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Politikerin bei einer Rede im Bundestag

Alle Linke-Vorsitzenden — Tabelle seit Bisky und Lafontaine 2007

Key-Facts: Linke-Vorsitzende

  • Prinzip: Doppelspitze seit Gründung 2007
  • Erste Vorsitzende: Lothar Bisky & Oskar Lafontaine (2007)
  • Aktuelle Vorsitzende: Jan van Aken & Ines Schwerdtner (seit 2024)
  • Besonderheit: Quotierung — mindestens eine Frau in der Doppelspitze
  • Anzahl Doppelspitzen: 6 verschiedene Konstellationen

Sechs Doppelspitzen in 17 Jahren. Die CDU brauchte für dieselbe Anzahl an Führungswechseln 78. Die Personalrotation an der Spitze der Linken liest sich weniger wie eine Chronik geordneter Übergänge als wie ein Protokoll zentrifugaler Kräfte: Krankheit, Rücktritte aus Protest, Abwahlen nach Skandalen, eine Spaltung. Jeder Wechsel markiert einen Bruch in der Parteigeschichte.

Das Konstrukt der Doppelspitze war ursprünglich Brückenbau: ein Vorsitzender aus dem Osten, einer aus dem Westen. Später wurde es Quotierungsinstrument — mindestens eine Frau muss vertreten sein. In der Praxis zeigt die Liste vor allem eines: wie schnell der Verschleiß an der Spitze einer Partei sein kann, die sich permanent im Ausnahmezustand befindet.

Alle Doppelspitzen auf einen Blick

Zeitraum Vorsitzende/r (1) Vorsitzende/r (2) Hintergrund / Herkunft
2007–2010 Lothar Bisky Oskar Lafontaine Bisky: PDS (Ost), Lafontaine: WASG (West)
2010–2012 Gesine Lötzsch Klaus Ernst Lötzsch: PDS/Berlin, Ernst: WASG/Bayern
2012–2014 Katja Kipping Bernd Riexinger Kipping: Sachsen, Riexinger: Baden-Württemberg
2014–2019 Katja Kipping Bernd Riexinger Wiederwahl, längste Amtszeit einer Doppelspitze
2019–2022 Janine Wissler Susanne Hennig-Wellsow Wissler: Hessen, Hennig-Wellsow: Thüringen
2022–2024 Janine Wissler Martin Schirdewan Hennig-Wellsow trat zurück, Schirdewan nachrückend
seit Okt. 2024 Jan van Aken Ines Schwerdtner Neuanfang nach BSW-Abspaltung

Bisky und Lafontaine: Die Architekten (2007–2010)

Lothar Bisky war Medienwissenschaftler, Brandenburger, PDS-Vorsitzender seit 2003 — ein Vermittler, kein Lautredner. Oskar Lafontaine war in jeder Hinsicht das Gegenteil: schillernd, angriffig, bundesweit polarisierend. Die Kombination trug die Partei zu 11,9 Prozent bei der Bundestagswahl 2009. Im Januar 2010 trat Lafontaine aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Gründungsphase war vorbei, und mit ihr ging die einzige Doppelspitze, die tatsächlich als Duo funktionierte.

Lötzsch und Ernst: Zwei Jahre Gegenwind (2010–2012)

Gesine Lötzsch verfasste 2011 einen Aufsatz über „Wege zum Kommunismus“ und löste damit einen Mediensturm aus, der ihre Amtszeit überschattete. Klaus Ernst, Ex-WASG, geriet wegen seines Lebensstils in die Kritik. 2012 wurden beide abgewählt. Es war die einzige Doppelspitze, die mit einer Niederlage endete statt mit einem Rücktritt.

Kipping und Riexinger: Die längste Amtszeit (2012–2022)

Über neun Jahre, länger als jede andere Führung. Katja Kipping öffnete die Partei für neue soziale Bewegungen, für Feminismus und Klimapolitik. Bernd Riexinger hielt die Verbindung zu den Gewerkschaften. In ihre Zeit fiel der Höhepunkt — Ramelow als Ministerpräsident — und der Beginn des Niedergangs: sinkende Wahlergebnisse, immer lauterer Flügelstreit mit Wagenknecht. Kipping und Riexinger hielten die Partei zusammen, aber nicht den Frieden.

Politikerin am Rednerpult im Plenarsaal des Bundestags
Die Doppelspitze der Linken spiegelt die Quotierungstradition und die Ost-West-Struktur der Partei wider.

