Bundesland — Definition, Aufgaben und Übersicht
Während Frankreich zentralistisch von Paris aus regiert wird und die Schweiz ihren Kantonen maximale Autonomie lässt, hat Deutschland einen Mittelweg gewählt: den Föderalismus. 16 Bundesländer mit eigenen Parlamenten, eigenen Regierungen und eigenen Verfassungen — das ist kein Zufall, sondern eine bewusste Lehre aus der deutschen Geschichte.
Die Bundesländer sind keine bloßen Verwaltungsbezirke. Sie sind eigenständige Staaten mit eigener Staatsgewalt. Bildung? Ländersache. Polizei? Ländersache. Kulturpolitik? Ländersache. Das erklärt, warum ein bayerisches Abitur anders aussieht als eines aus Bremen — und warum die Polizei in Nordrhein-Westfalen andere Uniformen trägt als in Sachsen.
Alle 16 auf einen Blick
| Bundesland | Hauptstadt | Einwohner | Wahlkreise |
|---|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | Düsseldorf | 18,1 Mio. | 64 |
| Bayern | München | 13,2 Mio. | 46 |
| Baden-Württemberg | Stuttgart | 11,1 Mio. | 38 |
| Niedersachsen | Hannover | 8,0 Mio. | 30 |
| Hessen | Wiesbaden | 6,3 Mio. | 22 |
| Sachsen | Dresden | 4,1 Mio. | 16 |
| Rheinland-Pfalz | Mainz | 4,1 Mio. | 15 |
| Berlin | Berlin | 3,7 Mio. | 12 |
| Schleswig-Holstein | Kiel | 2,9 Mio. | 11 |
| Brandenburg | Potsdam | 2,6 Mio. | 10 |
| Sachsen-Anhalt | Magdeburg | 2,2 Mio. | 9 |
| Thüringen | Erfurt | 2,1 Mio. | 8 |
| Hamburg | Hamburg | 1,9 Mio. | 6 |
| Mecklenburg-Vorpommern | Schwerin | 1,6 Mio. | 6 |
| Saarland | Saarbrücken | 1,0 Mio. | 4 |
| Bremen | Bremen | 0,7 Mio. | 2 |
Die Spannbreite ist enorm: Nordrhein-Westfalen hat mehr Einwohner als die Niederlande, Bremen weniger als manche Großstadt. Trotzdem hat jedes Land eine eigene Stimme im Bundesrat — wenn auch gewichtet nach Bevölkerung.
Was die Länder mit der Bundestagswahl zu tun haben
Mehr als man denkt. Die Bundesländer organisieren die Bundestagswahl — von den Wahllokalen bis zur Auszählung. Die Parteien stellen in jedem Land eigene Landeslisten auf, über die ein Teil der Abgeordneten per Zweitstimme in den Bundestag einzieht.
Ein Detail, das oft übersehen wird: Die CSU tritt ausschließlich in Bayern an, die CDU in allen übrigen Ländern. Die Zahl der Wahlkreise pro Bundesland richtet sich nach der Bevölkerungszahl — NRW hat 64, Bremen nur 2.
Föderalismus als Verfassungsprinzip
Der Föderalismus ist so wichtig, dass ihn die Ewigkeitsklausel des Grundgesetzes (Art. 79 Abs. 3) schützt. Selbst eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat könnte die Gliederung in Länder nicht abschaffen. Das macht die Bundesländer zum unveränderlichen Fundament des deutschen Staatswesens.
5. Mai 1996: Die Volksabstimmung, die eine Fusion verhinderte
Ein Bundesland weniger? Fast. Am 5. Mai 1996 stimmten die Bürger von Berlin und Brandenburg gleichzeitig darüber ab, ob sich beide Länder zu einem gemeinsamen Bundesland zusammenschließen sollen. Die Ausgangslage schien günstig: Beide Regierungen waren dafür, die Wirtschaftsargumente schienen eindeutig (ein gemeinsames Großland mit 6 Millionen Einwohnern, Bürokratieabbau, gesamtregionale Entwicklung).
Das Ergebnis: Brandenburg stimmte mit 63,1 Prozent dagegen. Auch Berlin mehrheitlich dagegen — 53,4% der Berliner lehnten die Fusion ab, obwohl es mehr knappe Zustimmung gab als in Brandenburg. Die Hauptursache: Die Brandenburger fürchteten, dass ein fusionierter Staat von Berlin dominiert würde — wirtschaftlich und politisch. Seit 1996 wurde kein neues Volksbegehren zur Fusion initiiert. Zwei getrennte Länder, ein gemeinsamer Arbeitsmarkt, eine gemeinsame Wirtschaftsregion.
Länderfusionen: Warum die Karte von 1990 bleibt
Seit der Wiedervereinigung diskutieren Politikwissenschaftler und Ökonomen regelmäßig die Länderneuordnung: die Reduzierung von 16 auf sechs bis neun Bundesländer. Berechnungen der Bertelsmann Stiftung aus 2006 bezifferten mögliche Einsparungen auf 2–3 Milliarden Euro jährlich durch weniger Verwaltungsapparate, Länderparlamente und Förderbürokratie. Das Problem: Die Ewigkeitsklausel (Art. 79 Abs. 3 GG) schützt die föderale Struktur als solche, aber nicht den Status der einzelnen Länder — Fusionen wären verfassungsrechtlich möglich. Jedoch erfordern sie Volksbegehren in allen betroffenen Ländern (Art. 29 GG) und letztlich die Zustimmung der Betroffenen. Das Ergebnis von 1996 hat für drei Jahrzehnte alle weiteren Fusionsdiskussionen realpolitisch zum Erliegen gebracht. Die Karte von 1990 bleibt.
1961: Wahlbenachrichtigung – der erste Brief, den der Staat aktiv an jeden schickt
Die Wahlbenachrichtigung existiert seit der ersten Bundestagswahl 1949, aber erst ab den 1960er Jahren wurden die Standards vereinheitlicht: Jeder Wahlberechtigte erhält spätestens 21 Tage vor der Wahl seine Benachrichtigung. Das klingt selbstverständlich – war es aber nicht immer. In vielen Ländern müssen sich Wähler selbst registrieren (USA, Frankreich). Deutschland hat eine automatische Waehlerliste – basierend auf Meldedaten. Die Wahlbenachrichtigung ist das täglichste Dokument der Demokratie: Ein einfacher Umschlag, der Millionen sagt "Du kannst mitentscheiden."
Häufige Fragen
Wie viele Bundesländer hat Deutschland?
16 — darunter drei Stadtstaaten (Berlin, Hamburg, Bremen) und 13 Flächenländer.
Warum hat jedes Bundesland eigene Bildungspolitik?
Bildung ist im Grundgesetz als Länderkompetenz festgelegt. Der Bund hat hier nur begrenzte Einflussmoglichkeiten, etwa bei der Hochschulfinanzierung.
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