SPD Wahlergebnisse nach Bundesländern — Landtagswahl-Tabelle
Key-Facts: SPD bei Landtagswahlen
- Stärkstes Ergebnis: Saarland 2022 (43,5%) und MV 2021 (39,6%)
- Schwächstes Ergebnis: Thüringen 2024 (6,1%)
- Hochburgen: Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg
- Schwachpunkte: Sachsen, Thüringen, Bayern, Baden-Württemberg
- Aktuelle Ministerpräsidenten: 6 Länder (NI, HB, HH, MV, BB, Saarland)
Bremen ist rot. Bayern ist es nicht. Dazwischen liegt ein halbes Land — und die gesamte Bandbreite sozialdemokratischer Wahlergebnisse. In der Weser-Hansestadt stellt die SPD seit 1945 den Regierungschef, fast ohne Unterbrechung. In Thüringen holt sie 6,1%. Es ist, als würden zwei verschiedene Parteien in zwei verschiedenen Ländern antreten.
Die folgende Tabelle zeigt die jüngsten Landtagswahlergebnisse der SPD in allen 16 Bundesländern. Wer sie von oben nach unten liest, sieht eine Partei im Umbruch: stark, wo beliebte Ministerpräsidenten regieren, am Rand der Bedeutungslosigkeit, wo sie keine Köpfe hat.
Alle Ergebnisse im Überblick
| Bundesland | Letzte Wahl | SPD-Ergebnis | Trend | Regierungsbeteiligung |
|---|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 2021 | 11,0% | ↓ −1,7 | Nein |
| Bayern | 2023 | 8,4% | ↓ −1,3 | Nein |
| Berlin | 2023 | 18,4% | ↓ −3,1 | Nein |
| Brandenburg | 2024 | 30,9% | ↑ +4,7 | Ja (MP) |
| Bremen | 2023 | 29,8% | ↑ +5,0 | Ja (Bürgermeister) |
| Hamburg | 2025 | 27,0% | ↓ −12,2 | Ja (Bürgermeister) |
| Hessen | 2023 | 15,1% | ↓ −4,6 | Nein |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2021 | 39,6% | ↑ +9,3 | Ja (MP) |
| Niedersachsen | 2022 | 33,4% | ↑ +3,5 | Ja (MP) |
| Nordrhein-Westfalen | 2022 | 26,7% | ↓ −4,5 | Nein |
| Rheinland-Pfalz | 2026 | — | ↓ | Nein (CDU gewann 2026) |
| Saarland | 2022 | 43,5% | ↑ +13,9 | Ja (MP) |
| Sachsen | 2024 | 7,3% | ↓ −0,4 | Ja (Koalition) |
| Sachsen-Anhalt | 2021 | 8,4% | ↓ −2,2 | Ja (Koalition) |
| Schleswig-Holstein | 2022 | 16,0% | ↓ −11,3 | Nein |
| Thüringen | 2024 | 6,1% | ↓ −2,1 | Nein |
Die Kopf-Partei: Warum Personen alles entscheiden
Was die Tabelle nicht zeigt, aber erklärt: Die SPD-Ergebnisse hängen weniger vom Programm ab als von den Köpfen. Manuela Schwesig holte 2021 in Mecklenburg-Vorpommern 39,6% — während die SPD bundesweit bei 26% stand. Anke Rehlinger gewann das Saarland 2022 mit 43,5%, ein Ergebnis, das in der politischen Landschaft der 2020er Jahre wie ein Relikt aus den 1970ern wirkte. Dietmar Woidke rettete Brandenburg 2024 mit einem Wahlkampf, der im Kern lautete: Mich oder die AfD. Es funktionierte.
Umgekehrt zeigt Schleswig-Holstein, was passiert, wenn der Amtsbonus wegfällt: Von 27,3% unter Torsten Albig auf 16,0% ohne SPD-Ministerpräsidenten. Die Partei ohne Gesicht ist eine Partei ohne Stimmen.
West gegen Ost: Zwei Welten
Die Karte der SPD-Ergebnisse teilt Deutschland in zwei Hälften. Im Westen erreicht die Partei 20 bis 35%, im Osten — mit den Ausnahmen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern — oft unter 10%. Sachsen 7,3%, Thüringen 6,1%, Sachsen-Anhalt 8,4%: Das sind Ergebnisse, bei denen die Frage nicht lautet, ob die SPD mitregiert, sondern ob sie über der Fünf-Prozent-Hürde bleibt.
Die Gründe sind historisch: In der DDR gab es keine freie SPD. Nach der Wiedervereinigung fehlten Mitglieder, Strukturen und das Grundvertrauen, das im Westen über Generationen gewachsen war. Dazu kommt die Konkurrenz durch PDS, Linke und jetzt das BSW, die im Osten die Sozialstaats-Nische besetzt haben, die anderswo der SPD gehört.
