AfD in den Landtagen — Ergebnisse, Fraktionen, Koalitionsfrage
Key-Facts: AfD in den Landtagen
- Landesparlamente: In 15 von 16 Landtagen vertreten (fehlt nur Schleswig-Holstein seit 2022)
- Regierungsbeteiligung: Keine (alle Parteien lehnen Koalitionen ab)
- Stärkste Fraktion: Thüringen (seit 2024)
- Erster Einzug: Sachsen, Brandenburg, Thüringen (2014)
- Abgeordnete gesamt: über 250 in allen Landtagen
In 15 von 16 Landtagen vertreten, in keinem an der Regierung — die AfD ist die ewige Oppositionspartei. Nicht freiwillig, nicht aus Desinteresse an Macht, sondern weil sämtliche anderen Parteien eine Zusammenarbeit ablehnen. Die „Brandmauer“ steht, und sie steht in jedem einzelnen Bundesland. Was die AfD zu einer einzigartigen Erscheinung in der deutschen Parteienlandschaft macht: Sie ist gleichzeitig die stärkste und die machtloseste Partei in mehreren Bundesländern.
Von null auf sechzehn in drei Jahren
Die Geschwindigkeit, mit der die AfD in die Landtage einzog, hat kein Vorbild in der Geschichte der Bundesrepublik. 2014 gelang der erste Einzug in drei ostdeutsche Parlamente: Sachsen (9,7 %), Brandenburg (12,2 %) und Thüringen (10,6 %). Schon hier zeigte sich der Ost-West-Unterschied, der die Partei seither begleitet.
2015 und 2016 folgten Hamburg, Bremen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Bis 2017 war die AfD flächendeckend vertreten. Drei Jahre von der Gründung bis zur Präsenz in allen 16 Landesparlamenten — die Grünen hatten dafür über ein Jahrzehnt gebraucht.
Die aktuelle Lage: Landtag für Landtag
| Bundesland | Letzte LTW | Ergebnis | Sitze | Status |
|---|---|---|---|---|
| Thüringen | 2024 | 32,8 % | 32 | Stärkste Fraktion, Opposition |
| Sachsen | 2024 | 30,6 % | 40 | Zweitstärkste Fraktion, Opposition |
| Brandenburg | 2024 | 29,2 % | 30 | Zweitstärkste Fraktion, Opposition |
| Sachsen-Anhalt | 2021 | 20,8 % | 23 | Opposition |
| Hessen | 2023 | 18,4 % | 28 | Opposition |
| Mecklenburg-Vorp. | 2021 | 16,7 % | 14 | Opposition |
| Bayern | 2023 | 14,6 % | 32 | Opposition |
| Niedersachsen | 2022 | 10,9 % | 18 | Opposition |
| Baden-Württemberg | 2021 | 9,7 % | 17 | Opposition |
| Berlin | 2023 | 9,1 % | 15 | Opposition |
| Rheinland-Pfalz | 2021 | 8,3 % | 9 | Opposition |
| Hamburg | 2025 | 7,8 % | 9 | Opposition |
| Saarland | 2022 | 5,7 % | 3 | Opposition |
| Bremen | 2023 | 5,5 % | 5 | Opposition |
| NRW | 2022 | 5,4 % | 12 | Opposition |
| Schleswig-Holstein | 2022 | 4,4 % | 0 | Nicht im Landtag |
Die Brandmauer
In keinem einzigen Bundesland ist die AfD an einer Regierung beteiligt. Alle anderen Parteien — von der CDU bis zur Linken — lehnen Koalitionen mit der AfD ab. Dieses informelle Kooperationsverbot wird als „Brandmauer“ oder „Firewall“ bezeichnet und ist in der deutschen Parteiengeschichte einmalig.
Die Begründungen variieren: Verweis auf die Einstufung als rechtsextremistischer Verdachtsfall, unvereinbare programmatische Positionen, Präsenz extremistischer Akteure in der Partei. Die Konsequenz ist überall dieselbe: Die übrigen Parteien bilden zunehmend komplexe Koalitionen, um ohne die AfD regieren zu können — Dreierkombinationen, die es in manchen Bundesländern nie zuvor gegeben hat.
Thüringen: Das Präzedenzfall-Land
In Thüringen zeigt sich am deutlichsten, welche Verwerfungen die AfD-Stärke in der Landespolitik auslöst. Seit 2024 ist die AfD dort stärkste Fraktion mit 32 Sitzen. Sie verfügt über eine Sperrminorität: mehr als ein Drittel der Sitze, was ihr bei Verfassungsänderungen ein Vetorecht gibt.
