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Abgeordneter gibt ein TV-Statement am Bundestag ab

Was verdienen Abgeordnete?

Key-Facts

  • Diäten (brutto): Ca. 11.300 €/Monat (Stand Juli 2025)
  • Kostenpauschale: Ca. 4.700 €/Monat (steuerfrei)
  • Mitarbeiterpauschale: Ca. 24.000 €/Monat für Büromitarbeiter
  • Altersversorgung: Max. 67,5 % der Diäten nach 27 Jahren
  • Nebeneinkünfte: Seit 2021 auf Euro und Cent öffentlich

Die Bezahlung von Bundestagsabgeordneten ist ein Dauerthema in der öffentlichen Debatte. Die einen halten die Diäten für zu hoch, die anderen argumentieren, dass eine angemessene Entschädigung nötig ist, um das Mandat auch für Menschen ohne Vermögen attraktiv zu machen. Dieser Ratgeber erklärt die verschiedenen Bestandteile der Abgeordnetenentschädigung sachlich und im Detail.

Die Abgeordnetenentschädigung (Diäten)

Die monatliche Entschädigung der Bundestagsabgeordneten (umgangssprachlich „Diäten“) orientiert sich an den Bezügen eines Richters am Bundesgerichtshof (Besoldungsgruppe R 6). Seit der Reform von 2014 wird die Entschädigung jährlich automatisch an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst, ohne dass der Bundestag jedes Mal darüber abstimmen muss.

Leistung Betrag (ca.) Steuerpflicht
Abgeordnetenentschädigung (Diäten) 11.300 €/Monat Ja (Einkommensteuer)
Amtszulage (Präsident, Vize, Fraktionsführung) Bis 100 % Zuschlag Ja
Kostenpauschale 4.700 €/Monat Nein (steuerfrei)
Mitarbeiterpauschale Ca. 24.000 €/Monat Zweckgebunden (Büromitarbeiter)
Sachleistungen Büro im Bundestag, IT, BahnCard 100

Quelle: Deutscher Bundestag, Abgeordnetengesetz.

Die Kostenpauschale

Neben den Diäten erhalten Abgeordnete eine steuerfreie Kostenpauschale, die mandatsbezogene Ausgaben abdecken soll. Dazu gehören:

Wählerinnen und Wähler im Wahllokal bei der Stimmabgabe — Demokratie in Deutschland
Im Wahllokal: Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme ab.
  • Wahlkreisbüro (Miete, Ausstattung, Betriebskosten)
  • Zweitwohnung in Berlin
  • Fahrten im Wahlkreis
  • Repräsentationsausgaben und Gastgeschenke
  • Büromaterial und Porto

Über die Verwendung der Kostenpauschale müssen Abgeordnete keine Einzelnachweise erbringen – ein regelmäßiger Kritikpunkt.

Plenarsaal des Bundestages während einer Debatte
Im Plenarsaal wird über Gesetze debattiert – und auch über die eigene Entschädigung.

Altersversorgung

Bundestagsabgeordnete erwerben mit jedem Jahr im Bundestag Ansprüche auf Altersentschädigung. Pro Jahr steigt der Anspruch um 2,5 % der Diäten. Der Höchstsatz von 67,5 % wird nach 27 Jahren erreicht. Das Mindestalter für den Bezug der Altersentschädigung liegt bei 67 Jahren (Regelaltersgrenze).

Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer erreicht nach 45 Beitragsjahren eine Rente von etwa 48 % seines letzten Nettolohns. Die Altersversorgung der Abgeordneten ist daher deutlich überproportional – was regelmäßig kritisiert wird.

Nebeneinkünfte und Transparenz

Seit 2021 müssen Abgeordnete ihre Nebeneinkünfte auf Euro und Cent genau veröffentlichen. Zuvor galten nur grobe Stufen. Die Transparenz soll Interessenkonflikte aufdecken und das Vertrauen der Öffentlichkeit stärken.

Bekannte Fälle hoher Nebeneinkünfte (z.B. aus Beratungstätigkeiten, Anwaltskanzleien oder Unternehmensbeteiligungen) haben in der Vergangenheit immer wieder für öffentliche Diskussionen gesorgt. Kritiker sehen darin einen Beleg für die Nähe von Politik und Wirtschaft (vgl. Lobbyismus und Bundestag).

Internationaler Vergleich

Im internationalen Vergleich liegen die Diäten deutscher Abgeordneter im Mittelfeld. US-Senatoren und Repräsentanten erhalten umgerechnet ca. 15.000 € monatlich, britische Abgeordnete ca. 8.500 € und französische Abgeordnete ca. 7.400 €. Der Vergleich ist jedoch nur bedingt aussagekräftig, da die Nebenleistungen (Pauschalen, Mitarbeiter, Altersversorgung) stark variieren.

