AfD Wahlergebnisse nach Bundesländern — Ost vs. West
Key-Facts: AfD-Wahlergebnisse
- Stärkstes Ergebnis: Thüringen 2024 (32,8 %)
- Schwächstes Ergebnis: Bremen 2023 (5,5 %)
- Landtage: In allen 16 Landesparlamenten vertreten (seit 2017)
- Ost-Durchschnitt: ca. 25–33 % bei Landtagswahlen
- West-Durchschnitt: ca. 5–15 % bei Landtagswahlen
In Thüringen: 32,8 Prozent. In Hamburg: 7,8 Prozent. Dieselbe Partei, dasselbe Programm, eine andere Welt. Die AfD ist die Partei mit dem größten regionalen Gefälle in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nicht einmal die PDS, deren Existenzgrundlage die Teilung des Landes war, wies bei Landtagswahlen eine vergleichbare Spreizung auf.
Wer die AfD-Ergebnisse aller 16 Bundesländer nebeneinanderlegt, sieht nicht eine Partei, sondern zwei: eine ostdeutsche Volkspartei und eine westdeutsche Randerscheinung. Die Daten zeigen diese Spaltung in aller Schärfe.
Ostdeutschland: Zwischen 17 und 33 Prozent
In den fünf ostdeutschen Flächenländern hat die AfD bei den jüngsten Landtagswahlen durchgehend über 16 Prozent erreicht. In drei davon lag sie über 29 Prozent. In Thüringen wurde sie 2024 erstmals stärkste Kraft in einem deutschen Landtag — noch vor der CDU, die dort jahrzehntelang dominiert hatte.
| Bundesland | Letzte LTW | AfD-Ergebnis | Platzierung |
|---|---|---|---|
| Thüringen | 2024 | 32,8 % | 1. Platz |
| Sachsen | 2024 | 30,6 % | 2. Platz |
| Brandenburg | 2024 | 29,2 % | 2. Platz |
| Sachsen-Anhalt | 2021 | 20,8 % | 2. Platz |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2021 | 16,7 % | 3. Platz |
| Berlin | 2023 | 9,1 % | 5. Platz |
Die Stärke in Thüringen ist dabei kein Zufall. Hier führt Björn Höcke den Landesverband seit 2014, hier hat die AfD die stärkste kommunale Verankerung aufgebaut. Berlin als Stadtstaat fällt aus dem Muster: Mit 9,1 Prozent liegt die Hauptstadt näher am westdeutschen als am ostdeutschen Durchschnitt.
Westdeutschland: Zwischen 4 und 18 Prozent
Im Westen reicht das Spektrum von 18,4 Prozent in Hessen bis hinunter zu 4,4 Prozent in Schleswig-Holstein, wo die AfD 2022 den Wiedereinzug in den Landtag verpasste. Die Ergebnisse folgen dabei einem groben Muster: In den südlichen Flächenländern (Hessen, Bayern) ist die AfD stärker als im Norden und Westen, in Stadtstaaten besonders schwach.
| Bundesland | Letzte LTW | AfD-Ergebnis | Platzierung |
|---|---|---|---|
| Hessen | 2023 | 18,4 % | 3. Platz |
| Bayern | 2023 | 14,6 % | 3. Platz |
| Niedersachsen | 2022 | 10,9 % | 4. Platz |
| Baden-Württemberg | 2021 | 9,7 % | 4. Platz |
| Rheinland-Pfalz | 2021 | 8,3 % | 4. Platz |
| Hamburg | 2025 | 7,8 % | 5. Platz |
| Saarland | 2022 | 5,7 % | 4. Platz |
| Bremen | 2023 | 5,5 % | 5. Platz |
| Nordrhein-Westfalen | 2022 | 5,4 % | 5. Platz |
| Schleswig-Holstein | 2022 | 4,4 % | 6. Platz |
Auffällig: In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, kam die AfD 2022 nur auf 5,4 Prozent. In Hessen, das geographisch nicht weit entfernt liegt, erreichte sie ein Jahr später 18,4 Prozent. Die Erklärung liegt in einer Mischung aus Zeitpunkt (die AfD lag 2023 in Umfragen bundesweit deutlich höher als 2022), regionaler Parteibindung und Kandidateneffekten.
Bundestagswahlen: Das Gefälle bestätigt sich
Auch bei Bundestagswahlen zeigt sich das Muster. Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte die AfD bundesweit 20,8 Prozent — zweite Kraft hinter CDU/CSU (28,5 %) und erste Oppositionsfraktion mit 160 Sitzen. Im Osten lagen einzelne Wahlkreise bei 30 bis 40 Prozent, während westdeutsche Großstädte teils unter 10 Prozent blieben. Bei der Bundestagswahl 2021 waren es noch 10,3 Prozent bundesweit, 2017 12,6 Prozent — in beiden Jahren mit demselben Ost-West-Gefälle.
