Neue Version verfügbar
Frau am Arbeitsplatz mit Wahlunterlagen zur Wahlentscheidung

Landesliste — Bedeutung, Aufstellung und Funktion

Platz 1 auf der Landesliste gilt als sicher. Platz 38 in Nordrhein-Westfalen vielleicht auch noch. Platz 12 in Bremen? Eher Hoffnung als Garantie. Die Landesliste entscheidet darüber, welche Kandidaten einer Partei tatsächlich in den Bundestag einziehen — und wer trotz Nominierung draußen bleibt.

Gewählt wird die Liste mit der Zweitstimme. Auf dem Stimmzettel stehen rechts die ersten fünf Namen jeder Parteiliste. Die vollständige Reihenfolge wird auf Landesparteitagen beschlossen — Platz für Platz, einzeln abgestimmt (§ 27 Bundeswahlgesetz).

Aspekt Landesliste Direktkandidatur
Stimme Zweitstimme Erststimme
Aufstellung Landesparteitag Wahlkreisversammlung
Prinzip Verhältniswahlrecht Mehrheitswahlrecht
Einzug Nach Listenreihenfolge Relative Mehrheit im Wahlkreis

Seit der Wahlrechtsreform 2023 gilt: Die Sitzverteilung richtet sich allein nach der Zweitstimme. Überhangmandate gibt es nicht mehr. Wer einen Wahlkreis gewinnt, aber auf der Liste zu weit hinten steht, kann leer ausgehen. Das macht die Landesliste wichtiger als je zuvor.

Der interne Machtkampf: Wer bekommt welchen Platz?

Die Listenaufstellung ist oft kämpferischer als der Wahlkampf selbst. Flügel, Quoten und Seilschaften entscheiden, wer auf den sicheren Plätzen landet. Bei den Grünen gilt seit 1986 das Reißverschlussprinzip: alternierend Männer und Frauen, wobei die ungeraden Plätze (1, 3, 5…) für Frauen reserviert sind. 2021 bedeutete das in Bayern: Männer mit jahrelanger Parlamentserfahrung landeten auf Plätzen 8 oder 10 — gut, wenn die Partei stark genug war, sonst draußen. Die CDU hat keine Quoten-Regelung, was dazu führt, dass ihre Listen historisch männlicher sind als die der Grünen — und in manchen Landesverbänden zur offenen Kritik führte.

Die SPD nutzt seit 1988 das Quotierungsgebot: Mindestens 40 Prozent aller Listenplätze müssen an Frauen gehen. In der Praxis wird das oft durch Doppelspitzen auf Platz 1 und 2 (eine Frau, ein Mann) eingelöst — mit dem Effekt, dass der jeweilige Parteitag beides bestätigt oder ablehnt, aber selten aufschnürt.

2025: Listenplatz schlägt Wahlkreissieg

Die Bundestagswahl am 23. Februar 2025 war die erste, in der die neue Regelung griff: Gewinnt eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate als ihr Zweitstimmenanteil erlaubt, werden die Überhang-Mandate gestrichen — angefangen bei den Kandidaten mit dem geringsten Vorsprung in ihrem Wahlkreis. Betroffen waren vor allem CSU-Kandidaten in Bayern und CDU-Kandidaten in Baden-Württemberg. Das Paradox: Ein Kandidat gewinnt seinen Wahlkreis mit echter Wählermehrheit — und zieht trotzdem nicht in den Bundestag ein. Wer dagegen auf einem sicheren Listenplatz stand, war abgesichert, unabhängig vom Wahlkreisergebnis. Der Listenplatz überstimmte den Wahlkreissieg — ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik.

Ehepaar plant am Küchentisch die Wahlentscheidung mit Tablet
Die Landesliste entscheidet mit darüber, welche Kandidaten einer Partei in den Bundestag einziehen.

1953: Stimmensplitting – wie Deutsche zwei Parteien gleichzeitig wählen

Das Stimmensplitting ist ein Charakteristikum des deutschen Wahlsystems: Erststimme für einen Direktkandidaten, Zweitstimme für eine andere Partei. Klassisches Beispiel: CDU-Erstimme, FDP-Zweitstimme. Dieses Muster war jahrzehntelang verbreitet und heißt "Leihstimme". 2013 sollte es die FDP retten – scheiterte mit 4,8 Prozent. Die Wahlrechtsreform 2023 verändert den Anreiz: Da Überhangmandate wegfallen, ist die Zweitstimme noch wichtiger. Wer splittet, gibt der einen Partei den Kandidaten, der anderen die Parlamentsmacht. Die klügsten Stimmensplitter sind schwer vorauszusagen.

Häufige Fragen

Was ist eine Landesliste?

Eine Landesliste ist eine von einer Partei aufgestellte Kandidatenliste für ein Bundesland, über die Abgeordnete per Zweitstimme in den Bundestag einziehen.

Wer entscheidet über die Reihenfolge auf der Landesliste?

Die Reihenfolge wird auf Landesparteitagen oder durch Delegiertenversammlungen der jeweiligen Partei beschlossen. Jeder Listenplatz wird einzeln gewählt.

Mehr dazu: Erststimme und Zweitstimme · Große Koalition · Forsa
SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Ungarns Nähe zu Moskau: Und Orbán versprach Putin: Ich bin Dir zu DienstenFAZ Politik Elsass will mehr Rechte: Autonomie in Straßburg und ParisWelt Politik „Wir brauchen Planungssicherheit in der Reserve“Spiegel Politik News des Tages: Mario Adorf, der Zauberer. Donald Trumps Ultimatum.Welt Politik Flasche mit Aufschrift „Polonium“ bei Ostereiersuche gefunden – Ergebnis steht festSpiegel Politik Boris Pistorius: Kommunikationsdesaster und die Frage nach seiner TauglichkeitTagesschau Ankündigung von Merz: Deutschland will wieder Gespräche mit Iran aufnehmenFAZ Politik In Tschechien: Langjähriger Rechtsextremist Liebich gefasstWelt Politik Trump erhöht den Druck auf Europa – und fordert laut Bericht konkrete Zusagen einZDF heute Europas KI-AufholjagdSpiegel Politik München: Nach Tod von Surferin wächst Streit um Risiko am EisbachTagesschau Ein Jahr Koalitionsvertrag: Von Liebe, Brücken und Reformen
Bundestagwahlumfrage als App installieren

Wahlumfrage-Benachrichtigungen

Sofort informiert bei neuen Umfragen — direkt im Browser, kein Spam.

Mehr erfahren →