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Brexit — Folgen für die Europäische Union

Brexit — Folgen für die EU

Key-Facts

  • Referendum: 23. Juni 2016 (51,9 % für Leave)
  • Formeller Austritt: 31. Januar 2020
  • Ende Übergangsphase: 31. Dezember 2020
  • Haushaltslücke: ca. 12–15 Mrd. EUR jährlich
  • Handelsabkommen: EU-UK Trade and Cooperation Agreement (TCA)

Am 31. Januar 2020 verließ das Vereinigte Königreich die Europäische Union — nach 47 Jahren Mitgliedschaft und einem Austrittsprozess, der die europäische Politik über vier Jahre in Atem hielt. Der Brexit war der erste Fall, in dem ein Mitgliedstaat die EU verließ, und seine Folgen prägen die Union bis heute: vom Haushalt über die Sitzverteilung im Parlament bis hin zur Frage, wie stabil die europäische Integration wirklich ist.

Zeitleiste des Brexit

DatumEreignis
23.06.2016Referendum: 51,9 % stimmen für den Austritt
29.03.2017Premierministerin May aktiviert Artikel 50
25.11.2018EU-27 billigen den Austrittsvertrag
Jan.–Okt. 2019Britisches Unterhaus lehnt Deal dreimal ab, May tritt zurück
31.01.2020Formeller EU-Austritt, Übergangsphase beginnt
24.12.2020EU-UK Trade and Cooperation Agreement (TCA) vereinbart
31.12.2020Ende der Übergangsphase, UK verlässt Binnenmarkt und Zollunion
27.02.2023Windsor Framework löst Nordirland-Protokoll-Streit teilweise

Auswirkungen auf den EU-Haushalt

Großbritannien war nach Deutschland der zweitgrößte Nettozahler der EU. Der jährliche Nettobeitrag lag bei rund 7–10 Milliarden Euro (nach Abzug des britischen Rabatts). Mit dem Brexit fiel dieser Beitrag weg — eine Lücke von etwa 12–15 Milliarden Euro brutto.

Die EU reagierte mit einer Kombination aus Maßnahmen: Die verbleibenden 27 Mitgliedstaaten erhöhten ihre Beiträge für den Mehrjährigen Finanzrahmen (MFF) 2021–2027, bestimmte Ausgaben wurden gekürzt, und der britische Rabatt entfiel natürlich ebenfalls — was für Länder wie Deutschland, die einen „Rabatt auf den Rabatt“ erhielten, zusätzliche Kosten bedeutete. Für Deutschland stieg der jährliche EU-Beitrag nach Schätzungen um rund 3–4 Milliarden Euro. Mehr dazu im Artikel zum EU-Haushalt.

Sitzverteilung im EU-Parlament

Das Vereinigte Königreich hatte 73 Sitze im Europäischen Parlament. Nach dem Brexit wurden 27 dieser Sitze auf unterrepräsentierte Mitgliedstaaten verteilt, 46 Sitze entfielen ersatzlos. Die Gesamtzahl sank von 751 auf 705. Zur Europawahl 2024 wurde sie auf 720 erhöht.

LandSitze vor BrexitSitze nach BrexitZuwachs
Frankreich7479+5
Spanien5459+5
Italien7376+3
Niederlande2629+3
Irland1113+2
Polen5152+1
Österreich1819+1
9 weitere Länderje +1
Deutschland96960

Deutschland behält als bevölkerungsreichstes Land die maximalen 96 Sitze. Quelle: Europäisches Parlament.

Handelsbeziehungen EU–UK

Das am Heiligabend 2020 vereinbarte Trade and Cooperation Agreement (TCA) regelt die Handelsbeziehungen: Keine Zölle und Quoten auf Waren, aber neue Zollformalitäten, Ursprungsregeln und sanitäre/phytosanitäre Kontrollen. Für den Dienstleistungssektor — rund 80 % der britischen Wirtschaft — gibt es kaum Regelungen. Finanzdienstleister verloren ihren „Passport“ für den EU-Markt.

Die Folgen zeigten sich schnell: Der britische Warenhandel mit der EU ging 2021 deutlich zurück, erholte sich nur teilweise. Laut Schätzungen des UK Office for Budget Responsibility wird der Brexit das britische BIP langfristig um etwa 4 % senken — mehr als die Pandemie. Für die EU sind die Auswirkungen geringer, aber spürbar: Irland, die Niederlande, Belgien und Deutschland als wichtigste Handelspartner waren am stärksten betroffen.

Nordirland: Das hartnäckigste Problem

Die größte Herausforderung des Brexit war und bleibt Nordirland. Das Karfreitagsabkommen von 1998, das den Friedensprozess auf der Insel Irland sicherte, setzt eine offene Grenze zwischen Nordirland (UK) und der Republik Irland (EU) voraus. Gleichzeitig darf es keine unkontrollierte Hintertür in den EU-Binnenmarkt geben.

Das Nordirland-Protokoll im Austrittsvertrag löste dies durch eine Zollgrenze in der Irischen See: Nordirland bleibt faktisch im EU-Binnenmarkt für Waren, während Kontrollen zwischen Nordirland und Großbritannien stattfinden. Dies führte zu Protesten unionistischer Parteien, die sich vom Rest des UK abgeschnitten fühlten.

Das Windsor Framework (Februar 2023) entschärfte die Lage durch grüne und rote Handelslinien: Waren, die nur für Nordirland bestimmt sind, passieren mit vereinfachten Kontrollen. Waren, die in den EU-Binnenmarkt weitergehen könnten, werden voll kontrolliert. Die Lösung funktioniert, bleibt aber ein politisches Dauerthema.

