Cottbus — Wo der Kohleausstieg die Wahlurne verändert
Key-Facts: Cottbus
- Einwohner: 100.000
- Bundesland: Brandenburg
- Oberbürgermeister: Tobias Schick (SPD, seit 2022)
- Wahlkreis: Cottbus – Spree-Neiße (64)
- Besonderheit: Kohle-Hauptstadt der Lausitz, BTU, Cottbuser Ostsee, sorbische Minderheit
Cottbus ist die zweitgrößte Stadt Brandenburgs und das Zentrum der Lausitz — einer Region, die wie kaum eine andere in Deutschland vom Strukturwandel betroffen ist. Die Braunkohle war über Jahrzehnte der wichtigste Arbeitgeber. Der Ausstieg bis 2038 bedroht tausende Arbeitsplätze und verändert die politische Landschaft fundamental.
In Cottbus trifft Existenzangst auf Zukunftsversprechen: Der Cottbuser Ostsee — ein ehemaliger Tagebau, der zum größten künstlichen See Deutschlands geflutet wird — soll Tourismus und neue Industrie bringen. Die BTU Cottbus-Senftenberg forscht an Energietechnologien. Aber für viele Cottbuser kommt das zu spät und zu unsicher.
Bundestagswahl 2025
| Partei | Zweitstimme 2025 | Veränderung zu 2021 |
|---|---|---|
| AfD | 31,4% | +8,7 |
| SPD | 19,2% | −3,8 |
| CDU | 16,7% | +4,2 |
| BSW | 13,1% | neu |
| Linke | 5,8% | −7,4 |
| Grüne | 3,4% | −3,1 |
| FDP | 2,1% | −4,2 |
Die Zahlen sprechen für sich: Die AfD erreichte mit 31,4% das stärkste Ergebnis in einer brandenburgischen Großstadt und gewann das Direktmandat. Die Grünen kommen auf nur 3,4% — in der Kohlestadt hat die Partei des Ausstiegs einen schweren Stand. Das BSW holte aus dem Stand 13,1%, vor allem auf Kosten der Linken, die von 13,2% auf 5,8% stürzte.
Die Stimmung in der Lausitz
Der Frust in Cottbus hat konkrete Ursachen: Die Stadt verlor seit 1990 fast 30% ihrer Bevölkerung. Junge, gut ausgebildete Menschen ziehen nach Berlin, Dresden oder Leipzig. Zurück bleiben Ältere und jene, die nicht gehen können oder wollen. Die Aufnahme von Geflüchteten ab 2015 führte zu Konflikten, die bundesweit Schlagzeilen machten.
Gleichzeitig gibt es Lichtblicke: Die BTU wächst, die Ansiedlung neuer Unternehmen im Bereich Wasserstoff und Batterietechnik läuft, und der Cottbuser Ostsee wird ab Ende der 2020er-Jahre nutzbar sein. Ob das reicht, um den politischen Trend zu wenden, ist die entscheidende Frage.
Lage
2024: AfD gewinnt in Cottbus 36 Prozent – ehemaliges SPD-Zentrum komplett umgewählt
Bei der Bundestagswahl 2021 erzielte die AfD im Wahlkreis Cottbus-Spree-Neiße bereits 25,9 Prozent. Bei der Landtagswahl 2024 erzielten AfD-nahe Kandidaten in Cottbus-Stadtteilen über 35 Prozent. Cottbus hatte bis 1990 als Zentrum der ostdeutschen Braunkohle- und Textilwirtschaft eine starke SPD-Tradition. Die Deindustrialisierung nach der Wende kostete bis 2000 rund 30.000 Arbeitsplätze in der Region. SPD und Linke verloren ihre Stammklientel; die AfD füllte das Vakuum. Der Cottbuser Wandel ist das Lehrbuchbeispiel für Wahlverhalten nach wirtschaftlichem Strukturbruch.
Häufige Fragen
Warum ist die AfD in Cottbus so stark?
Kohleausstieg, Arbeitsplatz-Verlust, Abwanderung junger Menschen und Konflikte bei der Flüchtlingsaufnahme — die AfD kanalisiert den Frust über den Strukturwandel und erreicht über 30%.
Was bedeutet der Kohleausstieg für Cottbus?
Der Ausstieg bis 2038 betrifft tausende Arbeitsplätze in Tagebauen und Kraftwerken. Der Cottbuser Ostsee, die BTU und neue Industrie sollen Ersatz schaffen, aber die Transformation dauert Jahrzehnte.
Welcher Wahlkreis gehört zu Cottbus?
Cottbus bildet mit dem Landkreis Spree-Neiße den Wahlkreis 64. Die AfD gewann hier 2025 das Direktmandat.
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