Prozentpunkte pro Partei

Die bayerische Landtagswahl am 8. Oktober 2023 bot eines der faszinierendsten Umfrage-Dramen der jüngeren deutschen Wahlgeschichte. Im Zentrum: Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler und stellvertretender Ministerpräsident. Die sogenannte Flugblatt-Affäre im August 2023 dominierte wochenlang die Schlagzeilen – und löste einen überraschenden Solidarisierungseffekt aus, der die Umfragelandschaft durcheinanderwirbelte.

Der Umfrage-Verlauf

Januar bis Juli 2023: Die CSU lag stabil bei 36 bis 40 Prozent. Die Freien Wähler bei 10 bis 12 Prozent. Die Grünen zwischen 14 und 17 Prozent. Die AfD bei 12 bis 14 Prozent. Die SPD bei 8 bis 10 Prozent.

August 2023 (Aiwanger-Affäre): Nach der Veröffentlichung eines antisemitischen Flugblatts aus Aiwangers Schulzeit sahen manche Beobachter die Freien Wähler im freien Fall. Doch das Gegenteil trat ein: In ländlichen bayerischen Gebieten löste die Affäre einen Solidarisierungseffekt aus. Aiwanger stellte sich als Opfer einer „Kampagne“ dar – viele Wähler folgten dieser Erzählung. Die Freien Wähler stiegen in Umfragen auf 13 bis 15 Prozent.

September/Oktober 2023: Der Trend verstetigte sich. Die letzten Umfragen sahen die Freien Wähler bei 11 bis 14 Prozent – aber das tatsächliche Ergebnis von 15,8 Prozent lag noch einmal deutlich darüber.

Ergebnis vs. letzte Umfragen

Institut CSU FW Grüne AfD SPD FDP ∅ Abw.
Infratest dimap 36 % 14 % 15 % 15 % 8 % 3 % 2,0 Pp.
Forsa 38 % 11 % 16 % 14 % 8 % 3 % 2,8 Pp.
GMS 37 % 13 % 15 % 15 % 8 % 3 % 1,8 Pp.
INSA 36 % 13 % 14 % 16 % 8 % 4 % 1,8 Pp.
Ergebnis 37,0 % 15,8 % 14,4 % 14,6 % 8,4 % 3,0 %

Die große Überraschung: Freie Wähler

Die Freien Wähler lagen am Wahltag mit 15,8 Prozent deutlich über den meisten letzten Umfragen (11 bis 14 %). Das ist eine Abweichung, die sich nicht allein durch die statistische Fehlertoleranz erklären lässt. Mehrere Faktoren kamen zusammen:

Solidarisierungseffekt: Die Flugblatt-Affäre wurde von vielen bayerischen Wählern als mediale Überreaktion wahrgenommen. Aiwanger inszenierte sich erfolgreich als „Underdog“ – ein klassischer Underdog-Effekt.

Schweigespirale: Möglicherweise gaben FW-Wähler ihre Präferenz in Umfragen seltener an, weil sie nach der Affäre soziale Missbilligung fürchteten. Am Wahltag, in der Anonymität der Wahlkabine, stimmten sie trotzdem für Aiwanger.

Last-Minute-Entscheidungen: Viele Wähler entschieden sich möglicherweise erst in den letzten Tagen, Aiwanger eine „Solidaritätsstimme“ zu geben – nach Abschluss der letzten Umfragen.

Freundinnen besprechen im Café ihre Wahlumfrage-Empfehlung
Die Bayernwahl 2023 zeigte: Politische Affären können unerwartete Solidarisierungseffekte auslösen.

AfD in Bayern: Korrekt gemessen

Im Gegensatz zu Bundestagswahlen wurde die AfD bei der Bayernwahl 2023 von den Instituten relativ genau getroffen. Mit 14,6 Prozent lag das Ergebnis im Bereich der letzten Umfragen (14 bis 16 %). Das deutet darauf hin, dass der Shy-Voter-Effekt bei der AfD regional unterschiedlich stark ausgeprägt ist – in Bayern möglicherweise geringer als im Bund.

Grüne: Erwartungsgemäß verloren

Die Grünen fielen von 17,6 Prozent (2018) auf 14,4 Prozent. Die Umfragen hatten diesen Rückgang korrekt vorhergesagt, lagen mit 14 bis 16 Prozent nahe am Ergebnis. In Bayern spiegelte sich der bundesweite Trend der Heizungsgesetz-Debatte wider.

