Emmanuel Macron — Präsident der Französischen Republik
Key-Facts: Emmanuel Macron
- Name: Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron
- Geboren: 21. Dezember 1977, Amiens, Frankreich
- Amt: Präsident der Französischen Republik
- Fraktion: Renew Europe (liberale Familie)
- Land: Frankreich
- Im Amt seit: 2017 (wiedergewählt 2022)
- Ehefrau: Brigitte Macron (geb. Trogneux, *1953)
Emmanuel Macron ist seit Mai 2017 Präsident der Französischen Republik und prägt als Staatschef des zweitgrößten EU-Mitgliedstaats die europäische Politik maßgeblich. Er gewann 2017 die Präsidentschaftswahl als jüngster Präsident seit Napoleon Bonaparte und wurde 2022 im Amt bestätigt. Mit seiner Partei Renaissance (ehemals La République en Marche) steht er für einen liberalen, pro-europäischen Kurs. In einer Phase wachsender geopolitischer Spannungen – vom russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine über die transatlantische Entfremdung bis hin zur technologischen Konkurrenz mit China – positioniert sich Macron als treibende Kraft für eine eigenständigere Europäische Union.
Biografie & Karriere
Macron wurde am 21. Dezember 1977 in Amiens in der nordfranzösischen Picardie geboren. Sein Vater Jean-Michel Macron war Professor für Neurologie, seine Mutter Françoise Noguès-Macron Ärztin. Er besuchte zunächst das Lycée la Providence in Amiens – eine Jesuitenschule, an der er seine spätere Ehefrau Brigitte Trogneux als Lehrerin kennenlernte. Die Beziehung zu Brigitte, die 24 Jahre älter ist als er und damals bereits verheiratet war, sorgte früh für öffentliche Aufmerksamkeit. Das Paar heiratete 2007 in Le Touquet-Paris-Plage.
Macron setzte seine schulische Laufbahn am renommierten Lycée Henri-IV in Paris fort und studierte Philosophie an der Universität Paris-Nanterre, wo er sich intensiv mit Paul Ricœur beschäftigte und zeitweise als dessen Assistent arbeitete. Anschließend absolvierte er die Elite-Hochschule Sciences Po und wurde an der École nationale d’administration (ENA) aufgenommen – jener Kaderschmiede, die seit Jahrzehnten die französische Verwaltungs- und Politikelite hervorbringt. Nach dem ENA-Abschluss wurde er als Inspecteur des Finances in den höchsten Beamtenkörper des Finanzministeriums berufen, eine Position, die traditionell den Jahrgangsbesten vorbehalten ist.
Von 2008 bis 2012 arbeitete er als Investmentbanker bei Rothschild & Co, wo er große Unternehmenstransaktionen betreute – darunter die Übernahme der Babynahrungssparte von Pfizer durch Nestlé im Wert von rund 12 Milliarden Dollar. 2012 wurde er wirtschaftspolitischer Berater von Präsident François Hollande und stieg 2014 zum Wirtschaftsminister auf. In dieser Rolle brachte er das „Loi Macron“ ein, ein Reformgesetz zur Liberalisierung bestimmter Wirtschaftssektoren, das unter anderem die Regulierung von Fernbusverkehr und Sonntagsarbeit lockerte.
Im April 2016 gründete er die Bewegung En Marche! (später Renaissance) und kandidierte außerhalb des traditionellen Links-Rechts-Schemas für die Präsidentschaft. Ohne je ein Wahlmandat innegehabt zu haben, schaffte er den Sprung in die Stichwahl. Im Mai 2017 besiegte er Marine Le Pen mit 66,1 Prozent der Stimmen. 2022 gewann er erneut gegen Le Pen, diesmal mit 58,5 Prozent – ein deutlich knapperes Ergebnis, das die zunehmende Polarisierung der französischen Gesellschaft widerspiegelte.
Politische Positionen
Macron verfolgt eine wirtschaftsliberale Reformagenda mit dem Ziel, Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Zu seinen wichtigsten Reformen zählen die Lockerung des Arbeitsrechts, die Reform der Staatsbahn SNCF und die umstrittene Rentenreform, die das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 Jahre anhob.
Auf europäischer Ebene plädiert er für eine „europäische Souveränität“ in Verteidigung, Technologie und Wirtschaft. Er war ein früher Befürworter gemeinsamer EU-Schulden während der Pandemie und setzt sich für eine stärkere europäische Säule innerhalb der NATO ein.
In der Klimapolitik unterstützt er den European Green Deal und setzt auf Kernenergie als Teil der europäischen Energiewende. In der Migrationspolitik vertritt er eine Position, die humanitäre Verantwortung mit strengerer Grenzkontrolle verbindet.
