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Erster Bürgermeister Hamburg

Peter Tschentscher — Der Arzt im Rathaus

Facharzt für Labormedizin, promoviert am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Sieben Jahre Finanzsenator. Dann der Anruf, der alles änderte: Als Olaf Scholz 2018 nach Berlin ging, wurde Peter Tschentscher sein Nachfolger. Kein Wahlkampf, kein parteiinternes Rennen — eine Nachfolgeregelung, typisch für die Hamburger SPD.

Seitdem hat der Mann, der lieber im Labor stehen würde als auf einer Wahlkampfbühne, dreimal die Bürgerschaftswahl gewonnen. 2020 sogar mit 39,2 Prozent — ein Ergebnis, von dem seine Partei im Bund nur träumen konnte.

Steckbrief

  • Geboren: 20. Oktober 1966, Bremen
  • Partei: SPD
  • Im Amt seit: 28. März 2018
  • Koalition: SPD + Grüne
  • Beruf: Facharzt für Labormedizin (Dr. med.)
  • Vorgänger: Olaf Scholz

Der Naturwissenschaftler in der Politik

Tschentschers Stil unterscheidet sich grundlegend von dem seines Vorgängers. Wo Scholz kühl berechnend wirkte, ist Tschentscher sachlich-nüchtern. In der Corona-Pandemie wurde sein medizinischer Hintergrund zum Trumpf: Ein Arzt, der Virendaten interpretieren kann, hatte in Gesundheitsfragen eine Glaubwürdigkeit, die kein Jurist oder Ökonom erreichen konnte.

Bisherige Erste Bürgermeister

AmtszeitNamePartei
seit 2018Peter TschentscherSPD
2011–2018Olaf ScholzSPD
2001–2010Ole von BeustCDU
1988–2001Voscherau / RundeSPD
1974–1988Klose / von DohnanyiSPD
Plenardebatte im Bundestag — Bundesländer bringen ihre Interessen per Bundesrat ein
Plenardebatte im Bundestag — Bundesländer bringen ihre Interessen per Bundesrat ein.

Drei Stimmen im Bundesrat, 1,9 Millionen Einwohner, Europas drittgrößter Hafen: Der Erste Bürgermeister von Hamburg ist mehr als ein Landespolitiker. Die Hafenpolitik, Handelsbeziehungen zu Asien und die Logistikbranche geben dem Amt eine wirtschaftliche Dimension, die über die meisten Ministerpräsidenten-Positionen hinausgeht.

Wählerinnen und Wähler im Wahllokal bei der Stimmabgabe — Demokratie in Deutschland
Im Wahllokal: Bürgerinnen und Bürger geben ihre Stimme ab.

Corona als Karrierebeschleuniger

März 2020. Tschentscher sitzt noch nicht einmal zwei Jahre im Amt, als die Pandemie beginnt. Während andere Ministerpräsidenten nach dem lautesten Mikrofon greifen, hält sich der Hamburger Arzt an die Daten. Er kommuniziert klar, erklärt den Unterschied zwischen Inzidenz und Reproduktionszahl wie ein Medizinprofessor, nicht wie ein Politiker. In Umfragen schnellt seine Zustimmungsrate in die Höhe.

Das Ergebnis: Die Bürgerschaftswahl Februar 2020 — mitten in der ersten Pandemie-Welle — brachte der SPD 39,2 Prozent. Einen Wert, von dem die Bundes-SPD Jahre entfernt war. Die Wissenschaft hinter dem Mann war die Hauptbotschaft. Als Arzt, der seine Fachsprache behält und trotzdem verständlich bleibt, hatte Tschentscher in der Gesundheitskrise eine Autorität, die kein Berufspolitiker kaufen kann.

Hamburg und Berlin: Wenn zwei Stadtstaaten verschiedene Wege gehen

Beide sind Stadtstaaten, beide SPD-regiert, beide haben ähnliche Demografie. Aber Hamburg und Berlin könnten unterschiedlicher kaum sein. Hamburgs Haushalt ist solide — die Stadt hat seit 2014 keine neuen Schulden mehr gemacht. Berlin hat über 60 Milliarden Euro Schulden und kämpft mit einer strukturellen Unterfinanzierung. Hamburg baut 10.000 Wohnungen pro Jahr. Berlin scheitert regelmäßig an viel weniger. Tschentscher erklärt diesen Unterschied nicht mit Ideologie, sondern mit dem kaufmännischen Charakter Hamburgs: Eine Handelsstadt, die seit Jahrhunderten weis, dass die Bücher stimmen müssen. Ole von Beust (CDU) hatte von 2001 bis 2010 regiert — der erste nicht-sozialdemokratische Bürgermeister seit Jahrzehnten. Die SPD holte sich das Amt zurück, ohne den fiskalischen Kurs zu brechen.