Wissler und Schirdewan: Im Auge des Sturms (2022–2024)

Susanne Hennig-Wellsow trat nach wenigen Monaten zurück, offiziell aus persönlichen Gründen, im Kontext von Sexismus-Debatten in der Partei. Martin Schirdewan rückte nach. Er und Janine Wissler führten die Partei durch ihre schwerste Krise — die BSW-Spaltung im Oktober 2023 und den folgenden Fraktionsverlust. Beide traten 2024 nicht erneut an.

Van Aken und Schwerdtner: Neuerfindung (seit 2024)

Ein ehemaliger UN-Biowaffeninspekteur und eine Journalistin. Jan van Aken und Ines Schwerdtner sind die Antwort auf die Frage, ob nach einer Spaltung noch genug Substanz für einen Neuanfang da ist. Weniger Flügelkampf, klarere Prioritäten: Mieten, Löhne, Klimagerechtigkeit. Die Bundestagswahl 2025 war dennoch eine ernste Niederlage: 3,8 Prozent, kein Direktmandat, nicht im 21. Bundestag. Die Partei führt ihren Neuanfang außerparlamentarisch.

2023: Martin Schirdewan und Janine Wissler scheitern – und Wagenknecht geht

Im Jahr 2023 war die Fuehrungskrise der Linken auf dem Hoehepunkt. Martin Schirdewan und Janine Wissler fuehrten die Partei mit sinkenden Umfragewerten und wachsendem internem Streit. Im Oktober 2023 erklaerte Sahra Wagenknecht oeffentlich ihren Austritt. Schirdewan und Wissler traten im Januar 2024 als Vorsitzende zurueck. Die Linke hatte seit Gruendung 2007 insgesamt 9 Bundesvorsitzende gehabt – hoehere Rotation als jede andere Bundestagspartei. Jeder Fuehrungswechsel war von Richtungsstreit begleitet: Klassenkampf vs. neue soziale Bewegungen, Ostidentitaet vs. Westprogramm.

2025: Jan van Aken und Ines Schwerdtner – Neuanfang ohne Bundestag

Die neue Doppelspitze Jan van Aken (Hamburg) und Ines Schwerdtner (Berlin), die im Oktober 2023 gewählt wurde, führte Die Linke in die Bundestagswahl 2025 — mit 3,8 Prozent und null Sitzen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Partei (und ihrer Vorgängerin PDS), dass kein einziger Abgeordneter im Bundestag sitzt. Ob van Aken und Schwerdtner eine Partei, die nun außerparlamentarisch agiert, in die Relevanz zurückführen können, ist offen. Ihre Strategie: Klare Linksbotschaft, soziale Gerechtigkeit, Mietenthema — ohne Koalitionsbündelei. Das Ergebnis 2025 zeigt, dass diese Strategie allein nicht ausreichte.

Häufige Fragen

Wer waren die ersten Vorsitzenden der Linken?

Die ersten Parteivorsitzenden der Linken waren Lothar Bisky (Ost) und Oskar Lafontaine (West), gewählt am 16. Juni 2007 beim Gründungsparteitag in Berlin.

Wer führt Die Linke aktuell?

Nach der BSW-Abspaltung 2024 führen Jan van Aken und Ines Schwerdtner die Partei als Doppelspitze seit Oktober 2024.

Hatte Die Linke immer eine Doppelspitze?

Ja, Die Linke hat seit ihrer Gründung 2007 stets eine Doppelspitze mit zwei gleichberechtigten Vorsitzenden gehabt. Die Satzung schreibt mindestens eine Frau in der Doppelspitze vor.

Mehr dazu: Glossar · Briefwahl · der Bundestag
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj stimmt Putins Feuerpause zuFAZ Politik Deutschland-Liveblog: Verteidigungsministerium:  Genehmigungspflicht für Auslandsreisen entfälltFAZ Politik Liveblog Irankrieg: USA wollen Gespräche zwischen Israel und dem Libanon ausrichtenZDF heute Vorschau "maybrit illner" 9. April 2026Welt Politik Putin kündigt Feuerpause in der Ukraine während orthodoxer Ostertage anWelt Politik „Die Lügen müssen ein Ende haben“ – Melania Trump bestreitet Verbindungen zu EpsteinWelt Politik Martin Sellner hält Migrationsvortrag in Straßenbahn – Unternehmen ist „schockiert“Spiegel Politik USA, Donald Trump und Marco Rubio: Warum Standorte wie Ramstein entscheidend sindSpiegel Politik Buchenwald: Gericht bestätigt Verbot für »Kufiyas in Buchenwald«Spiegel Politik NRW-Ministerin Ina Scharrenbach: Vorwürfe von Machtmissbrauch bleiben interne SacheTagesschau Untergetauchte Rechtsextremistin Liebich in Tschechien gefasstTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenZDF heute Europas KI-Aufholjagd
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