EU-Rolle
Als Präsident Frankreichs – einer der beiden größten EU-Volkswirtschaften und einzige Atommacht der EU – hat Macron erhebliches Gewicht im Europäischen Rat. Die deutsch-französische Achse bleibt ein zentrales Element der EU-Politik, auch wenn Differenzen in der Energie- und Verteidigungspolitik bestehen.
Im ersten Halbjahr 2022 führte Frankreich die EU-Ratspräsidentschaft, in der unter anderem das EU-Lieferkettengesetz und Fortschritte beim Klimapaket „Fit for 55“ erzielt wurden. Macron setzte sich zudem für eine Erweiterung der EU um die Westbalkan-Staaten ein, nachdem er zuvor Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien blockiert hatte. Darüber hinaus trieb er das Konzept einer „Europäischen Politischen Gemeinschaft“ voran – ein informelles Forum, das EU-Mitglieder und Nachbarstaaten wie die Ukraine, Großbritannien oder die Türkei an einen Tisch bringen soll.
Die Sorbonne-Reden
Am 26. September 2017, nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt, hielt Macron an der Pariser Universität Sorbonne eine programmatische Grundsatzrede zur Zukunft der Europäischen Union. In knapp zwei Stunden entwarf er eine umfassende Vision für die europäische Souveränität, die weit über das hinausging, was andere Staats- und Regierungschefs bis dahin vorgeschlagen hatten. Er forderte unter anderem ein gemeinsames Eurozonen-Budget mit eigenem Finanzminister, eine europäische Interventionsinitiative in der Verteidigung, eine gemeinsame Asylbehörde, eine europäische Digitalsteuer für Tech-Konzerne sowie eine Neuausrichtung der Agrarpolitik. Die Rede wurde international als Versuch gedeutet, die EU nach dem Brexit-Schock und der Wahl Donald Trumps neu zu positionieren.
Im April 2024 kehrte Macron für eine zweite Sorbonne-Rede an denselben Ort zurück – diesmal in einem völlig veränderten geopolitischen Umfeld. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Energiekrise und die wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von China hatten die europäische Sicherheitsarchitektur grundsätzlich verändert. Macrons Tonfall war deutlich schärfer als 2017. Er warnte, Europa könne „sterben“, wenn es nicht entschlossen handele. Konkret forderte er eine europäische Verteidigungsstrategie mit eigenem nuklearem Schutzschirm, eine massive Aufstockung der Verteidigungsausgaben, eine europäische Industriepolitik nach dem Vorbild des amerikanischen Inflation Reduction Act sowie eine Reform der EU-Entscheidungsstrukturen – insbesondere die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips in der Außen- und Sicherheitspolitik. Die zweite Sorbonne-Rede wurde als Bilanz seiner bisherigen EU-Politik gelesen: Vieles von dem, was er 2017 vorgeschlagen hatte, war an den Realitäten der europäischen Konsensfindung gescheitert.
Innenpolitische Herausforderungen
Macrons Präsidentschaft ist innenpolitisch von einer Reihe schwerer Krisen geprägt. Bereits im November 2018 brach die Bewegung der Gilets jaunes (Gelbwesten) aus, ausgelöst durch eine geplante Erhöhung der Ökosteuer auf Diesel und Benzin. Was als Protest gegen steigende Lebenshaltungskosten begann, weitete sich rasch zu einer breiten Bewegung gegen soziale Ungleichheit und die als elitär wahrgenommene Politik Macrons aus. Wochenlang kam es zu teils gewaltsamen Demonstrationen in Paris und anderen Städten, der Triumphbogen wurde beschädigt, Geschäfte auf den Champs-Élysées geplündert. Macron reagierte mit Rücknahmen der Steuererhöhung, Soforthilfen für Geringverdiener und der Einberufung einer „Grand Débat National“ – einer landesweiten Bürgerdebatte.
Die nächste große innenpolitische Krise folgte 2023 mit der Rentenreform. Das Vorhaben, das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 Jahre anzuheben, stieß in Frankreich auf überwältigende Ablehnung: Umfragen zeigten eine Gegnerschaft von bis zu 70 Prozent der Bevölkerung. Millionen Menschen gingen auf die Straße, Streiks legten den öffentlichen Nahverkehr und die Müllabfuhr lahm. Da Macrons Regierung keine Mehrheit in der Nationalversammlung hatte, setzte Premierministerin Élisabeth Borne das Gesetz über Artikel 49.3 der Verfassung durch – ein Instrument, das die Verabschiedung eines Gesetzes ohne Abstimmung ermöglicht, sofern ein anschließendes Misstrauensvotum scheitert. Dieses Vorgehen verschärfte die Legitimationskrise zusätzlich.
