Was denkt Friedrich Merz wirklich? — 5 Thesen zum unbeliebtesten Kanzler seit Jahrzehnten
Friedrich Merz: Die Zahlen
- Partei: CDU — Bundeskanzler seit Mai 2025
- Zustimmung (März 2026): nur 15 % — 84 % unzufrieden (Infratest dimap)
- CDU/CSU in Umfragen (Mai 2026): ~24 % — erstmals hinter AfD
- Kanzlerwahl: Gescheitert im ersten Wahlgang — historisches Novum seit Adenauer
- Sondervermögen: 500 Milliarden Euro Schulden trotz Schuldenbremsen-Versprechen
- Hintergrund: 2016–2020 Aufsichtsratsvorsitzender BlackRock Deutschland
Friedrich Merz ist seit Mai 2025 Bundeskanzler — und schon nach einem Jahr einer der unbeliebtesten Regierungschefs in der Geschichte der Bundesrepublik. 84 Prozent der Deutschen sind laut Infratest dimap mit seiner Arbeit unzufrieden. Die CDU/CSU liegt erstmals in Umfragen hinter der AfD. Und das alles, obwohl Merz mit klaren Versprechen angetreten war. Was steckt hinter dem Absturz?
5 Thesen über Friedrich Merz' echte Positionen
1. Der Anti-Schulden-Mann beschloss die größte Schuldenaufnahme der Nachkriegsgeschichte
Als Oppositionsführer war die Schuldenbremse für Merz „heilig“. Er griff die Ampel-Regierung monatelang für ihre Haushaltspolitik an. Dann, im März 2025 — noch vor seiner Vereidigung als Kanzler — brachte er mit dem alten Bundestag ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen durch. Verfassungsänderung inklusive, mit den Stimmen des scheidenden Parlaments beschlossen. FDP-Chef Lindner nannte es öffentlich: „Merz scheitert an seinen eigenen Versprechen.“
Merz bei Sandra Maischberger — über Ausrüstung, Migration und Sozialreformen. Quelle: ARD/YouTube
2. Er wollte das Bürgergeld abschaffen — und hat es längst vergessen
Im Wahlkampf und bei Maischberger sagte Merz klar: „Das Bürgergeld wird es so nicht mehr geben.“ Er bezeichnete es als „Pullfaktor für Asylbewerber“ (X, Oktober 2024) und als Anreiz, nicht zu arbeiten. Als Kanzler: Das Bürgergeld läuft weiter. Eine Umbenennung zu „Grundsicherung“ ist geplant — echte Leistungskürzungen blieben aus. Die Koalition mit der SPD verhindert radikale Einschnitte.
3. Historisches Schwäczezeichen am ersten Tag: Kanzler erst im zweiten Wahlgang
Am 6. Mai 2025 scheiterte Friedrich Merz im ersten Kanzlerwahlgang. Er ist damit der erste Kanzlerkandidat seit Konrad Adenauer, dem seine eigene Fraktion beim ersten Votum die Mehrheit verweigerte. Die Botschaft war eindeutig: Selbst in der eigenen Partei fehlt das bedingungslose Vertrauen. Was genau in der CDU/CSU-Fraktion schiefgelaufen ist, wurde nie vollständig aufgeklärt — aber das Muster war gesetzt.
4. 84 Prozent Unzufriedenheit — wie konnte das passieren?
Merz hat nach einem Jahr 15 Prozent Zustimmung. Zum Vergleich: Helmut Schmidt hatte in schwierigen Zeiten nie unter 30 Prozent fallen. Der Grund liegt nicht nur bei Merz: Die CDU/CSU regiert mit einer geschwächten SPD (12 Prozent), die keine eigenständige Agenda durchsetzt. Das Ergebnis ist eine Koalition, die niemanden zufriedenstellt — zu wenig Reform für CDU-Wähler, zu wenig Soziales für SPD-Wähler.
| Versprechen (Wahlkampf) | Realität (Mai 2026) |
|---|---|
| Schuldenbremse „heilig“ | 500 Mrd. Sonderschulden beschlossen |
| Bürgergeld abschaffen | Läuft weiter, Umbenennung geplant |
| Migration stark begrenzen | Einige Versschärfungen, kein Systemwechsel |
| Wirtschaft ankurbeln | CDU/CSU in Umfragen gefallen, Konjunktur schwach |
| Starke Regierung führen | Kanzlerwahl im 2. Wahlgang, 84 % unzufrieden |
5. Der BlackRock-Mann: Was sein wirtschaftlicher Hintergrund bedeutet
Von 2016 bis 2020 war Friedrich Merz Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Tochter von BlackRock — dem größten Vermögensverwalter der Welt. Das prägt seinen wirtschaftspolitischen Kurs: Unternehmenssteuern senken, Kapitalmarkt stärken, Regulierung abbauen. Kritiker sehen Interessenkonflikte bei seiner Sondervermögenspolitik. Merz selbst betont: Er hat alle Mandate niedergelegt. Aber der Ruf bleibt.
Das entlarvenste Interview: Presseclub-Analyse (Mai 2026)
Presseclub-Analyse nach einem Jahr Merz: „Kann er noch Kanzler?“ Quelle: ARD/YouTube
Was bedeutet das für die Umfragen?
Die CDU/CSU liegt mit ~24 Prozent erstmals hinter der AfD (~27 Prozent). Das ist historisch: Nie seit Gründung der Bundesrepublik war die CDU nicht die stärkste Kraft. Ob Merz das bis 2029 umkehren kann, hängt davon ab, ob die Koalition in der zweiten Amtshälfte sichtbare Erfolge liefert — bei Wirtschaftswachstum, Migration oder Sicherheit. Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür.
Häufige Fragen
Warum ist Merz so unbeliebt?
Merz hat zentrale Wahlversprechen nicht eingehalten: Die Schuldenbremse wurde mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen faktisch umgangen, das Bürgergeld läuft weiter. Laut Infratest dimap (März 2026) sind 84 Prozent der Deutschen unzufrieden.
Was war das 500-Milliarden-Sondervermögen?
Im März 2025, noch vor seiner Vereidigung, brachte Merz mit dem alten Bundestag ein 500-Milliarden-Sondervermögen durch — für Verteidigung und Infrastruktur. Als Oppositionsführer hatte er die Schuldenbremse als „heilig“ bezeichnet.
Wofür steht Friedrich Merz wirtschaftspolitisch?
Merz steht für Angebotsökonomik: Unternehmenssteuern senken, Regulierung abbauen, Kapitalmarkt stärken. Sein Hintergrund als Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen BlackRock-Tochter (2016–2020) prägt seinen Kurs.
Was sagte Merz über das Bürgergeld?
Im Wahlkampf: „Das Bürgergeld wird es so nicht mehr geben.“ Als Kanzler: Das Bürgergeld läuft weiter, eine Umbenennung zu „Grundsicherung“ ist geplant, echte Kürzungen blieben aus.
