Wahlkreis 119: Wiesbaden – Die stille Hauptstadt, die lauter wählt als man denkt
Wiesbaden ist die Landeshauptstadt, die im Schatten Frankfurts steht. Keine Skyline, keine Börse, kein Flughafen. Stattdessen: Kurhaus, Casino, heiße Quellen und eine gepflegte Bürgerlichkeit, die sich im Wahlergebnis widerspiegelt. Doch der Schein trügt – Wiesbaden ist politisch umkämpfter, als die Fassade vermuten lässt.
Key-Facts: Wahlkreis 119
- Wahlkreis-Nr.: 119
- Bundesland: Hessen
- Gebiet: Landeshauptstadt Wiesbaden
- Einwohner: ~283.000
- Wahlberechtigte: ~198.000
- Gewinner 2025: CDU (31,2 %)
- Gewinner 2021: SPD
BKA, Destatis und die Kurstadt
Wiesbaden ist Sitz zweier Bundesbehörden, die jeder kennt: Das Bundeskriminalamt (BKA) koordiniert von hier aus die Verbrechensbekämpfung in Deutschland. Das Statistische Bundesamt (Destatis) liefert die Zahlen, über die Politiker im Bundestag streiten. Beide Behörden beschäftigen zusammen mehrere tausend Menschen und machen die Stadt zu einem der größten öffentlichen Arbeitgeber-Standorte Hessens.
Daneben lebt Wiesbaden von seiner Kurtradition. 26 heiße Quellen, das neoklassizistische Kurhaus und die Spielbank ziehen Besucher an. Die Villengebiete am Neroberg und in Sonnenberg gehören zu den gehobenen Wohnlagen der Rhein-Main-Region.
SPD-Tradition in einer bürgerlichen Stadt
Wiesbaden ist bürgerlich, aber nicht durchgehend konservativ. In den westlichen und südlichen Stadtteilen – Biebrich, Kastel, Kostheim – hat die SPD eine starke Basis. Diese Viertel sind stärker industriell geprägt und haben einen höheren Migrationsanteil. 2021 reichte das für ein SPD-Direktmandat. 2025 nicht mehr: Die CDU holte den Wahlkreis mit 31,2 % zurück.
Erststimmen 2025
| Partei | Erststimmen |
|---|---|
| CDU | 31,2 % |
| SPD | 23,1 % |
| Grüne | 12,6 % |
| AfD | 13,4 % |
| BSW | 5,2 % |
| FDP | 5,8 % |
| Linke | 3,6 % |
| Sonstige | 5,1 % |
Direktmandate seit 2017
| Wahl | Gewinner |
|---|---|
| 2025 | CDU |
| 2021 | SPD |
| 2017 | CDU |
Lage des Wahlkreises
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Die Bundestagswahl 2009 war der Triumph der FDP: 14,6 Prozent – das beste Ergebnis in der Geschichte der Partei. Guido Westerwelle wollte Kanzler werden, wurde Vizekanzler. CDU/CSU (33,8 Prozent) + FDP bildeten eine Mitte-Rechts-Koalition. Die SPD kollabierte auf 23,0 Prozent – ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949. Die Grünen wuchsen auf 10,7 Prozent. Die Linke hielt sich mit 11,9 Prozent. Während die FDP bundesweit glanzvolle Zweitstimmen-Ergebnisse holte, gewann sie kein einziges Direktmandat – das Kennzeichen einer reinen Listenpartei. Vier Jahre später war sie aus dem Bundestag.
Häufige Fragen
Warum ist Wiesbaden Landeshauptstadt und nicht Frankfurt?
Nach dem Krieg wurde das weniger zerstörte Wiesbaden zur Verwaltungshauptstadt des neu gegründeten Landes Hessen bestimmt. Frankfurt erhielt andere Funktionen – unter anderem als späterer Finanzplatz.
Welche Bundesbehörden sitzen in Wiesbaden?
Das Bundeskriminalamt (BKA) und das Statistische Bundesamt (Destatis) haben ihren Hauptsitz in Wiesbaden. Beide sind wichtige Arbeitgeber und prägen den öffentlichen Sektor der Stadt.
Wie bürgerlich ist Wiesbaden wirklich?
Die Villengebiete am Neroberg prägen das Image, aber Stadtteile wie Biebrich und die Mainzer Vororte Kastel und Kostheim sind deutlich diverser und sozialdemokratischer. Wiesbaden ist politisch vielfältiger als sein Ruf.
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