Lehren für die EU

Der Brexit hat die EU in mehrfacher Hinsicht verändert:

  • Zusammenhalt: Paradoxerweise stärkte der Brexit die EU. Die Verhandlungen unter Michel Barnier zeigten eine bemerkenswerte Geschlossenheit der EU-27. Die Befürchtung, andere Länder könnten folgen („Frexit“, „Italexit“), bestätigte sich nicht.
  • Zustimmungswerte: In fast allen EU-Ländern stieg die Zustimmung zur Mitgliedschaft nach dem Brexit. Eurobarometer-Umfragen zeigten 2023/2024 die höchsten Zustimmungswerte seit den 1990er Jahren.
  • Artikel 50: Der Brexit bewies, dass ein EU-Austritt möglich, aber äußerst komplex und wirtschaftlich kostspielig ist. Dies wirkt als Abschreckung.
  • Institutionelle Reformen: Der Wegfall Großbritanniens als Vetomacht erleichterte in einigen Bereichen die Integration — etwa bei der gemeinsamen Verteidigungspolitik, wo London traditionell bremste.

UK-EU-Beziehungen heute

Seit dem Regierungswechsel zu Labour unter Premierminister Keir Starmer (Juli 2024) hat sich der Ton deutlich verändert. London strebt engere Beziehungen zur EU an — ohne Rückkehr in Binnenmarkt oder Zollunion. Konkret verhandelt werden ein Jugendmobilitätsabkommen, eine engere Zusammenarbeit bei Verteidigung und Sicherheit sowie Erleichterungen für den Warenhandel (insbesondere sanitäre Kontrollen).

Eine Vollmitgliedschaft steht nicht zur Debatte. Umfragen in Großbritannien zeigen zwar inzwischen eine knappe Mehrheit für einen Rückbeitritt, aber die politische Bereitschaft fehlt auf beiden Seiten. Die EU fordert zudem, dass jede Annäherung mit der Akzeptanz von EU-Regeln einhergeht — was London bisher ablehnt.

2016: Brexit-Referendum – 51,9 Prozent fuer Austritt, und die EU-Geschichte veraendert sich

Am 23. Juni 2016 stimmten 51,9 Prozent der britischen Waehler fuer den EU-Austritt – bei einer Wahlbeteiligung von 72 Prozent. Das Ergebnis schockierte Europa. Im Europaparlament verloren 73 britische Sitze; die Fraktionsbalancen verschoben sich. Die EKR verlor ihre britischen Mitglieder. Das Vereinigte Koenigreich verliess die EU am 31. Januar 2020. Institutionelle Folgen fuer Deutschland: Das Bundesverfassungsgericht musste keine neuen Grenzen ziehen; die Bundesregierung verlor einen wichtigen Verbuendeten gegen weitere Integration. Der Brexit demonstrierte, dass der EU-Austritt moeglich, aber wirtschaftlich extrem kostspielig ist.

Häufige Fragen

Wann ist Großbritannien aus der EU ausgetreten?

Das Vereinigte Königreich trat am 31. Januar 2020 formal aus der EU aus. Die Übergangsphase, in der britische EU-Regeln weiterhin galten, endete am 31. Dezember 2020.

Wie viel Geld verlor die EU durch den Brexit?

Großbritannien war zweitgrößter Nettozahler. Die Lücke betrug rund 12–15 Milliarden Euro jährlich brutto. Sie wurde durch höhere Beiträge der verbleibenden Mitgliedstaaten und Ausgabenkürzungen geschlossen.

Was passierte mit den britischen EU-Parlamentssitzen?

Von den 73 britischen Sitzen wurden 27 an unterrepräsentierte Mitgliedstaaten verteilt. Die Gesamtzahl sank von 751 auf 705, ab 2024 dann 720.

Hat der Brexit die EU geschwächt oder gestärkt?

Kurzfristig wirtschaftlich und politisch geschwächt. Mittelfristig führte er zu größerem Zusammenhalt: Zustimmungswerte zur EU stiegen in fast allen Ländern, und Austritts-Debatten verstummten weitgehend.

SonntagsfrageCDU/CSU25,7%SPD12,3%Grüne13,7%AfD25,7%BSW3,5%FDP3,3%Linke10,2%INSA · 08.04.BTW 2025CDU/CSU28,5%SPD20,5%Grüne11,6%AfD20,8%BSW5,0%FDP4,3%Linke3,8%Welt Politik „Wir haben Sie im Blick, Putin“ – Großbritannien jagt russische U-Boote im AtlantikFAZ Politik Menschenrechtsgruppe: Russisches Gericht stuft Memorial als extremistisch einWelt Politik Asylanträge von Syrern werden inzwischen zu 95 Prozent abgelehntWelt Politik „Eine katastrophale Nachricht für die Regierung“FAZ Politik Irankrieg: Ein gelöschter Tweet zeigt, wie fragil die Waffenruhe istSpiegel Politik CDU: Warum auf Google Maps Parteibüros plötzlich »Eierhaus« heißenFAZ Politik Liveblog Irankrieg: Starmer will enger mit Golfstaaten kooperierenTagesschau Wie kann Deutschland in der Straße von Hormus helfen?Tagesschau Wird die Pendlerpauschale erhöht?Spiegel Politik Gelsenkirchen: Katherina Reiche prüft Übernahme von Raffinerie durch umstrittenen InvestorSpiegel Politik Bundeswehr: Verteidigungsexperte verlangt Pflichtwehrübungen für Reservisten
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