Ministerpräsidentin Saarland — Anke Rehlinger
Deutsche Meisterin im Kugelstoßen. Rechtsanwältin. Wirtschaftsministerin. Und dann: 43,5 Prozent und die absolute Mehrheit. Anke Rehlinger ist nicht nur die erste Frau an der Spitze des Saarlandes — sie ist die mächtigste. Kein Koalitionspartner bremst sie, kein Juniorpartner fordert Zugeständnisse. In der deutschen Länderpolitik 2026 ist das einzigartig.
Steckbrief
- Name: Anke Rehlinger (SPD)
- Im Amt seit: 25. April 2022
- Geboren: 6. August 1976 in Saarbrücken
- Regierungsform: SPD-Alleinregierung
- Besonderheit: Erste Ministerpräsidentin des Saarlandes
- Sport: Mehrfache deutsche Meisterin (Kugelstoßen, Diskuswurf)
- Bundesratspräsidentin: 2022/2023
Von der Leichtathletik in die Staatskanzlei
Aufgewachsen in Nunkirchen, parallel zum Sportstudium Jura an der Universität des Saarlandes. 2009 in den Landtag, 2012 SPD-Landesvorsitzende, 2014 Wirtschaftsministerin in der GroKo unter Kramp-Karrenbauer. Acht Jahre Regierungserfahrung als Juniorpartnerin — dann der eigene Wahlsieg.
Was Rehlinger von vielen Politikern unterscheidet: Sie war vorher in einem völlig anderen Bereich erfolgreich. Die sportliche Disziplin — Trainingspläne, Leistungskontrolle, Wettkampf — prägt ihren politischen Stil. Pragmatisch, ergebnisorientiert, wenig Pathos.
Alle Ministerpräsidenten
| Name | Partei | Amtszeit |
|---|---|---|
| Johannes Hoffmann | CVP | 1947–1955 |
| Hubert Ney | CDU | 1956–1957 |
| Egon Reinert | CDU | 1957–1959 |
| Franz-Josef Röder | CDU | 1959–1979 |
| Werner Zeyer | CDU | 1979–1985 |
| Oskar Lafontaine | SPD | 1985–1998 |
| Reinhard Klimmt | SPD | 1998–1999 |
| Peter Müller | CDU | 1999–2011 |
| Annegret Kramp-Karrenbauer | CDU | 2011–2018 |
| Tobias Hans | CDU | 2018–2022 |
| Anke Rehlinger | SPD | seit 2022 |
Lafontaine wurde Bundesfinanzminister, Kramp-Karrenbauer CDU-Chefin und Verteidigungsministerin. Aus dem kleinsten Flächenland kommen erstaunlich große Karrieren.
25. April 1990: Lafontaine wird in Köln niedergestochen
Oskar Lafontaine war der SPD-Kanzlerkandidat 1990 — der Mann, der Helmut Kohl nach 16 Jahren ablösen sollte. Am 25. April 1990, Wochen vor der Bundestagswahl, stach eine psychisch erkrankte Frau bei einer Wahlkampfveranstaltung in Köln auf ihn ein. Lafontaine verlor viel Blut und wäre fast gestorben; er musste notoperiert werden. Er überlebte, war aber während des entscheidenden Wahlkampfabschnitts physisch und psychisch gezeichnet. Die Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 verlor die SPD mit 33,5% gegen Kohls CDU/CSU (43,8%). Ob ein unversehrter Lafontaine Kohl in diesem Ausnahme-Vereinigungswahlkampf geschlagen hätte, bleibt Spekulation. Dass das Attentat seine Führungsstärke im entscheidenden Moment beschnitt, ist historisch belegt. Lafontaine zog die persönliche Konsequenz: Er kehrte nach Saarbrücken zurück und blieb Ministerpräsident — bis er 1998 Bundesfinanzminister unter Schröder wurde.
Saarlands wirtschaftliche Zerreißprobe: Stahl und Auto
Rehlinger regiert ein Land, das wirtschaftsstrukturell unter Dauerdruck steht. Saarstahl (Standorte Völklingen und Neunkirchen) und AG der Dillinger Hüttenwerke gehören zu den wichtigsten Stahlproduzenten Deutschlands — und beide kämpfen mit dem EU-Klimapaket, steigenden Energiepreisen und billigen Importen aus Asien. Hinzu kommt: Die Automobilzulieferindustrie (ZF Saarbrücken, Bosch, Ford-Komponenten) ist vom Verbrenner-Ausstieg direkt betroffen. Rund 30.000 Arbeitsplätze im Saarland hängen direkt oder indirekt an der Verbrennermotorenproduktion — in einem Bundesland mit gerade einmal einer Million Einwohnern. Rehlinger hat sich auf Bundesebene für Bestandsschutz und Übergangshilfen eingesetzt. Ob das reicht, wird die nächste Wirtschaftskrise zeigen.
Das Saarland: Kleinstes Flächenland, größte Karrieren
Mit rund einer Million Einwohnern ist das Saarland das kleinste deutsche Flächenland. Und doch: Kein Land bringt verhältnismäßig mehr Spitzenpolitiker hervor. Oskar Lafontaine war Bundesfinanzminister und Kanzlerkandidat. Annegret Kramp-Karrenbauer wurde CDU-Bundesvorsitzende und Verteidigungsministerin. Reinhard Klimmt war kurzzeitig Bundesverkehrsminister. Und Anke Rehlinger gilt als mögliche Bundesministerin der Zukunft. Was erklärt das? Der starke Zusammenhalt in einer kleinen politischen Gemeinschaft, eine industrielle Tradition, die Solidarität verkörpert, und eine SPD, die das Land als politisches Gravitationszentrum seit Jahrzehnten prägt.
Häufige Fragen
Wer ist die Ministerpräsidentin des Saarlandes?
Anke Rehlinger (SPD) seit April 2022. Erste Frau im Amt.
Ist sie die erste Ministerpräsidentin?
Ja — die erste Frau an der Spitze der saarländischen Landesregierung.
Weiterlesen
Merz-Regierung: Erste Bilanz
Wie die Bundesregierung die Länder beeinflusst.
Landtagswahl Saarland
Der Erdrutsch von 2022.
Regierung Saarland
SPD allein — kleinstes Kabinett.
Ministerpräsident
Rolle und Aufgaben.
Alle Ratgeber
450+ Artikel zu Wahlen und Politik in Deutschland.
Bundestagswahl 2029
Nächste Bundestagswahl: Termin, Kandidaten und Koalitionsszenarien.