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Wahlkampfveranstaltung in Berlin mit Politikerin und Publikum

Wahlkampf — Strategien, Phasen und Bedeutung

Sechs Wochen vor der Wahl hängen die ersten Plakate an den Laternenmasten. Lächelnde Gesichter, knackige Slogans, Parteifarben. An Fußgängerzonen stehen Infostände, in den Abendnachrichten laufen TV-Duelle, und auf Instagram kämpfen Kurzvideos um Aufmerksamkeit. Wahlkampf — der Zeitraum, in dem Parteien und Kandidaten alles geben, um Wähler zu überzeugen.

Normalerweise dauert die heiße Phase rund sechs Wochen. Doch der Bundestagswahlkampf 2025 war alles andere als normal: Nach dem Bruch der Ampel-Koalition im November 2024 blieben den Parteien nur zehn Wochen für den gesamten Wahlkampf — mitten im Winter.

Die vier Phasen

Phase Zeitraum Was passiert
Vorwahlkampf 6–12 Monate vor der Wahl Kandidatenaufstellung, Programmdiskussion
Frühphase 3–6 Monate vorher Kanzlerkandidaten-Kür, Wahlprogramm
Heiße Phase 6 Wochen vorher Plakate, Großevents, TV-Duelle
Endspurt Letzte Woche Abschlusskundgebungen, letzte Mobilisierung

Während des Wahlkampfs schaut ganz Deutschland auf die Sonntagsfrage. Die wöchentlichen Zahlen von Infratest dimap oder Forsa zeigen den Parteien, ob ihre Kampagnen wirken. Und manchmal zeigen sie überraschend: Ein einziger Auftritt im TV-Duell kann die Werte über Nacht verschieben.

Was Wahlkampf kostet

Die großen Parteien investieren zweistellige Millionenbeträge. Die CDU/CSU gab 2025 rund 25 Millionen Euro aus, die SPD etwa 20 Millionen. Eine Obergrenze für Wahlkampfausgaben gibt es in Deutschland nicht — anders als in Großbritannien oder Frankreich.

Mann verfolgt politische Inhalte am Tablet beim Frühstück
Digitale Kanäle spielen im modernen Wahlkampf eine immer größere Rolle.

Das Elbehochwasser 2002: Als eine Naturkatastrophe eine Wahl entschied

Im August 2002 lag die Union in den Umfragen vorne. CSU-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber führte mit bis zu vier Prozentpunkten. Dann kam die Elbe. Das schwerste Hochwasser seit einem Jahrhundert überschwemmte weite Teile Ostdeutschlands und Sachsens — und Bundeskanzler Gerhard Schröder ließ seine Kampagne ruhen und regierte. Er erschien in Gummistiefeln in den überschwemmten Gebieten, sprach mit Flutopfern, schnürte innerhalb von Tagen ein 10-Milliarden-Euro-Soforthilfepaket und lehnte öffentlichkeitswirksam die Beteiligung an einem möglichen US-Irakkrieg ab.

22. September 2002: Das knappste Ergebnis der Bundesrepublik

Das Ergebnis der Bundestagswahl am 22. September 2002 war das engste der deutschen Nachkriegsgeschichte: SPD 38,5 % — CDU/CSU 38,5 % (SPD hatte 6.027 Stimmen mehr). Rot-Grün gewann mit einer Mehrheit von genau einer Stimme im Bundestag. Meinungsforscher und Kampagnenstrategen sind sich bis heute einig: Ohne das Hochwasser und Schröders Krisenmanagement hätte Stoiber gewonnen. Gleichzeitig ist es ein Lehrstück dafür, was Wahlkampf wirklich ist: nicht Plakate oder TV-Duelle — sondern der Moment, in dem ein Kandidat das Vertrauen bekommt, weil er in einer echten Krise genau das tut, was Wähler von einem Regierungschef erwarten.

Plakat vs. TikTok

Das klassische Wahlplakat stirbt langsam. Zwar hängen noch Millionen davon — aber die entscheidenden Schlachten werden zunehmend digital geschlagen. Micro-Targeting, also das gezielte Ausspielen von Werbung an bestimmte Wählergruppen, ist längst Alltag. 2025 erreichten die Parteien über Social Media mehr junge Wähler als über alle Infostände zusammen. Das Potenzial der Nichtwähler wird dabei besonders ins Visier genommen.

2019: Die Auszählung erklärt – vom Stimmzettel zur Mandatsverteilung

Der Weg von der Stimme zum Mandat: 1) Wähler kreuzt Stimmzettel an. 2) Wahlvorstand zählt aus (Sonntagabend). 3) Kreiswahlbehörde addiert Ergebnisse. 4) Landeswahlbehörde berechnet Landeslisten-Sitze. 5) Bundeswahlbehörde berechnet Gesamtverteilung per Sainte-Lague-Verfahren. Das Sainte-Lague-Verfahren teilt die Stimmenzahl jeder Partei durch ungerade Divisoren (1, 3, 5, 7...) und vergibt Sitze nach den höchsten Quotienten. Es ist mathematisch kompliziert, politisch aber fairer als das frühere d'Hondt-Verfahren, das große Parteien bevorzugte. Der Rechenweg zum Mandat dauert Stunden – die Wählerentscheidung selbst nur Sekunden.

Häufige Fragen

Was ist ein Wahlkampf?

Der Wahlkampf ist der Zeitraum vor einer Wahl, in dem Parteien und Kandidaten um die Stimmen der Wähler werben. Er umfasst Veranstaltungen, Plakate, TV-Duelle und digitale Kampagnen.

Wie lange dauert der Wahlkampf in Deutschland?

Die intensive „heiße Phase“ beginnt etwa sechs Wochen vor der Wahl. Die Parteien starten ihre Kampagnen aber oft Monate vorher mit Kandidatenaufstellung und Programmdiskussion.

Mehr dazu: Sonntagsfrage erklärt · Politik-News
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Liveblog Ukrainekrieg: Putin kündigt Feuerpause zum orthodoxen Osterfest anFAZ Politik Liveblog USA unter TrumP: Melania Trump weist Verbindung zu Epstein zurückWelt Politik „Die Lügen müssen ein Ende haben“ – Melania Trump bestreitet Verbindungen zu EpsteinFAZ Politik Waffenstillstand: Ist China der Sieger des Irankrieges?Welt Politik Martin Sellner hält Migrationsvortrag in Straßenbahn – Unternehmen ist „schockiert“Welt Politik „Situation wie vorher, nur mit einer besseren Position für Iran“Spiegel Politik USA, Donald Trump und Marco Rubio: Warum Standorte wie Ramstein entscheidend sindSpiegel Politik Buchenwald: Gericht bestätigt Verbot für »Kufiyas in Buchenwald«Spiegel Politik NRW-Ministerin Ina Scharrenbach: Vorwürfe von Machtmissbrauch bleiben interne SacheTagesschau Untergetauchte Rechtsextremistin Liebich in Tschechien gefasstTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenZDF heute Europas KI-Aufholjagd
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