Wahlkreis 124: Groß-Gerau – Wo der Fluglärm die Wahlentscheidung beeinflusst
Alle 90 Sekunden ein Flugzeug. Wer in Raunheim, Mörfelden-Walldorf oder Kelsterbach wohnt, lebt unter der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Der Fluglärm ist hier nicht nur Alltagsbelastung, sondern politisches Dauerthema – und einer der Gründe, warum der Wahlkreis 124 sich von seinen Nachbarn unterscheidet.
Key-Facts: Wahlkreis 124
- Wahlkreis-Nr.: 124
- Bundesland: Hessen
- Städte: Rüsselsheim, Groß-Gerau, Raunheim, Mörfelden-Walldorf
- Einwohner: ~275.000
- Wahlberechtigte: ~190.000
- Gewinner 2025: CDU (27,1 %)
- Gewinner 2021: SPD
Rüsselsheim: Die Opel-Stadt im Umbruch
Adam Opel gründete 1862 in Rüsselsheim seine Nähmaschinen-Fabrik, die später zum Autobauer wurde. Opel machte Rüsselsheim zur Industriestadt – und die Industriestadt machte die SPD stark. In den Hochzeiten arbeiteten über 30.000 Menschen im Werk. Heute, nach General Motors, PSA und Stellantis, sind es noch rund 7.000. Der Stellenabbau hat die Stadt gezeichnet, aber nicht gebrochen: Das Engineering-Center entwickelt weiter Fahrzeuge, und der Name Opel bleibt prägend.
Fluglärm: Das Thema, das nie verschwindet
Der Frankfurter Flughafen ist der größte Arbeitgeber der Region – und gleichzeitig die größte Belastung. Die 2011 eröffnete Landebahn Nordwest brachte zusätzlichen Fluglärm über Gemeinden, die vorher weniger betroffen waren. Bürgerinitiativen gegen Fluglärm sind im Wahlkreis politische Machtfaktoren. Jede Partei, die hier kandidiert, muss zum Thema Stellung beziehen.
Erststimmen 2025
| Partei | Erststimmen |
|---|---|
| CDU | 27,1 % |
| SPD | 26,4 % |
| AfD | 15,2 % |
| Grüne | 10,6 % |
| BSW | 5,8 % |
| FDP | 4,8 % |
| Linke | 3,6 % |
| Sonstige | 6,5 % |
Nur 0,7 Prozentpunkte trennen CDU und SPD. Der Wahlkreis, der seit den 1960er Jahren meist sozialdemokratisch wählte, ist 2025 erstmals wieder an die CDU gefallen. Der Strukturwandel bei Opel und die nachlassende Gewerkschaftsbindung haben die SPD-Basis erodiert.
Lage des Wahlkreises
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2017: CDU-Absturz bei 32,9 Prozent – schlechtestes Ergebnis seit 1949
Die Bundestagswahl 2017 brachte für die CDU/CSU das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der Bundesrepublik: 32,9 Prozent. Dennoch blieb Angela Merkel Kanzlerin. Grund: SPD (20,5 Prozent) und Linke (9,2 Prozent) hatten zusammen keine Mehrheit für eine Linkskoalition. Die AfD (12,6 Prozent) zog mit 94 Abgeordneten in den Bundestag ein. FDP kehrte mit 10,7 Prozent zurück. Der Bundestag wuchs auf 709 Sitze. Die Jamaika-Sondierungen scheiterten nach 4 Wochen. Ergebnis: Große Koalition, obwohl SPD-Chef Martin Schulz das kategorisch ausgeschlossen hatte. Die Wähler bestraften beide Volksparteien.
Häufige Fragen
Was bedeutet Opel für Rüsselsheim?
Opel prägt Rüsselsheim seit 1862. Die Stadt wurde um das Werk herum gebaut. Auch nach mehreren Eigentümerwechseln bleibt Opel/Stellantis der wichtigste Arbeitgeber – allerdings mit deutlich weniger Stellen als in der Hochphase.
Wie beeinflusst der Flughafen die Politik?
Der Fluglärm über den südlichen Gemeinden ist ein Dauerthema. Bürgerinitiativen haben politischen Einfluss, und das Nachtflugverbot wird regelmäßig debattiert. Der Flughafen ist gleichzeitig größter Arbeitgeber und größte Belastung.
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