Alle CDU-Vorsitzenden seit 1950 — Vollständige Liste
Acht Männer, eine Frau, 78 Jahre — die CDU-Vorsitzenden spiegeln die Geschichte der Republik. Manche prägten ihre Epoche, andere stolperten über Affären oder verlorene Wahlen. Auffällig ist die extreme Bandbreite: Helmut Kohl führte die Partei 25 Jahre lang, Ludwig Erhard gerade einmal zwölf Monate. Sechs der zehn Vorsitzenden wurden Bundeskanzler — vier scheiterten auf dem Weg dorthin.
| Nr. | Name | Amtszeit | Dauer | Bundeskanzler |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Konrad Adenauer | 1950–1966 | 16 Jahre | 1949–1963 |
| 2 | Ludwig Erhard | 1966–1967 | 1 Jahr | 1963–1966 |
| 3 | Kurt Georg Kiesinger | 1967–1971 | 4 Jahre | 1966–1969 |
| 4 | Rainer Barzel | 1971–1973 | 2 Jahre | — |
| 5 | Helmut Kohl | 1973–1998 | 25 Jahre | 1982–1998 |
| 6 | Wolfgang Schäuble | 1998–2000 | 2 Jahre | — |
| 7 | Angela Merkel | 2000–2018 | 18 Jahre | 2005–2021 |
| 8 | Annegret Kramp-Karrenbauer | 2018–2021 | 3 Jahre | — |
| 9 | Armin Laschet | 2021–2022 | 1 Jahr | — |
| 10 | Friedrich Merz | seit 2022 | laufend | seit 2025 |
Key-Facts: CDU-Vorsitzende
- Erster Vorsitzender: Konrad Adenauer (1950)
- Aktueller Vorsitzender: Friedrich Merz (seit 2022)
- Anzahl: 10 Bundesvorsitzende seit 1950
- Längste Amtszeit: Helmut Kohl (25 Jahre, 1973–1998)
- Erste Frau: Angela Merkel (2000–2018)
Die Gründergeneration: Adenauer, Erhard, Kiesinger
Konrad Adenauer wurde am 21. Oktober 1950 auf dem Gründungsparteitag in Goslar gewählt. Was viele nicht wissen: Adenauer war zu diesem Zeitpunkt bereits 74 Jahre alt und seit einem Jahr Bundeskanzler. Den Parteivorsitz behielt er bis 1966 — drei Jahre länger als das Kanzleramt. Er prägte die CDU als Partei der Westbindung, der europäischen Einigung und der sozialen Marktwirtschaft.
Ludwig Erhard übernahm 1966, konnte sich aber nur ein Jahr halten. Sein Nachfolger Kurt Georg Kiesinger blieb bis 1971 — auch er ein Übergangsvorsitzender, der nach dem Verlust des Kanzleramts 1969 bald abtrat.
Barzel: Der tragische Verlierer
Rainer Barzel steht für das knappste Scheitern in der CDU-Geschichte. 1972 versuchte er, über ein konstruktives Misstrauensvotum Kanzler zu werden. Es fehlten zwei Stimmen — mutmaßlich gekauft von der Stasi, wie später bekannt wurde. Nach der verlorenen Bundestagswahl trat Barzel 1973 zurück.
Kohl: 25 Jahre an der Spitze
Helmut Kohl prägte die CDU wie kein anderer. Er modernisierte die Parteiorganisation, führte die Union 1982 zurück an die Regierung und gestaltete als Kanzler die Deutsche Wiedervereinigung. Bemerkenswert: Kohl wurde innerparteilich lange unterschätzt. Helmut Schmidt nannte ihn abfällig „Birne“, die eigene Partei versuchte 1989 — wenige Monate vor dem Mauerfall — einen Putsch gegen ihn. Kohl überlebte alles. Bis zur Spendenaffäre.
Schäuble: Der Kronprinz, der stürzte
Wolfgang Schäuble übernahm 1998 nach der Wahlniederlage. Doch die Spendenaffäre riss auch ihn mit: Als bekannt wurde, dass Schäuble selbst eine verdeckte Spende angenommen hatte, trat er im Februar 2000 zurück. Er blieb prägend — später als Bundesfinanzminister und Bundestagspräsident — aber den Parteivorsitz erholte er nie zurück.