Im Juni 2024 traf Macron eine Entscheidung, die selbst enge Verbündete überraschte: Nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Europawahl – Renew Europe verlor deutlich, während Marine Le Pens Rassemblement National stärkste Kraft wurde – löste er die Nationalversammlung auf und rief Neuwahlen aus. Das Ergebnis war für Macron ernüchternd: Weder sein Lager noch Le Pens Partei noch das linke Bündnis Nouveau Front Populaire errangen eine absolute Mehrheit. Frankreich befand sich in einer Situation der Cohabitation, in der der Präsident gezwungen ist, mit einem Premierminister zu regieren, der nicht seinem eigenen politischen Lager angehört. Diese Konstellationen – zuletzt erlebt unter Jacques Chirac und Lionel Jospin (1997–2002) – schränken den Handlungsspielraum des Präsidenten erheblich ein und erschweren Macrons Reformagenda für die verbleibende Amtszeit bis 2027.
Verhältnis zu Deutschland
Die deutsch-französische Partnerschaft bildet seit den Anfängen der europäischen Integration das politische Rückgrat der EU. Macron hat diese Achse Paris-Berlin stets als unverzichtbar bezeichnet und mit Nachdruck gepflegt. Am 22. Januar 2019 unterzeichneten er und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Aachener Rathaus den „Vertrag von Aachen“ – eine Ergänzung des Élysée-Vertrags von 1963, die eine vertiefte Zusammenarbeit in Außen- und Sicherheitspolitik, Wirtschaft, Bildung und in den Grenzregionen vorsieht. Der Vertrag sieht unter anderem einen gemeinsamen Deutsch-Französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrat vor.
Trotz dieser institutionellen Nähe bestehen erhebliche Spannungen. Die Energiepolitik ist ein zentraler Konfliktpunkt: Frankreich setzt auf Kernenergie als klimaneutrale Stromquelle und drängt darauf, Atomstrom in der EU-Taxonomie als nachhaltig einzustufen. Deutschland verfolgte unter der Ampel-Koalition einen Kurs des Atomausstiegs und setzte stärker auf Erdgas als Übergangstechnologie. Dieser Grundkonflikt durchzog zahlreiche EU-Verhandlungen. Auch bei der Frage gemeinsamer europäischer Schulden – von Macron stets befürwortet, in Berlin traditionell skeptisch betrachtet – blieben Differenzen bestehen.
Ein positives Beispiel der Zusammenarbeit war der gemeinsame Corona-Wiederaufbaufonds „NextGenerationEU“ im Umfang von 750 Milliarden Euro, den Macron und Merkel im Mai 2020 gemeinsam vorschlugen. Erstmals einigten sich die beiden Länder auf eine gemeinsame Schuldenaufnahme auf EU-Ebene – ein Durchbruch, der ohne den Druck der Pandemie kaum vorstellbar gewesen wäre. Mit dem Wechsel zu Olaf Scholz als Bundeskanzler Ende 2021 und später zu Friedrich Merz veränderte sich die Dynamik. Die persönliche Chemie zwischen Macron und Scholz galt als unterkühlt, gemeinsame Initiativen blieben hinter den Erwartungen zurück. Beobachter sprachen von einem „deutsch-französischen Motor, der stottert“. Mit Merz sucht Macron einen pragmatischeren Neuanfang, wobei die Grundkonflikte in der Energie- und Fiskalpolitik bestehen bleiben.
| Zeitraum | Amt / Position | Institution |
|---|---|---|
| 2022–2027 | Präsident (2. Amtszeit) | Französische Republik |
| 2017–2022 | Präsident (1. Amtszeit) | Französische Republik |
| 2014–2016 | Wirtschaftsminister | Französische Regierung |
| 2012–2014 | Wirtschaftsberater des Präsidenten | Élysée-Palast |
| 2008–2012 | Investmentbanker | Rothschild & Co |
| 2004–2008 | Inspecteur des Finances | Französisches Finanzministerium |
2024: Macron loest Nationalversammlung auf – EU-Wahl als nationaler Kollaps
Am 9. Juni 2024, unmittelbar nach der Europawahl, loeste Emmanuel Macron die franzosische Nationalversammlung auf und rief Neuwahlen aus. Seine Begruendung: Die EU-Niederlage (Renaissance: 14,6%, RN: 31,4%) koenne nicht ohne politische Konsequenzen bleiben. Es war eine Hochrisiko-Entscheidung. Im zweiten Wahlgang sicherte das linke NFP-Buendnis die Mehrheit gegen den RN. Macron verlor die absolute Mehrheit; Frankreich hatte erstmals seit Jahren eine Cohabitation. Die EU-Wahl war damit der direkte Ausloser einer nationalen Regierungskrise. Kein anderer EU-Staat reagierte auf die EP-Wahl 2024 mit vergleichbar radikalen politischen Konsequenzen.
Häufige Fragen
Kann Macron ein drittes Mal kandidieren?
Welche Rolle spielt Frankreich in der EU?
Was ist die „europäische Souveränität“?
Was war die Sorbonne-Rede 2024?
Was bedeutet Cohabitation?
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