Die AfD stellt den Landtagspräsidenten — ein Novum. Bei der Wahl des Ministerpräsidenten entstehen Konstellationen, die es in der Bundesrepublik noch nie gab: Keine Koalition kann ohne die AfD eine Mehrheit bilden, keine will mit ihr koalieren. Die regierenden Parteien müssen bei bestimmten Vorhaben entweder mit der AfD verhandeln oder auf Verfassungsänderungen verzichten.
Was in den Plenarsälen passiert
Die parlamentarische Arbeit der AfD-Fraktionen hat sich seit den ersten Einzügen 2014 professionalisiert. In den Anfangsjahren kam es häufig zu Fraktionsspaltungen, Austritten und internen Konflikten. Abgeordnete verließen die Fraktion, wechselten zu anderen Parteien oder wurden fraktionslos.
In jüngerer Zeit sind die Fraktionen stabiler geworden. Die AfD hat parlamentarische Mitarbeiter aufgebaut, Fachpolitiker entwickelt und nutzt die Instrumente der Parlamentsarbeit — Anfragen, Anträge, Ausschussarbeit — gezielter. Gleichzeitig sorgen provokante Reden und Verstöße gegen parlamentarische Gepflogenheiten regelmäßig für Ordnungsrufe und Konflikte mit den anderen Fraktionen. Beides gehört zum Profil: seriöse Sacharbeit neben kalkuliertem Tabubruch.
Das strukturelle Problem
Solange die Brandmauer hält, muss die AfD trotz hoher Wahlergebnisse in der Opposition bleiben. Gleichzeitig erschwert ihre Stärke die Regierungsbildung in immer mehr Bundesländern. Die anderen Parteien müssen Koalitionen eingehen, die programmatisch kaum zusammenpassen — nur um ohne die AfD regieren zu können. Das schafft instabile Regierungen und nährt den Vorwurf der AfD, das politische System schließe den Willen eines Drittels der Wähler aus. Ein Kreislauf, dessen Lösung nicht in Sicht ist.
September 2024: AfD gewinnt erstmals eine Landtagswahl – und regiert trotzdem nicht
Am 1. September 2024 gewann die AfD mit 32,8 Prozent die thueringische Landtagswahl. Alle anderen Parteien erklaerten im Vorfeld, keine Koalition mit der AfD einzugehen. Das Ergebnis: Obwohl die AfD staerkste Kraft war, bildete die CDU unter Mario Voigt eine Minderheitsregierung mit SPD und BSW. Die AfD sass mit 32 Sitzen im Landtag – aber ohne jeglichen Einfluss auf Ministerposten. Es war ein neues Kapitel der deutschen Nachkriegspolitik: Eine Partei gewinnt eine Wahl und regiert trotzdem nicht.
Schlussfolgerung: AfD als systemische Herausforderung für die Koalitionsarithmetik
In Thüringen, Sachsen und Brandenburg hat die AfD eine Sperrminorität, die Verfassungsänderungen verhindert. In mehreren weiteren Ländern ist sie stark genug, um Regierungskoalitionen rechnerisch zu erz-wingen, die ohne die AfD kaum zustande kämen. Die Drei-Parteien-Koalition in Sachsen (CDU/SPD/BSW) und die Minderheitsregierung in Thüringen sind direkte Folgen. Je stärker die AfD wird, desto fragiler werden die Koalitionskonstrukte der übrigen Parteien — und desto mehr wird die Frage gestellt, ob das Prinzip der Nichtkoalition langfristig haltbar ist. Bisher lautet die Antwort aller Parteien: ja. Aber die politische Realität in den Landtagen macht diese Antwort mit jedem Jahr schwieriger aufrechtzuerhalten.
Häufige Fragen
In wie vielen Landtagen sitzt die AfD?
Die AfD ist in 15 von 16 Landesparlamenten vertreten. In Schleswig-Holstein scheiterte sie 2022 an der Fünf-Prozent-Hürde (4,4 %). In Thüringen ist sie seit 2024 stärkste Fraktion.
Ist die AfD irgendwo an einer Landesregierung beteiligt?
Nein. Trotz teilweise hoher Wahlergebnisse ist die AfD in keinem Bundesland an der Regierung beteiligt. Alle anderen Parteien lehnen Koalitionen mit der AfD ab.
Wo hat die AfD die stärksten Fraktionen?
Die stärksten AfD-Fraktionen befinden sich in Thüringen, Sachsen und Brandenburg. In allen drei Ländern ist die AfD stärkste oder zweitstärkste Fraktion.
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