Merkel: Die Frau, die alles veränderte
Angela Merkel wurde im April 2000 als erste Frau an die CDU-Spitze gewählt. 18 Jahre Vorsitz, vier gewonnene Bundestagswahlen, eine programmatische Öffnung zur Mitte, die die Partei bis heute spaltet. Merkel gab den Vorsitz 2018 ab, blieb aber bis 2021 Kanzlerin — eine ungewöhnliche Trennung beider Ämter, die ihre Nachfolger in schwieriges Fahrwasser brachte.
Die Interregna: Kramp-Karrenbauer und Laschet
Was auf Merkel folgte, war eine Phase der Instabilität, die in der CDU-Geschichte ihresgleichen sucht. Annegret Kramp-Karrenbauer setzte sich 2018 knapp gegen Friedrich Merz durch, stolperte aber über den Thüringen-Eklat 2020 und kündigte ihren Rückzug an. Armin Laschet folgte 2021, verlor die Bundestagswahl gegen Olaf Scholz und trat ab. Zwei Vorsitzende in drei Jahren — für eine Partei, die Stabilität als Markenzeichen pflegt, ein Krisensymptom.
Merz: Der Mann für den dritten Anlauf
Friedrich Merz schaffte im Januar 2022, was vor ihm keinem CDU-Politiker gelang: nach zwei gescheiterten Kandidaturen doch noch Vorsitzender zu werden. 94,6 Prozent beim Parteitag. Er schärfte das konservative und wirtschaftspolitische Profil und führte die CDU/CSU bei der Bundestagswahl 2025 zurück an die Regierung.
2022: Friedrich Merz gewinnt beim dritten Anlauf – kein CDU-Vorsitzender brauchte je laenger
Friedrich Merz kandidierte 2018 und verlor gegen Annegret Kramp-Karrenbauer (48% zu 52%). Er kandidierte 2021 erneut und verlor gegen Armin Laschet (385 zu 521 Stimmen). Beim dritten Versuch im Januar 2022 gewann Merz mit 62,1 Prozent in einer Mitgliederbefragung. Als erster CDU-Vorsitzender seit Gründung der Partei war er dreimal angetreten, bevor er gewählt wurde. Bei der Bundestagswahl 2025 führte er die CDU/CSU auf 28,6 Prozent – starkste Kraft vor der AfD.
Friedrich Merz: CDU-Vorsitzender seit 2022, Bundeskanzler seit 2025
Friedrich Merz gewann den CDU-Vorsitz im dritten Anlauf im Januar 2022. Zuvor war er 2018 gegen Annegret Kramp-Karrenbauer und 2021 gegen Armin Laschet unterlegen. Als Vorsitzender repositionierte er die CDU wirtschaftsliberal und konservativ, gewann die Bundestagswahl 2025 mit 28,5 Prozent und wurde im März 2025 zum zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt. Die Koalition mit der SPD ist die fünfte Große Koalition in der Geschichte der Bundesrepublik. Merz ist der erste CDU-Bundeskanzler seit Angela Merkel (2005–2021) und hat im Kanzler-Ranking als zehnte Person das Amt übernommen.
Häufige Fragen
Wer war der erste CDU-Vorsitzende?
Konrad Adenauer wurde am 21. Oktober 1950 auf dem ersten CDU-Bundesparteitag in Goslar zum Parteivorsitzenden gewählt. Er blieb bis 1966 im Amt.
Wie viele CDU-Vorsitzende gab es bisher?
Seit 1950 hatte die CDU insgesamt zehn Bundesvorsitzende: Adenauer, Erhard, Kiesinger, Barzel, Kohl, Schäuble, Merkel, Kramp-Karrenbauer, Laschet und Merz.
Wer ist der aktuelle CDU-Vorsitzende?
Friedrich Merz ist seit Januar 2022 CDU-Bundesvorsitzender. Er wurde mit 94,6 Prozent gewählt und 2024 mit 93,0 Prozent bestätigt.
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