Verlorene Hochburgen
Nordrhein-Westfalen illustriert den Niedergang am deutlichsten. 40 Jahre ununterbrochene SPD-Regierung, von 1966 bis 2005. Dann: 2022 nur noch 26,7%. Hessen: von 41 Jahren SPD-Regierung (1946–1987) auf 15,1% in der Opposition. Schleswig-Holstein: von 43,1% im Jahr 2000 auf 16,0%. Es sind Verluste, die sich nicht mit einzelnen Wahlereignissen erklären lassen, sondern mit einem tektonischen Wandel der Wählerschaft.
Hamburg 2025: Der größte Einbruch einer regierenden SPD
Die Tabelle verzeichnet für Hamburg 2025 ein Minus von 12,2 Prozentpunkten. Das ist kein Tipp-Fehler. Tschentscher gewann trotzdem — mit 27,0% blieb er Bürgermeister. Aber der Absturz von 39,2% (2020) auf 27,0% ist der größte Einbruch einer regierenden SPD in einer Hamburger Bürgerschaftswahl seit Jahrzehnten.
Die Erklärung: 2020 profitierte die SPD vom Corona-Amtsbonus eines Arztes als Bürgermeister. 2025 war die Pandemie vergessen, die Bundespolitik der Ampel belastete. Tschentscher entkoppelte sich so gut es ging von Berlin — reichte aber nicht. Das Muster ist dasselbe wie in Schleswig-Holstein (27,3% → 16,0%): Wenn der Ampel-Schatten auf den Amtsinhaber fällt, gibt es keine Immunisierung.
Das Schwesig-Paradox: 39,6% in einem Land ohne SPD-Tradition
Mecklenburg-Vorpommern galt lange als schwieriges Terrain. Strukturschwach, hohes AfD-Potential, geringe gewerkschaftliche Bindung. Dann kam Manuela Schwesig (SPD), und 2021 holte die SPD 39,6% — fast doppelt so viel wie der Bundestrend. Der Erfolg beruhte auf einer simplen Gleichung: Schwesig war so bekannt, so lokal verankert und so stark vom Bundesbild der SPD entkoppelt, dass Wähler die Bundes-SPD abstraften, aber die Landes-SPD belohnten. Das ist das Extrembeispiel des "Köpfchen-Effekts" — und es zeigt, dass die SPD ihre Probleme durch gute Kandidaten kurzfristig überwinden kann. Aber nur kurzfristig.
Was die nächsten Wahlen zeigen werden
Die SPD steht vor einer existenziellen Frage: Kann sie ihre verbliebenen Ministerpräsidenten halten? In Niedersachsen (Julia Willie Hamburg), Hamburg (Tschentscher) und Bremen (Bovenschulte) wird es darauf ankommen, ob die nächste Generation ähnlich stark zieht wie die aktuelle. In Rheinland-Pfalz hat Schweitzer 2026 verloren — die längste westdeutsche SPD-Hochburg ist weg. Und in Ostdeutschland wird sich entscheiden, ob die SPD dort überhaupt noch als relevante Kraft existiert — oder ob sie endgültig zur regionalen Westpartei wird.
39 Jahre NRW, 2005 vorbei – wie eine Hochburg verschwindet
Von 1966 bis 2005: Nordrhein-Westfalen war 39 Jahre in Folge SPD-regiert. Das Ruhrgebiet – Gewärkschaften, Stahl, Kohle, Solidarität – galt als unveräußerlich rotes Kernland. Dann verlor die SPD 2005 unter Peer Steinbrück. 2022 kam sie nur noch auf 26,7%. Was passierte? Die soziologische Basis löste sich auf. Strukturwandel, Deindustrialisierung, Bildungsaufstieg verwandelten das Arbeitermilieu. Wer früher SPD wählte, wählt heute CDU – oder AfD, oder gar nicht mehr. Das NRW-Beispiel ist das Lehrbuch dafür, warum Parteien ihre Hochburgen nie als sicher betrachten sollten.
Häufige Fragen
In welchen Bundesländern ist die SPD besonders stark?
Traditionelle SPD-Hochburgen sind Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. In diesen Ländern stellt oder stellte die SPD häufig den Ministerpräsidenten.
Wo schneidet die SPD am schwächsten ab?
In den ostdeutschen Bundesländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt erzielt die SPD regelmäßig einstellige Ergebnisse. Auch in Bayern und Baden-Württemberg liegt sie deutlich unter ihrem Bundesschnitt.
Wie hat sich die SPD bei Landtagswahlen entwickelt?
Die SPD hat bei Landtagswahlen seit den 2000er Jahren einen deutlichen Abwärtstrend erlebt. In vielen westdeutschen Hochburgen verlor sie ihre Mehrheiten, in Ostdeutschland blieb sie meist unter 15 Prozent.
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