Politikfelder

Cannabis & Drogenpolitik: Legalisierung verteidigen oder zurückdrehen?

Seit April 2024 ist Cannabis in Deutschland für Erwachsene teilweise legal. Ein historischer Schritt — und ein politisches Schlachtfeld. CDU/CSU wollen das Gesetz zurückdrehen, die Grünen wollen es ausbauen. Der Streit um Cannabis ist auch ein Streit um Staatspolitik: Verbote oder Regulierung?

Politische Debatte auf der Straße — Drogenpolitik als Gesellschaftsthema

Die Positionen im Überblick

CDU / CSU

Cannabis-Gesetz zurückdrehen — CDU/CSU haben das CanG von Beginn an abgelehnt und angekündigt, es rückgängig zu machen. Argument: Jugendschutz, Suchtprävention, Signalwirkung. Das Gesetz sei ein "Dammbruch". Medizinisches Cannabis bleibt unangetastet. Härtere Strafen für Dealer, konsequentere Strafverfolgung. Prävention stärken statt Legalisierung.

SPD

CanG verteidigen. Die SPD hat das Gesetz mitverantwortet und steht dazu. Begründung: 30 Jahre Prohibition haben nichts gebracht — Schwarzmarkt, keine Qualitätskontrolle, kriminelle Netzwerke. Regulierung schützt besser als Verbot. Säule 2 (lizenzierter Fachhandel) vorantreiben. Weiterer Fokus: Suchtprävention stärken, Beratungsangebote ausbauen.

Grüne

Vollständige Legalisierung als Ziel. Die Grünen sind die treibende Kraft hinter der Cannabis-Legalisierung in Deutschland. CanG als Anfang — Säule 2 vollständig umsetzen, lizenzierten Fachhandel ausbauen. Erlössteuer für Prävention und Suchtbehandlung nutzen. Schwarzmarkt durch Regulierung verdrängen. Drogenpolitik entkriminalisieren: auch andere Substanzen prüfen.

AfD

Cannabis-Legalisierung rückgängig machen — die AfD sieht das CanG als Symbol linker Gesellschaftspolitik. Härtere Strafen für Konsum und Besitz. Drogen sind Teil des kulturellen Zerfalls — Drogenpolitik als Kulturkampfthema. Jugendschutz habe Vorrang vor persönlicher Freiheit. Polizei brauche klare Handlungsgrundlagen statt grauer Zonen.

Linke

Vollständige Entkriminalisierung aller Drogen prüfen — die Linke geht am weitesten. Das CanG ist ein guter Anfang, aber nicht genug. Drogenkonsumenten sind Patienten, keine Kriminellen. Drogenkonsumräume ausbauen, Heroinabgabeprogramme ausweiten. Prävention und Therapie statt Strafverfolgung. Das Portugal-Modell (Entkriminalisierung aller Drogen) als Vorbild.

BSW

Gespaltene Haltung: BSW unterstützt keine weitere Ausweitung, aber plädiert auch nicht für ein pauschales Verbot. Jugendschutz als absolute Priorität. Wenn Legalisierung, dann mit strikten Kontrollen. Keine ideologische Grundsatzdebatte — pragmatisch: Was schützt Jugendliche und reduziert Schäden am besten?

Cannabis-Gesetz: Was gilt seit April 2024?

Regelung Erlaubt Verboten
Besitz in der ÖffentlichkeitBis 25gÜber 25g
Besitz zuhauseBis 50gÜber 50g
Eigener AnbauBis 3 PflanzenMehr als 3
Cannabis Social ClubsErlaubtGewinnorientiert
Verkauf in FachgeschäftenModellprojekteBundesweit noch nicht

Internationale Erfahrungen: Was lehren die Niederlande und Kanada?

Die Niederlande haben seit Jahrzehnten eine Toleranzpolitik für Cannabis-Coffeeshops — aber keine echte Legalisierung: Der Anbau blieb illegal. Das führte zum "achterbahn-Paradox": Coffeeshop-Besitzer kauften legal Kilos Kleinstmengen, aber die Lieferkette war kriminell. Kanada hat 2018 vollständig legalisiert — mit gemischten Ergebnissen: Jugendkonsum leicht gesunken, Steuereinnahmen beträchtlich, Schwarzmarkt noch nicht vollständig verdrängt. Deutschland beobachtet beide Modelle genau.

Kernunterschied auf einen Blick

Grüne und Linke wollen weiter liberalisieren. CDU und AfD wollen zurück zur Prohibition. SPD verteidigt den Status quo. BSW ist pragmatisch unentschlossen. Die entscheidende Frage bleibt: Schützt Verbot oder Regulierung Jugendliche besser vor Cannabis?

Häufige Fragen

Was hat das Cannabis-Gesetz (CanG) geändert?
Seit April 2024: Besitz bis 25g in der Öffentlichkeit straffrei, bis 50g zuhause, Anbau von 3 Pflanzen erlaubt. Cannabis Social Clubs sind möglich. Kommerzielle Abgabe in Fachgeschäften läuft als Modellprojekt.
Wollen die Parteien Cannabis wieder verbieten?
CDU/CSU und AfD wollen das CanG zurückdrehen. SPD, Grüne und Linke verteidigen es. BSW ist skeptisch gegenüber weiterer Ausweitung, aber ohne klares Verbotsvotum.
Hat die Legalisierung den Schwarzmarkt reduziert?
Zu früh zu beurteilen. Der Schwarzmarkt besteht weiter, weil kommerzielle Abgabe noch kaum läuft. Befürworter sagen: Ohne Fachhandel kein echter Wandel. Der Test steht noch aus — wenn lizenzierte Shops flächendeckend öffnen.
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