Ipsos – Institut im Detail
Key-Facts
- Gründung: 1975 in Paris (Frankreich)
- Sitz Deutschland: Hamburg
- Konzern: Börsennotiert (Euronext Paris), über 18.000 Mitarbeiter weltweit
- Auftraggeber (DE): Reuters, Tageszeitungen, Unternehmen
- Methodik: Online + Telefon (Mixed Mode)
- Frequenz: Unregelmäßig, oft anlassbezogen
Ipsos ist ein Sonderfall in der deutschen Umfragelandschaft: Während die meisten hier vorgestellten Institute nationale Spezialisten sind, ist Ipsos ein globaler Marktforschungskonzern mit Hauptsitz in Paris und Niederlassungen in über 90 Ländern. In Deutschland spielt Ipsos in der politischen Meinungsforschung eine kleinere, aber wachsende Rolle.
Internationaler Hintergrund
Ipsos wurde 1975 von Didier Truchot in Paris gegründet und hat sich durch Akquisitionen zum drittgrößten Marktforschungskonzern der Welt entwickelt. Das Unternehmen ist an der Euronext Paris börsennotiert und beschäftigt über 18.000 Mitarbeiter. Der Name ist ein Akronym für „Institut de Publique Sondage d’Opinion Sociale“.
International ist Ipsos einer der wichtigsten Umfragepartner für Reuters, die Financial Times und die BBC. In den USA, Großbritannien und Frankreich gehört Ipsos zu den meistzitierten Instituten. In Deutschland ist die Präsenz in der politischen Meinungsforschung bisher geringer, wächst aber.
Methodik in Deutschland
Ipsos nutzt in Deutschland einen Mixed-Mode-Ansatz: Die Sonntagsfrage wird primär online erhoben, ergänzt durch Telefoninterviews. Die Stichprobengröße liegt typischerweise bei 1.000 bis 2.000 Befragten. Ipsos verfügt über ein eigenes Online-Panel und nutzt zusätzlich probabilistische Rekrutierungsmethoden.
Die internationale Erfahrung bringt methodische Vorteile: Ipsos kann auf globale Best Practices zurückgreifen und innovativere Befragungsmethoden einsetzen als rein nationale Institute.
House Effects und Vergleich
| Merkmal | Ipsos | YouGov | Forsa |
|---|---|---|---|
| Herkunft | Frankreich (global) | Großbritannien (global) | Deutschland |
| Methodik (DE) | Online + Telefon | Online-Panel | Telefon |
| Frequenz (DE) | Unregelmäßig | 1–2x/Monat | Wöchentlich |
| Internationale Erfahrung | 90+ Länder | 50+ Länder | Primär national |
| House Effects (DE) | Gering (wenig Daten) | Moderat | Moderat |
Aufgrund der geringeren Veröffentlichungsfrequenz in Deutschland sind die House Effects von Ipsos schwerer zu bestimmen als bei wöchentlich publizierenden Instituten. Die vorhandenen Daten deuten auf moderate, tendenziell ausgeglichene Werte hin.
Fazit
Ipsos bringt eine internationale Perspektive in die deutsche Umfragelandschaft ein. Als globaler Konzern verfügt das Institut über erhebliche methodische Ressourcen und Erfahrung aus Dutzenden Ländern. In der deutschen politischen Meinungsforschung spielt Ipsos bisher eine Nebenrolle – die aber mit steigender Veröffentlichungsfrequenz an Bedeutung gewinnen könnte. Für die Aggregation liefert Ipsos einen willkommenen zusätzlichen Datenpunkt.
2016: Ipsos versagt bei Brexit — und ändert daraufhin seine Methodik
Am 23. Juni 2016 prognostizierte Ipsos UK in seiner finalen Vorwahlumfrage einen knappen Remain-Sieg: 52 zu 48 Prozent. Das Ergebnis war das Gegenteil – Leave gewann mit exakt demselben Verhältnis 52:48. Die globale Ipsos-Gruppe initiierte daraufhin eine umfassende methodische Revision. Für Deutschland bedeutete das konkret: Ipsos Deutschland führte ab 2017 deutlich häufiger politische Umfragen durch und veröffentlichte erstmals regelmäßig eigene Bundestagswahlumfragen. Die Brexit-Katastrophe war der Geburtsmoment der Ipsos-Präsenz in der deutschen Demoskopie.
1949: Die erste Wahlumfrage Deutschlands – Elisabeth Noelle-Neumann und das Allensbach-Institut
Die erste systematische Wahlumfrage in Deutschland entstand 1947 im Auftrag der amerikanischen Besatzung. Elisabeth Noelle-Neumann gründete 1947 das Institut für Demoskopie Allensbach – bis heute das älteste Umfrageinstitut Deutschlands. Die erste Bundestagswahl 1949 wurde von Allensbach begleitet: Erste Prognose: CDU vorne. Ergebnis: CDU/CSU 31 Prozent. Die Demoskopie war noch ein Experiment. 75 Jahre später sind Wahlumfragen das wichtigste politische Barometer – mit 6 großen Instituten, wochentlicher Veröffentlichung und dem "Durchschnitt der Umfragen" als Standard-Bezugspunkt.
Häufige Fragen
Was ist Ipsos?
Ipsos ist ein französischer Marktforschungskonzern, gegründet 1975, mit Niederlassungen in über 90 Ländern. In Deutschland erstellt Ipsos politische Umfragen für verschiedene Medien, darunter Reuters.
Wie arbeitet Ipsos in Deutschland?
Ipsos nutzt einen Mix aus Online- und Telefonbefragungen. Die Sonntagsfrage wird typischerweise online erhoben, mit Stichproben von 1.000 bis 2.000 Befragten.
Für wen erstellt Ipsos in Deutschland Umfragen?
Ipsos arbeitet in Deutschland für Reuters und verschiedene Tageszeitungen. International ist Ipsos einer der wichtigsten Umfragepartner für Reuters, die Financial Times und die BBC.
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