Diese Zahlen zeigen: Der Ost-West-Graben ist nicht nur ein Landtagsphänomen. Er zieht sich durch alle Wahlebenen und ist seit 2014 in jeder einzelnen Wahl nachweisbar.
Was die Zahlen nicht erklären
Wahlergebnisse bilden ab, aber sie erklären nicht. Warum dieselbe Partei in Thüringen sechsmal so stark ist wie in Schleswig-Holstein, liegt an einem Bündel von Faktoren: Transformationserfahrung nach 1990, geringere Parteibindung, wirtschaftliches Gefälle, schwächere Zivilgesellschaft, unterschiedliche Erfahrungen mit Migration. Die Wählerstruktur der AfD und die Analyse des Ost-West-Unterschieds vertiefen diese Frage.
Ob die AfD dauerhaft als stärkste oder zweitstärkste Kraft in den Landtagen bestehen kann, hängt nicht nur von ihr ab. Die Koalitionsfrage, die Haltung der anderen Parteien und die Entwicklung der Themen, die ihre Wähler mobilisieren, werden darüber entscheiden.
2024: AfD gewinnt Sachsen und Thüringen, verfehlt aber in beiden eine Koalition
Am 1. September 2024 erhielt die AfD in Thüringen 32,8 Prozent und in Sachsen 30,6 Prozent – in beiden Ländern das stärkste Ergebnis aller Parteien. Doch in beiden Ländern bildete die CDU Regierungskoalitionen ohne sie: In Thüringen eine CDU-BSW-SPD-Minderheitsregierung, in Sachsen ebenfalls CDU-BSW-SPD. Die AfD hatte in beiden Landtagen zusammen 72 Sitze und null Ministerposten. Es war die stärkste Demonstration des Prinzips „Brandmauer“ in der deutschen Nachkriegsgeschichte: Ein Ergebnis von rund einem Drittel der Stimmen führte zu vollständiger politischer Isolation. Bei der Bundestagswahl 2025 folgte die nächste Historienmarke: 20,8 Prozent bundesweit — zweite Kraft hinter CDU/CSU, 160 Sitze.
1. September 2019: AfD wird in Sachsen erstmals stärkste Kraft
Bei der Landtagswahl in Sachsen am 1. September 2019 erreichte die AfD 27,5 Prozent – und wurde damit erstmals bei einer Landtagswahl stärkste Partei, noch vor der CDU mit 32,1 Prozent. Kombiniert mit dem Brandenburger Ergebnis desselben Abends (AfD 23,5 Prozent, knapp hinter der SPD) sprach die gesamte Bundespolitik von einer „Schicksalswahl im Osten“. In einigen sächsischen Wahlkreisen erzielte die AfD über 40 Prozent der Erststimmen. Das Resultat veränderte die Koalitionsarithmetik dauerhaft: In ostdeutschen Ländern ist die AfD seitdem strukturell einstellig von der Regierungsbeteiligung entfernt – nur durch Mehrparteien-Bündnisse kann sie umgangen werden.
Häufige Fragen
In welchem Bundesland ist die AfD am stärksten?
Die AfD erzielt ihre höchsten Ergebnisse in den ostdeutschen Bundesländern. In Thüringen erreichte sie bei der Landtagswahl 2024 mit 32,8 Prozent ihr bislang bestes Landtagswahlergebnis.
Wie unterscheiden sich die AfD-Ergebnisse zwischen Ost und West?
Die AfD erreicht im Osten regelmäßig 25 bis 33 Prozent, im Westen dagegen meist 5 bis 15 Prozent. Der Ost-West-Unterschied ist bei der AfD stärker ausgeprägt als bei jeder anderen Partei.
Seit wann sitzt die AfD in Landtagen?
Die AfD zog erstmals 2014 in Landtage ein: Sachsen, Brandenburg und Thüringen. Seit 2017 ist sie in allen 16 Landesparlamenten vertreten.
Weiterlesen
AfD gleichauf mit der Union
AfD bei 25% bundesweit - Ost-West-Unterschiede.
AfD Ost-West
Warum die AfD im Osten deutlich stärker ist als im Westen.
AfD in den Landtagen
Fraktionen, Ergebnisse und die Koalitionsfrage.
AfD-Wählerstruktur
Wer wählt die AfD? Alter, Geschlecht und Bildung.
Alle Ratgeber
450+ Artikel zu Wahlen und Politik in Deutschland.