Ministerpräsident — Aufgaben, Wahl und Bedeutung
Markus Söder in Bayern, Stephan Weil in Niedersachsen, Kai Wegner in Berlin — sie alle tragen unterschiedliche Titel, aber die gleiche Verantwortung. Der Ministerpräsident ist der mächtigste Politiker eines Bundeslandes: Er bestimmt die Richtlinien der Politik, ernennt und entlässt Minister und vertritt sein Land im Bundesrat.
| Bundesland | Amtsbezeichnung | Parlament |
|---|---|---|
| 13 Flächenländer | Ministerpräsident/in | Landtag |
| Berlin | Regierender Bürgermeister | Abgeordnetenhaus |
| Hamburg | Erster Bürgermeister | Bürgerschaft |
| Bremen | Präsident des Senats | Bürgerschaft |
Gewählt wird er nicht direkt vom Volk, sondern vom Landtag. In der Regel braucht er die absolute Mehrheit. Dafür ist fast immer eine Koalition nötig — und die auszuhandeln dauert nach der Landtagswahl manchmal Wochen.
Warum das Amt auch bundespolitisch wichtig ist: Im Bundesrat stimmen die Ministerpräsidenten über Bundesgesetze ab. Eine Landtagswahl in Hessen kann eine Bundesratsmehrheit kippen. Deshalb sind Ministerpräsidenten oft auch bundespolitische Schwergewichte — und regelmäßig Kanzlerkandidaten ihrer Parteien.
Ministerpräsident als Sprungbrett: Wer auf diese Weise Kanzler wurde
Das Ministerpräsidentenamt gilt als die beste Vorbereitung auf das Kanzleramt — und die Geschichte gibt diesem Ruf Recht:
Konrad Adenauer war Oberstadtdirektor von Köln (kein Ministerpräsident, aber kommunaler Regierungschef). Helmut Kohl war Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz (1969–1976), bevor er CDU-Bundesvorsitzender und später Kanzler wurde. Gerhard Schröder regierte elf Jahre als Ministerpräsident Niedersachsens, bevor er 1998 die Bundestagswahl gewann. Angela Merkel war nie Ministerpräsidentin — sie kam über das Amt der CDU-Bundesvorsitzenden. Und Friedrich Merz war ebenfalls nie Ministerpräsident, sondern Fraktionschef und Parteivorsitzender.
Thüringen 2020: Die Wahl, die die Republik erschütterte
Am 5. Februar 2020 wurde Thomas Kemmerich (FDP) mit nur einer Stimme Mehrheit zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt — mit Stimmen von CDU, FDP und AfD. Es war das erste Mal, dass ein Kandidat im Bundesdeutschen Parlamentarismus mit AfD-Stimmen in ein führendes Regierungsamt gewählt wurde. Der politische Aufschrei war bundesweit. Kemmerich trat drei Tage später zurück. Ramelow (Linke) wurde danach im dritten Wahlgang mit relativer Mehrheit gewählt. Das Ereignis führte zu einer bundesweiten Debatte darüber, ob und wie die demokratischen Parteien die „Brandmauer zur AfD“ institutionell sichern können.
Die 16 Ministerpräsidenten 2025: Wer regiert wo
| Bundesland | Person | Partei | Im Amt seit |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Winfried Kretschmann | Grüne | 2011 |
| Bayern | Markus Söder | CSU | 2018 |
| Berlin | Kai Wegner | CDU | 2023 |
| Brandenburg | Dietmar Woidke | SPD | 2013 |
| Bremen | Andreas Bovenschulte | SPD | 2019 |
| Hamburg | Peter Tschentscher | SPD | 2018 |
| Hessen | Boris Rhein | CDU | 2022 |
| Mecklenburg-Vorpommern | Manuela Schwesig | SPD | 2017 |
| Niedersachsen | Stephan Weil | SPD | 2013 |
| NRW | Hendrik Wüst | CDU | 2021 |
| Rheinland-Pfalz | Alexander Schweitzer | SPD | 2024 |
| Saarland | Anke Rehlinger | SPD | 2022 |
| Sachsen | Michael Kretschmer | CDU | 2017 |
| Sachsen-Anhalt | Reiner Haseloff | CDU | 2011 |
| Schleswig-Holstein | Daniel Günther | CDU | 2017 |
| Thüringen | Mario Voigt | CDU | 2024 |
Stand 2025: Von 16 Regierungschefs stellen CDU/CSU sieben, SPD sieben, Grüne einen. Der dienstalteste ist Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt, seit 2011) — gefolgt von Kretschmann (Baden-Württemberg, ebenfalls seit 2011). Kretschmann ist der einzige Grünen-Ministerpräsident, den es je in Deutschland gab.
1994: Briefwahl wird erstmals massenweise genutzt – 10 Prozent wählen per Post
Bei der Bundestagswahl 1994 nutzten erstmals über 10 Prozent der Wähler die Briefwahl. Die Briefwahl war seit 1957 möglich, wurde aber jahrelang kaum genutzt: 1957 waren es 4,9 Prozent. 1994 stiegen die Zahlen stark an. 2021: 47 Prozent Briefwähler. 2025: fast 40 Prozent. Die Briefwahl veränderte die Wahllogistik: Stimmen kommen tagelang vor dem Wahlsonntag an. Auszählung dauert länger. Die Gefahr von Wahlausweisfälschungen stieg. Gleichzeitig stieg die Wahlbeteiligung in briefwahlaffinen Gruppen: Ältere, Hochgebildete, Süddeutsche.
Häufige Fragen
Was macht ein Ministerpräsident?
Der Ministerpräsident leitet die Landesregierung, bestimmt die Richtlinien der Landespolitik, vertritt das Bundesland nach außen und wirkt über den Bundesrat an der Bundesgesetzgebung mit.
Wie wird ein Ministerpräsident gewählt?
Der Ministerpräsident wird vom Landtag gewählt — in der Regel mit absoluter Mehrheit. Die Bürger wählen ihn nicht direkt, sondern bestimmen über die Landtagswahl die Zusammensetzung des Parlaments.
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