Wahlkreis 186: Dortmund I – Die größte Stadt im Revier
Key-Facts: Wahlkreis 186
- Wahlkreis-Nr.: 186
- Name: Dortmund I
- Bundesland: Nordrhein-Westfalen
- Gebiet: Nördliche Dortmunder Stadtteile
- SPD 2025: 29,4 % | AfD: 18,2 %
- Gewinner BTW 2025: SPD (Erststimme)
Samstag, 15:30 Uhr, Signal Iduna Park: 81.365 Zuschauer, die gelbe Wand steht. Borussia Dortmund ist mehr als ein Fußballverein – der BVB ist das emotionale Zentrum einer ganzen Region. Und der Wahlkreis 186 ist das Herz der BVB-Stadt: die nördlichen Stadtteile Dortmunds, wo das Stadion steht, wo die Nordstadt brodelt, wo am Hafen die Container verladen werden.
Die Nordstadt: Deutschlands größtes Ankunftsviertel
Die Dortmunder Nordstadt ist ein Ort, der sich einfachen Urteilen entzieht. Rund 60.000 Menschen aus über 130 Nationen leben nördlich des Hauptbahnhofs auf engem Raum. Die Arbeitslosenquote ist hoch, die Kinderarmut überdurchschnittlich, die Kriminalitätsstatistik belastet. Gleichzeitig ist die Nordstadt das lebendigste Viertel der Stadt: Türkische Bäckereien neben afrikanischen Friseuren, Kneipe neben Moschee, Altbau neben Gründerzeit-Fassade.
Politisch ist die Nordstadt ein Sorgenkind und ein Wahlkampfthema. Die SPD holt hier ihre Stimmen, die AfD ebenfalls – aus völlig unterschiedlichen Motivationen. Die einen wählen aus Tradition und Solidaritätsgedanken, die anderen aus Protest gegen Verhältnisse, die sie als unkontrolliert empfinden.
Hafen und Logistik: Dortmunds wirtschaftlicher Norden
Der Dortmunder Hafen am Dortmund-Ems-Kanal ist einer der größten Binnenhäfen Deutschlands. Container, Kohle (historisch), Stahl, Getreide – was hier umgeschlagen wird, zeigt die Handelsverbindungen der Region. Rund um den Hafen hat sich ein Logistik-Cluster entwickelt: Speditionen, Lagerhallen, Distributionszentren. Die Logistikbranche ist für Dortmund das, was früher Stahl und Kohle waren – der größte Arbeitgeber im Blue-Collar-Bereich.
Erststimmen: Bundestagswahl 2025
| Partei | Erststimmen 2025 | Rang |
|---|---|---|
| SPD | 29,4 % | 1 – Direktmandat |
| CDU | 22,8 % | 2 |
| AfD | 18,2 % | 3 |
| BSW | 7,4 % | 4 |
| Grüne | 7,0 % | 5 |
| FDP | 3,6 % | 6 |
| Sonstige | 11,6 % | – |
Die SPD gewinnt mit knapp 30 Prozent – solide, aber Lichtjahre entfernt von den Zeiten, als Dortmund selbstverständlich über 40 Prozent SPD wählte. Die AfD ist mit 18,2 Prozent drittstärkste Kraft. In den nördlichen Stadtteilen mit hoher Arbeitslosigkeit und sichtbarer Zuwanderung findet sie überdurchschnittlich Zuspruch. Das BSW kommt aus dem Stand auf 7,4 Prozent – ein bemerkenswerter Wert für eine neue Partei.
Strukturwandel: Vom Stahl zum Service
Dortmund hat den Strukturwandel brutaler erlebt als die meisten Ruhrgebietsstädte. In den achtziger und neunziger Jahren schlossen Zechen und Stahlwerke in rascher Folge. Die Hoesch-Stahl AG, einst mit über 30.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber, wurde aufgekauft, verkleinert, am Ende fast aufgelöst. Heute arbeiten auf dem ehemaligen Hoesch-Gelände am Borsigplatz IT-Unternehmen und Start-ups.
Der Borsigplatz – Gründungsort von Borussia Dortmund – ist eines dieser Viertel, in denen Geschichte und Gegenwart aufeinanderprallen: Denkmalgeschützte Arbeitersiedlungen neben Leerstand, BVB-Fahnen an den Balkonen, türkische Moschee um die Ecke. Es ist ein Ort, an dem sich ablesen lässt, was Strukturwandel für konkrete Menschen bedeutet.
Historische Ergebnisse
| Bundestagswahl | Gewinner |
|---|---|
| 2025 | SPD |
| 2021 | SPD |
| 2017 | SPD |
Lage des Wahlkreises
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Häufige Fragen
Was ist die Dortmunder Nordstadt?
Dortmunds größter zusammenhängender Altbau-Stadtteil nördlich des Hauptbahnhofs. Rund 60.000 Einwohner aus über 130 Nationen. Sozialer Brennpunkt, aber auch kreatives Zentrum mit Galerien, Gastro und multikulturellem Alltagsleben.
Ist Dortmund die größte Stadt im Ruhrgebiet?
Ja. Mit rund 600.000 Einwohnern ist Dortmund die bevölkerungsreichste Stadt der Region, vor Essen und Duisburg.
Was unterscheidet Dortmund I von Dortmund II?
Dortmund I umfasst die nördlichen Stadtteile (Nordstadt, Hafen, Eving, Scharnhorst). Dortmund II den Süden (Hombruch, Hörde, TU Dortmund). Der Norden ist stärker von sozialen Problemen geprägt, der Süden bürgerlicher und akademischer.
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