Studierende diskutieren Politik auf dem Universitätscampus in Halle

Halle (Saale) — Händel-Stadt mit Forschungsmacht

Key-Facts: Halle (Saale)

  • Einwohner: 240.000
  • Bundesland: Sachsen-Anhalt
  • Oberbürgermeister: Egbert Geier (SPD, seit 2023)
  • Wahlkreis: Halle (72)
  • Besonderheit: Martin-Luther-Universität (1694), Händel-Geburtsstadt, Leopoldina, Franckesche Stiftungen

Halle an der Saale ist Sachsen-Anhalts heimliche Hauptstadt. Gleich groß wie Magdeburg, aber mit älterer Universität, mehr Forschungseinrichtungen und dem Anspruch, das intellektuelle Zentrum des Landes zu sein. Hier wurde Georg Friedrich Händel geboren, hier steht die Leopoldina — die älteste naturwissenschaftliche Akademie der Welt — und hier prägen 20.000 Studierende das Stadtbild.

Die Franckeschen Stiftungen, 1698 als Bildungsanstalt für Waisenkinder gegründet, sind das älteste erhaltene Bildungszentrum Europas. Zusammen mit den Fraunhofer- und Max-Planck-Instituten macht das Halle zu einer Stadt, in der Wissen der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist. Politisch schlägt sich das in moderateren Wahlergebnissen nieder als im ländlichen Umland.

Bundestagswahl 2025 in Halle

Im Wahlkreis Halle zeigte sich das für ostdeutsche Universitätsstädte typische Muster: CDU vorne, AfD auf Platz zwei, aber mit mehr Konkurrenz von links als im Umland.

Partei Halle (72)
CDU26,1%
AfD24,7%
SPD12,8%
Grüne9,6%
BSW9,3%
Linke8,4%
FDP4,2%

Halles Ergebnis ist für Sachsen-Anhalt bemerkenswert ausgewogen. Die Grünen erreichen hier 9,6% — der höchste Wert im gesamten Bundesland. Die Universitätsviertel Paulusviertel und Giebichenstein wählen fast wie westdeutsche Großstädte, während Halle-Neustadt — die DDR-Plattenbausiedlung — stark zur AfD tendiert. Die innerstädtische Spaltung ähnelt der Dresdens.

Universität vs. Halle-Neustadt

Halles politische Geografie ist zweigeteilt. Die Altstadt mit Universität, Marktplatz und Händelhaus wählt bürgerlich bis links-liberal. Halle-Neustadt dagegen — in den 1960ern als sozialistische Modellstadt für die Chemiearbeiter von Leuna und Buna gebaut — ist AfD-Hochburg. Von einst 100.000 Bewohnern leben dort noch 45.000. Leerstand, Abwanderung und soziale Probleme prägen den Stadtteil.

Diese Zweiteilung macht Halle zum Mikrokosmos der ostdeutschen Gesellschaft: Hier die aufstrebende Wissensstadt, dort die schrumpfende Arbeitervorstadt. Wer Sachsen-Anhalts politische Dynamik verstehen will, muss beide Hälften Halles kennen.

Lage

2019: Anschlag auf Synagoge Halle – rechtsterroristisches Attentat erschüttert Deutschland

Am 9. Oktober 2019, dem hohen jüdischen Feiertag Jom Kippur, versuchte ein bewaffneter Rechtsextremist in die Hallenser Synagoge einzudringen. Er wurde durch die verbarrikadierte Tür aufgehalten. Er tötete zwei Menschen außerhalb der Synagoge. Die Tat war live im Internet übertragen worden. Es war das erste Attentat auf eine deutsche Synagoge der Nachkriegsgeschichte. Bundesweit löste der Anschlag eine Debatte über antisemitische Gewalt und Sicherheitsversagen aus. Bei der Bundestagswahl 2021 erzielte die AfD in Halle 16,4 Prozent – unter dem sächsisch-anhaltischen AfD-Schnitt, was Halle als relativ resistenten Punkt zeigte.

Häufige Fragen

Warum ist Halle eine Wissenschaftsstadt?

Halle beherbergt die Martin-Luther-Universität (gegründet 1694), die Leopoldina und mehrere Fraunhofer- und Max-Planck-Institute. Rund 20.000 Studierende prägen das Stadtbild.

Was sind die Franckeschen Stiftungen?

Ein 1698 gegründeter Komplex aus Bildungseinrichtungen, Bibliotheken und Museen — das älteste erhaltene Bildungszentrum Europas.

Ist Halle größer als Magdeburg?

Beide liegen bei rund 240.000 Einwohnern. Halle hat die ältere Universität, Magdeburg ist Landeshauptstadt und bekommt die Intel-Fabrik. Die Rivalität ist legendär.

Mehr dazu: CDU/CSU Umfragen · Erststimme und Zweitstimme · Briefwahl

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