Lehren der Bayernwahl 2023

Die Landtagswahl Bayern 2023 liefert wichtige Erkenntnisse für die Umfrageforschung:

Solidarisierungseffekte sind schwer messbar: Die Dynamik nach der Aiwanger-Affäre zeigt, dass emotionale Reaktionen auf politische Skandale die Umfragegenauigkeit verringern können.

Landtagswahlen haben eigene Dynamiken: Bayerische Wähler entscheiden anders als bei Bundestagswahlen. Regionale Faktoren (Söder, Aiwanger, ländliche vs. städtische Prägung) spielen eine größere Rolle.

Die Aggregation hilft auch hier: Der Durchschnitt aller Institute lag näher am Ergebnis als die meisten Einzelumfragen – allerdings konnte auch der Durchschnitt die Freie-Wähler-Überraschung nicht korrekt vorhersagen.

Oktober 2023: Freie Waehler trotzen allen Umfragen und verdoppeln das Erwartete

Bei der bayerischen Landtagswahl am 8. Oktober 2023 lagen die letzten Umfragen fuer die Freien Waehler bei 10–12 Prozent. Das tatsaechliche Ergebnis: 15,8 Prozent – fast sechs Punkte mehr. Parteichef Hubert Aiwanger hatte den Lehrerfoto-Skandal ueberlebt, und die Empathie-Welle seiner Anhaenger war in keiner Umfrage erfasst worden. INSA kam mit 13 Prozent noch am naechsten. Die CSU wurde mit 37,0 Prozent fast exakt getroffen (Umfragen: 36–38%). Der Fall Freie Waehler zeigte: Krisen-Emapthie-Rallyes koennen Umfragen voellig aus dem Gleichgewicht bringen.

2016: Brexit-Schock für die Demoskopie – wie alle Institute versagten

Das Brexit-Referendum 2016 war das demoskopische Desaster des Jahrzehnts: Alle Institute sagten "Remain" voraus. Ergebnis: "Leave" mit 51,9 Prozent. Analysen danach: Social-Desirability-Bias bei Leave-Wählern (ruhiges Pro-EU-Umfeld machte Brexit-Sympathie unsagbar), Unterrepräsentation bildungsferner Gruppen in Online-Panels, Unterschaetzung der Wahlbeteiligung in nordostenglichen Arbeiterstadten. Brexit lehrte die Demoskopie: Referenden sind schwerer vorherzusagen als Wahlen. In Deutschland profitierte INSA davon: Es hatte als einziges Institut Leave-Wahrscheinlichkeit angegeben.

Häufige Fragen

Wie genau waren die Umfragen vor der Landtagswahl Bayern 2023?

Die letzten Umfragen wichen im Schnitt um 2,0 bis 2,5 Prozentpunkte ab. Die CSU als stärkste Kraft wurde korrekt vorhergesagt. Die größte Abweichung betraf die Freien Wähler, die deutlich stärker abschnitten als prognostiziert.

Was war die größte Überraschung?

Die Freien Wähler mit 15,8 Prozent – deutlich stärker als die 11 bis 14 Prozent in letzten Umfragen. Die Aiwanger-Affäre löste einen unerwarteten Solidarisierungseffekt aus.

Wann fand die Landtagswahl Bayern 2023 statt?

Die Landtagswahl in Bayern fand am 8. Oktober 2023 statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 73,3 Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2018 (72,4 %).

Mehr dazu: SPD Umfragen · Erststimme und Zweitstimme · Glossar
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SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik „Wir haben Sie im Blick, Putin“ – Großbritannien jagt russische U-Boote im AtlantikFAZ Politik Menschenrechtsgruppe: Russisches Gericht stuft Memorial als extremistisch einWelt Politik Asylanträge von Syrern werden inzwischen zu 95 Prozent abgelehntWelt Politik „Eine katastrophale Nachricht für die Regierung“FAZ Politik Irankrieg: Ein gelöschter Tweet zeigt, wie fragil die Waffenruhe istSpiegel Politik CDU: Warum auf Google Maps Parteibüros plötzlich »Eierhaus« heißenFAZ Politik Liveblog Irankrieg: Starmer will enger mit Golfstaaten kooperierenTagesschau Wie kann Deutschland in der Straße von Hormus helfen?Tagesschau Wird die Pendlerpauschale erhöht?Spiegel Politik Gelsenkirchen: Katherina Reiche prüft Übernahme von Raffinerie durch umstrittenen InvestorSpiegel Politik Bundeswehr: Verteidigungsexperte verlangt Pflichtwehrübungen für Reservisten
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