Wahlkreis 114: Fulda – 40,2 Prozent CDU und die Kraft des katholischen Milieus
40,2 Prozent. In einer Zeit, in der Volksparteien um 30 Prozent kämpfen, ist dieses Ergebnis bemerkenswert. Der Wahlkreis 114 Fulda liefert der CDU ihr stärkstes Ergebnis in ganz Hessen – und das ist kein Zufall. Hier wirkt ein Faktor, der in vielen anderen Teilen des Landes längst verblasst ist: das katholische Milieu.
Steckbrief: Wahlkreis 114
- Wahlkreis-Nr.: 114
- Bundesland: Hessen
- Gebiet: Stadt Fulda, Landkreis Fulda
- Einwohner: ~221.000
- Wahlberechtigte: ~167.000
- Gewinner 2025: CDU (40,2 %)
- Gewinner 2021: CDU
- Gewinner 2017: CDU
Bonifatius, Barock und Bischofskonferenz
Die Geschichte Fuldas beginnt im Jahr 744, als der angelsächsische Missionar Bonifatius ein Kloster gründete. Sein Grab im Dom zu Fulda ist bis heute ein Wallfahrtsziel. Die Fuldaer Bischofskonferenz tagte hier über Jahrhunderte, und noch immer trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz regelmäßig in der Stadt. Fulda ist eine der wenigen Regionen Hessens, die durchgehend katholisch geprägt sind – das protestantische Nordhessen und das gemischte Rhein-Main-Gebiet bilden den Kontrast.
Die Barockstadt zeigt dieses Erbe architektonisch: Dom, Stadtschloss und das Päpstliche Priesterseminar bestimmen das Stadtbild. Diese kulturelle Identität übersetzt sich in politische Treue: Die CDU hat den Wahlkreis bei jeder Bundestagswahl seit 1949 gewonnen – mit Ausnahme des SPD-Erdrutschs von 1972 unter Willy Brandt.
Logistik-Drehscheibe in Deutschlands Mitte
Fulda liegt am Kreuzungspunkt der Autobahnen A7 (Hamburg–Würzburg) und A66 (Frankfurt–Fulda). Diese Lage hat die Stadt zu einem Logistik-Hub gemacht: Speditionen, Distributionszentren und Zulieferbetriebe prägen die Wirtschaftsstruktur neben dem traditionellen Mittelstand. Der Reifenhersteller Fulda (heute Goodyear) hatte hier seinen Ursprung – der Name lebt als Marke weiter.
Erststimmen 2025
| Partei | Erststimmen |
|---|---|
| CDU | 40,2 % |
| SPD | 18,4 % |
| AfD | 16,8 % |
| Grüne | 6,9 % |
| BSW | 5,4 % |
| FDP | 5,1 % |
| Linke | 2,1 % |
| Sonstige | 5,1 % |
Die CDU liegt mehr als 20 Prozentpunkte vor der zweitplatzierten SPD. Bemerkenswert: Selbst die AfD bleibt mit 16,8 % unter dem Landesdurchschnitt – das katholische Milieu bindet konservative Wähler an die CDU und bremst den Aufstieg der Rechtspopulisten.
Lage des Wahlkreises
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2025: Wahlrechtsreform wirkt – 630 Sitze statt möglicher 800
Die Bundestagswahl 2025 war die erste nach der Wahlrechtsreform 2023. Das Ergebnis: genau 630 Sitze – nicht mehr. CDU/CSU gewann 208 Direktmandate, von denen aber einige wegen fehlender Zweitstimmen-Deckung nicht besetzt wurden. AfD: 160 Sitze, SPD: 120, Grüne: 85. FDP (4,3 Prozent) und Linke (3,8 Prozent) scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Die Wahlkreiskarte: Westdeutschland mehrheitlich schwarz (CDU/CSU), Ostdeutschland mehrheitlich blau (AfD). Friedrich Merz wurde am 6. Mai 2025 Bundeskanzler – erste Regierung ohne FDP seit 1998.
Häufige Fragen
Warum ist Fulda so eine starke CDU-Hochburg?
Die Region ist katholisch geprägt – ein Erbe des Klosters und Bistums Fulda. Katholische Regionen in Deutschland wählen traditionell überdurchschnittlich häufig CDU/CSU. In Fulda ist diese Bindung besonders stabil geblieben.
Hat die SPD den Wahlkreis jemals gewonnen?
Einmal: 1972, beim Erdrutschsieg Willy Brandts, ging Fulda knapp an die SPD. Seitdem hat die CDU jeden Wahlgang gewonnen – meist mit deutlichem Vorsprung.
Welche Rolle spielt Fulda als Logistik-Standort?
Die Lage am Schnittpunkt von A7 und A66 macht Fulda zu einem wichtigen Knotenpunkt. Speditionen und Distributionszentren profitieren von der zentralen Lage in Deutschland.
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