Der Freitagabend-Coup: Die Diätenerhöhung 1995

Am 22. September 1995, einem Freitag um 22:47 Uhr, stimmte der Bundestag in nahezu leeren Rängen mit 373:157 Stimmen für eine Diätenerhöhung von 41,5 Prozent — von 9.390 auf 13.270 DM monatlich. Die Abstimmung war nicht im Tagesplan angekündigt, die Medien nicht informiert, die Öffentlichkeit ausgeschlossen. SPD und CDU/CSU hatten sich über Fraktionsgrenzen hinweg abgestimmt. Als die Bild-Zeitung am Samstag die Überschrift „Skandal: Bundestag erhöht heimlich Gehälter um 41 Prozent“ druckte, brach ein Sturm los. Innerhalb von 72 Stunden forderten 620.000 Bürger per Petitionen die Rücknahme. Bundeskanzler Kohl nannte die Erhöhung „einen Fehler“ — obwohl seine eigene Fraktion mehrheitlich dafür gestimmt hatte. Am 28. September 1995, sechs Tage später, stimmte der Bundestag erneut: diesmal für die Rücknahme. Ein kompletter parlamentarischer Selbstbeschuss — und der Ausgangspunkt für die heute geltende automatische Indexierung der Diäten an den Nominallohnindex.

Diäten 2024: Zahlen, Kontroversen und die Reform von 2014

Die Abgeordnetenentschädigung lag 2024 bei 10.591 Euro brutto monatlich; zusätzlich erhalten Abgeordnete eine steuerfreie Kostenpauschale von 4.410 Euro für Wahlkreisbüro, Zweitwohnung und Reisen. Dazu kommen bis zu fünf Mitarbeiter, ein Büro im Bundestag und eine BahnCard 100. Der politisch heikelste Aspekt: Bis 2014 konnten Abgeordnete ihre Diäten per einfachen Beschluss selbst erhöhen — das sogenannte Selbstbewilligungsrecht. 1995 führte das zu einem Skandal, als der Bundestag an einem Freitagabend mit kaum öffentlicher Aufmerksamkeit eine Diätenerhöhung von über 40 Prozent beschloss und sechs Tage später unter Protest wieder zurücknahm. Seit der Reform 2014 werden Diäten automatisch an den Nominallohnindex angepasst — ohne jede Abstimmung. Rentenanspruch: Seit 2014 zahlen Abgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung ein, die ältere Parlamentarier-Sonderversorgung wurde abgeschafft. Nebeneinkünfte und Lobbyismus im Bundestag →

Häufige Fragen

Wie hoch sind die Diäten der Bundestagsabgeordneten?

Die monatliche Abgeordnetenentschädigung (Diäten) beträgt seit Juli 2025 rund 11.300 € brutto. Sie wird jährlich an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst.

Bekommen Abgeordnete eine Pension?

Ja. Nach mindestens einem Jahr Zugehörigkeit zum Bundestag erwerben Abgeordnete Ansprüche auf Altersentschädigung. Der Höchstanspruch (67,5 % der Diäten) wird nach 27 Jahren erreicht.

Müssen Abgeordnete Nebeneinkünfte offenlegen?

Ja. Seit 2005 müssen Abgeordnete Nebentätigkeiten und Nebeneinkünfte beim Bundestagspräsidenten anzeigen. Seit 2021 müssen Nebeneinkünfte ab 1.000 € auf Euro und Cent genau veröffentlicht werden.

Was ist die Kostenpauschale?

Neben den Diäten erhalten Abgeordnete eine steuerfreie Kostenpauschale von derzeit rund 4.700 € monatlich für bürospezifische Ausgaben wie Wahlkreisbüro, Zweitwohnung und Fahrtkosten.

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SonntagsfrageCDU/CSU25,3%SPD13,3%Grüne14,0%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,0%Linke10,3%INSA · 11.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%FAZ Politik Nach der Wahl in Ungarn: Péter Magyar steht vor riesigen HerausforderungenWelt Politik Schülerinnen sollen in früherem KZ-Krematorium Hitlergruß gezeigt habenWelt Politik „Komplizenschaft“ durch Zusammenarbeit – Düsseldorfer Studentenparlament fordert Israel-BoykottFAZ Politik Liveblog USA unter Trump: Trump: Könnten als Nächstes in Kuba „vorbeischauen“Spiegel Politik Krankenkassenchef über Gesundheitssystem: ��Extrem teuer, aber maximal durchschnittlich«FAZ Politik Nach der Wahlniederlage: Orbáns Netzwerk auf dem Balkan ist angezähltWelt Politik Trump distanziert sich von Selbstbildnis als Jesus – „Ich dachte, es zeige mich als Arzt“Tagesschau Spritpreis-Paket der Koalition: Ist das der Start in ein Reformjahr?Spiegel Politik AfD: Rüdiger Lucassen zum Rückzug gedrängtTagesschau Verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion zurückgetretenTagesschau "Soziale Schieflage": Deutliche Kritik an Entlastungsplänen der KoalitionSpiegel Politik Friedrich Merz und Katherina Reiche: Machtkampf in der Energiepreis-Krise

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