Das Scholz-Erbe: G20 und Cum-Ex

Tschentscher übernahm von Olaf Scholz zwei politische Hypotheken, die ihn bis heute begleiten. Die erste: die G20-Krawalle vom Juli 2017. Während des G20-Gipfels am 7. und 8. Juli 2017 lieferten sich Autonome und Polizei in der Schanze und rund um den Fischmarkt die schwersten Ausschreitungen, die Hamburg seit Jahrzehnten erlebt hatte. Mehr als 400 Menschen wurden festgenommen, über 400 Polizeibeamte verletzt, Autos brannten, Geschäfte wurden geplündert. Der Sachschaden belief sich auf schätzungsweise 12 Millionen Euro. Scholz hatte sich als Gastgeber bewährt, aber die Bilder des brennenden Großstadtviertels schädigten sein Bild als „Sicherheitspolitiker“. Als Tschentscher die Nachfolge antrat, war die G20-Aufarbeitung eines seiner ersten Themen.

Cum-Ex und die Warburg-Bank: Der Schatten über dem Rathaus

Die Warburg Bank hatte beim Cum-Ex-Steuerbetrug — einem System, bei dem Kapitalertragsteuern mehrfach erstattet wurden, obwohl sie nur einmal bezahlt worden waren — mindestens 47 Millionen Euro an unrechtmäßig erstatteter Steuer erhalten. Das Hamburger Finanzamt hätte diesen Betrag zurückfordern können — tat es aber zunächst nicht. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in der Hamburgischen Bürgerschaft ermittelte ab 2020, ob es politische Einflussnahme gegeben hatte. Im Mittelpunkt stand Olaf Scholz, der von 2009 bis 2018 Hamburger Finanzsenator bzw. Erster Bürgermeister gewesen war und sich nach eigenen Angaben an entscheidende Gespräche mit Warburg-Eigentümer Christian Olearius nicht erinnern konnte. Tschentscher geriet in den Ausschuss, weil er als Finanzsenator (ab 2011) an Vorgängen beteiligt gewesen sein könnte. Er sagte aus, die Entscheidung zur Nichtveranlagung sei nicht auf politischen Druck zurückgegangen. Der Bundesgerichtshof verurteilte 2024 ehemalige Warburg-Mitarbeiter wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Hamburgs politische Klasse wird mit dem Komplex noch lange konfrontiert bleiben.

2001: Die Schill-Partei erschrüttert Hamburgs Parteiensystem

Die Bürgerschaftswahl 2001 brachte eine Sensation: Die „Partei Rechtsstaatlicher Offensive“ unter dem als „Richter Gnadenlos“ bekannten Ronald Schill holte aus dem Stand 19,4 Prozent. Es war das beste Ergebnis einer Rechtspartei in einem westdeutschen Stadtstaatparlament der Nachkriegszeit. Schill wurde Innensenator in einer Koalition mit CDU und FDP unter Ole von Beust — dem ersten nicht-sozialdemokratischen Bürgermeister Hamburgs seit Jahrzehnten. Die Schill-Partei zerbrach schnell an internen Skandalen und verschwand bis 2004 aus der politischen Szene. Hamburg blieb dem Muster treu: Politische Experimente kommen und gehen, die SPD kehrt zurück.

Häufige Fragen

Wer ist der Erste Bürgermeister von Hamburg?

Peter Tschentscher (SPD), seit 2018. Dreimal bestätigt: 2018, 2020, 2025.

War Tschentscher wirklich Arzt?

Ja. Er war Facharzt für Labormedizin am UKE Hamburg, bevor er 2011 Finanzsenator wurde.

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SonntagsfrageCDU/CSU24,0%SPD13,0%Grüne13,8%AfD26,3%BSW3,8%FDP3,8%Linke10,3%YouGov · 15.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik USA schicken laut Bericht weiteren Flugzeugträger und 10.000 Soldaten in den Nahen OstenWelt Politik Bürgergeldempfänger benachteiligt – „Auch in Veränderungszeiten muss es Gerechtigkeit geben“FAZ Politik China und die USA: So stark belastet der Irankrieg die Beziehung zwischen Trump und XiFAZ Politik Südafrika ernennt Botschafter: Erfahrener Verhandler soll die Beziehung zu Trump rettenWelt Politik Wahlkampf trotz Krankschreibung – SPD-Politikerin verkündet RückzugSpiegel Politik Zukunftsängste: Es ist gar nicht so leicht, ein Mensch zu sein (und zu bleiben) - MeinungFAZ Politik Paragraph gegen Hassrede: Höhere Strafe, weil der Beleidigte ein Politiker istSpiegel Politik Produkthaftung: Dieses Gesetzes-Update dürfte Verbrauchern gefallenTagesschau Warkens Sparpaket: Was auf Patienten zukommen könnteTagesschau Bund plant höhere Beamtenbesoldung - Milliardenkosten trotz Spardruck

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